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Traditionelle Europäische Heilkunde

Heilsames aus dem Wald oder worauf schon Oma schwörte

Ein Waldspaziergang mit Alexandra Bruckmoser und Sonja Rohrmoser weckt schönste Kindheitserinnerungen. Denn so, wie es schon ihre eigenen Großmütter gemacht haben, gehen auch sie in den Wald, um Zutaten für Tees, Salben, Essenzen, Tinkturen und Einreibungen zu sammeln. Beide Frauen sind für den in Unken gegründeten Verein „Traditionelle Europäische Heilkunde“ (TEH) tätig und sind zertifizierte TEH-Praktikerinnen. Sie kennen die Heilwirkung von Kräutern und Bäumen und wissen, wie man diese am besten verarbeitet. So etwa stellen sie Pechsalbe nach einer traditionellen Rezeptur her, die man seit vielen Generationen im Salzburger Saalachtal kennt und auf deren Wirkung schon ihre Großmütter vertrauten.

Sanftes Sonnenlicht fällt durch die Baumkronen in dem kleinen Wäldchen am Fuße des Steinpasses. Mit einem versierten Handgriff zückt Alexandra Bruckmoser ihr Taschenmesser: Vorsichtig schabt sie das frische Harz von der Rinde der Lärche. Kleinere Stückchen und ein paar größere Klumpen finden ihren Weg in den mitgebrachten Eimer: Das Pech – wie Fichten- und Lärchenharz im SalzburgerLand genannt wird – glänzt in der Sonne wie Bernstein und verströmt einen intensiv-waldigen Geruch. Alexandra Bruckmoser ist zufrieden, hat aber lange noch nicht genug: Denn aus dem Harz will sie Pechsalbe herstellen. „Die Bäume produzieren das Harz als Wundverschluss und verarzten sich damit selbst. Diese Heilwirkung kann sich auch der Mensch zunutze machen“, weiß die Geschäftsführerin des Vereins Traditionelle Europäische Heilkunde (TEH), der in Unken im Salzburger Saalachtal gegründet wurde und hier seinen Sitz hat. „Für das Sammeln von Pech gelten die gleichen Grundsätze wie etwa für das Sammeln von Fichtenwipfeln, Brennnesselsamen oder Kräutern: Immer nur so viel mitnehmen, dass es noch umweltverträglich ist.“ Mit diesen Worten klappt sie ihr Taschenmesser zu und zieht weiter – tiefer in den Natur- und Lebensraum Wald hinein.

Die Traditionelle Europäische Heilkunde (TEH) ist das Ayurveda der Alpen

Verantwortungsvolles Handeln in und mit der Natur ist der höchste Anspruch des Vereins, der es sich zum Ziel gesetzt hat, das alte Heilwissen der Bäuerinnen in zeitgemäßer Form weiterzugeben. Der Anstoß für das Konzept kam aus dem Tourismus, erinnert sich Vereinsgründerin Karin Buchart: „Viele Hotels haben auf altes Heilwissen aus anderen Teilen der Welt zurückgegriffen wie etwa auf Ayurveda oder Traditionell Chinesische Medizin und tun das heute noch. Für das alte Heilwissen unserer Region gab es kein Konzept und damit auch keine Möglichkeit, dieses weiterzugeben oder anzuwenden. Das hat sich mittlerweile stark verändert.“ Rund 700 TEH-PraktikerInnen wurden in den vergangenen elf Jahren ausgebildet. Insgesamt hat der Verein 50 Kooperationspartner, darüber hinaus gibt es im SalzburgerLand 15 TEH-Schaugärten. Auch Sonja Rohrmoser aus Lofer ist TEH-Praktikerin und seit vier Jahren im Verein tätig. Sie liebt die Arbeit mit natürlichen Zutaten, die am Fuße des Steinpasses in den „TEH naturwerken“ zu hochwirksamen Produkten verarbeitet werden. In den Wald und in die Natur zu gehen, ist für sie ein wichtiges, tägliches Ritual. Hier findet sie alle Zutaten für Sirupe, Essenzen oder Tees, mit denen sie sich und ihre Familie beinahe erkältungsfrei über den Winter bringt.

UNESCO-Weltkulturerbe verpflichtet zur zeitgemäßen Wissensvermittlung

„Das alte Heilwissen der Pinzgauer Bäuerinnen ist in Unken so gut erhalten geblieben, weil der Ort lange Zeit relativ abgelegen war. Auch der nächste Arzt war weit entfernt und für viele nicht leistbar. So war es wichtig für die Menschen, erst gar nicht krank zu werden und im Krankheitsfall auf eigene Mittel zurückgreifen zu können. Vieles wurde nur mündlich weitergegeben“, erklärt Alexandra Bruckmoser, die ihren Waldspaziergang beendet und nun Olivenöl und das gesammelte Harz auf kleiner Flamme erhitzt. „Seit 2011 ist die Traditionelle Europäische Heilkunde immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Damit haben wir auch den Auftrag, das alte Heilwissen lebbar zu machen. Es geht nicht nur darum, das Wissen zu bewahren, sondern es zeitgemäß weiterzugeben. So etwa verwenden wir bei der Pechsalbe heute kein Schweineschmalz mehr, sondern Olivenöl. Wir verändern die traditionellen Rezepte im Hinblick auf ihre Praktikabilität, doch Essenz und Grundprinzip bleiben gleich.“

© TEH – Gutes aus der Natur

Der Wald als Schatzkästchen für das eigene Wohlbefinden

Während sich langsam der wunderbare Geruch von Harz und Bienenwachs ausbreitet, entsteht scheinbar nebenbei eine der ältesten Wundheilsalben der Alpen, deren Wirkung mittlerweile wissenschaftlich erwiesen ist: Pechsalbe wirkt keimtötend, ist antibakteriell, entzündungshemmend und zusammenziehend. Die Salbe kann für tiefer liegende Beschwerden wie Rheuma, Gicht oder Husten eingesetzt werden, aber auch bei Wunden, Furunkeln oder Fieberblasen. Das Wiegen, Rühren und Abfüllen erfordert die gesamte Aufmerksamkeit, alle Sinne werden angesprochen. „Die Sensorik bei der Weitergabe von altem Heilwissen ist wichtig. Nur darüber zu lesen, reicht meist nicht aus. Man muss es praktisch erlernen“, erklärt Karin Buchart, die bei vielen Kursteilnehmern eine enorme Sehnsucht nach den einfachen Dingen erkennt. „Es gibt momentan ein großes Umdenken – auch bei Schulmedizinern. Das alte Naturheilwissen ist eine wunderbare Ergänzung und sie gibt Menschen das Gefühl, dass sie selbst etwas für ihre Gesundheit tun können. Das allein ist schon gesundheitsfördernd.“ Die Ausbildung zum TEH-Praktiker, die zeitgemäße Weitergabe des alten Naturheilwissens, die Entwicklung neuer Produkte auf Basis überlieferter Rezepturen – all das sind die Aufgaben des TEH-Vereins: Wer nicht selbst Salben rühren oder Tees mischen möchte, der kauft die feinen Produkte vor Ort. So etwa die neu entwickelte Basilikum-Sole im Sprühfläschchen oder das Wald-Räucherkistl. Über weitere Innovationen wollen Karin Buchart und Alexandra Bruckmoser noch nicht zu viel verraten. Eines aber ist sicher: Der Wald ist eine unerschöpfliche Naturapotheke mit vielen erstaunlichen Zutaten. Und ausgehend vom Salzburger Saalachtal breitet sich dieses Wissen scheinbar mühelos aus.

© TEH – Kräuter frisch aus dem Wald

Das wussten schon die Großmütter – altbekannte Medizin aus dem Wald

  • Brennnesselsamen wirken positiv auf das Immunsystem.
  • Holler- und Lindenblütentee tun gut bei aufziehenden oder akuten Erkältungen.
  • Heidelbeeren helfen gegen unspezifischen Durchfall und bei Krampfadern.
  • Fichtenspitzen (Maiwipferl) und Kiefernsprossen haben positiven Einfluss auf die Luft- und Atemwege und wirken gegen Muskel- und Nervenschmerzen. Bei Husten hilft ein Maiwipferlsirup aus einem Teil Maiwipferl, vier Teilen Wasser und drei Teilen Zucker.
  • Birkenblätter gelten als Entwässerungsmittel.
  • Weißdorn wirkt herzstärkend.

TEH-Rezepturen nach dem überlieferten Wissen der Pinzgauer Bäuerinnen:

Lärchenpechsalbe

  • 100 g Olivenöl
  • 20 g Fichtenharz
  • 13 g Lärchenharz
  • 1 g Schafgarbe
  • 1 g Ringelblume
  • 20 g Bienenwachs

Das Olivenöl vorsichtig auf ca. 70 Grad erwärmen, das Fichtenharz zugeben und gut rühren, bis sich dieses auflöst. Die Kräuter unterrühren und die Mischung etwa eine Stunde ziehen lassen. Ist das Pech vollständig geschmolzen, die Kräuter und Rindenrückstände vom Harz abseihen.

Nun das Bienenwachs zugeben und die Mischung erneut auf ca. 65 Grad erwärmen. Wenn das Wachs geschmolzen ist, die Salbe in Glastiegel abfüllen, vollständig auskühlen lassen und dann verschließen.

Steinpass Bitter Tropfen

  • 1 Teil Wermut, 20 Teile Biokorn 40 %
  • 1 Teil Enzian, 10 Teile Biokorn 40 %
  • 1 Teil Meisterwurz, 10 Teile Biokorn 40 %
  • 1 Teil Pfefferminze, 20 Teile Biokorn 40 %

Die Kräuter im Korn ansetzen und einen Monat lang im Halbschatten ziehen lassen, danach die Tinkturen in folgendem Verhältnis mischen: 2 Teile Wermuttinktur, 1 Teil Enziantinktur, 1 Teil Meisterwurztinktur, 1 Teil Pfefferminztinktur. Sollte der Schnaps zu intensiv sein, kann er mit abgekochtem Wasser gemischt werden.

Waldsalz

  • 10 g Oswegokraut
  • 10 g Engelwurz
  • 30 g Brennnessel
  • 150 g Fichtenwipfel
  • 800 g Steinsalz

Die Kräuter fein hacken, trocknen lassen und mit dem Steinsalz vermischen.

Brennnesselsamenhonig

Honig in beliebiger Menge und von dieser Menge 5 % Brennnesselsamen untermengen.

Das neue TEH Wald-Räucherkistl

Die kleine, praktische Holzkiste aus österreichischem Birkenholz ist mit einer Auswahl von heimischen Harzen und Kräutern befüllt. Zum Räuchern eine kleine Prise des Räucherwerks in ein Kupferpfandl über einer Flamme oder auf ein Stück Kohle legen. Das Räuchern hat im SalzburgerLand lange Tradition und wirkt sowohl auf physischer als auch auf geistiger Ebene: So etwa kann die Luft dadurch gereinigt und desinfiziert werden, doch die Kräuter und Harze wirken sich auch auf Stimmung und Atmosphäre aus.

Kontakt

Salzburger Saalachtal Tourismus
+43 6588 8321
Nr. 310
5090 Lofer
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