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Wohltuende Wirkung des Waldes erfahren

Zu Gast bei den Lungauer Waldfrauen

Im Salzburger Lungau – so sagt man – ging das alte, naturheilkundliche Wissen nie ganz verloren: Hier, im UNESCO-Biosphärenpark, schätzt man die Heilkraft der Kräuter und Bäume und deren wohltuende Wirkung auf Körper, Geist und Seele. Mit Marion Neumann, Sabine Lerchner und Flora Löcker haben wir drei pflanzenkundige Frauen besucht, die – jede auf ihre Art – einen engen Bezug zur Natur pflegen. Marion Neumann lädt als diplomierte Gesundheitstrainerin Menschen zum achtsamen Wandern und Waldbaden ein. Sabine Lerchner ist Wirtin der Branntweinerhütte und verarbeitet, was Wald und Wiese im Almsommer hergeben. Löckerwirtin Flora Löcker setzt auf die Kraft von Rosskastanie und Balsampappel.

Unendlich lange Tage draußen in der Natur: Spielen im Wald und am Bach, vollkommene Freiheit und unbändiges Glück. Wenn sich Marion Neumann an ihre Kindheit erinnert, sind es vor allem Naturbegegnungen, die ihr in den Sinn kommen: Das Leben auf dem Bergbauernhof im Salzburger Lungau war einfach, aber echt. „Die Natur bot uns Kindern so viele Anreize und förderte unseren Entdeckergeist“, erzählt die diplomierte Gesundheitspädagogin, die nach ihren Lehr- und Wanderjahren im In- und Ausland in die Heimat zurückkehrte. Noch heute sind es die Natur – der Wald, das Flussufer der Longa – und ihre Pferde, die sie erden und wo sie Entspannung und Erholung findet. „Bei meinen Wanderungen mit Gästen fällt mir immer wieder auf, wie schwer sich viele tun, sich auf die Natur einzulassen. Viele haben – so scheint es – den Bezug dazu verloren. Sie kennen keine Baum-, Pflanzen- oder Tierarten mehr. Manche haben auch Angst, wenn sie zum ersten Mal in den Wald gehen. Oft ist es aber gerade die spielerische Annäherung, die Erinnerungen wachruft. Und dann sind sie plötzlich wieder da: Die Entdeckerfreude und die Neugierde. Und nicht selten kommt dann das große Erstaunen. Viele Eltern merken mit Bedauern an, dass es ihnen von Herzen leid tut, dass sie ihren Kindern diese Erfahrung bislang nicht weitergegeben haben. In der Natur Raum und Zeit zu vergessen, das ist das Ziel.“

Der Wald lehrt Offenheit und Präsenz

Es ist das sinnliche Eintauchen in den Natur- und Lebensraum Wald und das achtsame Einlassen auf dessen Außenreize, worum es Marion Neumann geht. Studien bestätigen, dass bereits ein 15-minütiger Aufenthalt im Wald Blutdruck und Stresslevel senkt. Dazu muss man noch nicht einmal etwas tun. Und genau das möchte Marion Neumann erreichen: Wenn sie im Sommer mit Gästen ihre wöchentlichen Achtsamkeitswanderungen unternimmt, geht es ihr weder um Leistung, Höhenmeter oder Schnelligkeit. Ganz im Gegenteil: Mit einfachen, angeleiteten Übungen versucht sie, die Menschen gerade davon abzuhalten: „Ob wir nun wandern oder waldbaden: Mein oberstes Ziel ist es, den Menschen wieder einen respektvollen Umgang mit der Natur, den Pflanzen, Tieren und Mitmenschen zu vermitteln. Es geht dabei um Wahrnehmung, um Offenheit und um Präsenz. Das passiert ganz von alleine, wenn man mit vollem Herzen in der Natur ist.“

Fichtengelee und Zirbensirup: Auf der Branntweinerhütte die Natur erschmecken

In die Natur zieht es auch Hüttenwirtin Sabine Lerchner. Wenn es ihr Arbeitsalltag auf der Branntweinerhütte am Aineck in St. Margarethen erlaubt, beginnt sie am liebsten jeden Tag mit einer kleinen, halbstündigen Waldrunde. „Es ist, als gäbe mir der Wald immer einen Schubs in die richtige Richtung“, schmunzelt die 35-Jährige, die seit 2005 die Hütte bewirtschaftet. „Jedes Mal, wenn ich im Wald war, komme ich als neuer Mensch wieder heim. Der Wald richtet mich auf: Ich fühle mich beschwingter und leichtfüßiger, wenn ich draußen war.“ Hinter der Branntweinerhütte wachsen uralte Lärchen und Fichten, viele von ihnen von Blitzeinschlägen gekennzeichnet und von skurriler Gestalt. Allein dieser Anblick ist für Sabine Lerchner eine Wohltat, wenn es auf der Hütte mal wieder hoch hergeht. Diese Liebe zur Natur möchte sie auch Wanderern mitgeben, die auf die Branntweinerhütte kommen. Manche von ihnen unternehmen nur eine Tageswanderung, andere wiederum bleiben über Nacht auf der 1.800 Meter hoch gelegenen, zertifizierten Almsommerhütte. Alle aber kommen in den Genuss der feinen Naturköstlichkeiten, die Sabine Lerchner herstellt. So etwa gibt es hier selbst gemachten Schafgarbensirup, Kräuterpalatschinken mit Fichtenmarmelade, Zirbengelee mit Almjogurt und natürlich die vielen Käsesorten aus der Milch der eigenen Kühe.

Jemand lässt Honig aus einem Glas tropfen

© SalzburgerLand Tourismus GmbH, Michael Groessinger Fotografie – Honig als wertvolles Allheilmittel

Die zertifizierte TEH-Alm bietet alles für die Naturapotheke

Von ihrer Urgroßtante Thres hat Sabine Lerchner die Liebe und Leidenschaft zu Kräutern und Bäumen geerbt. „Ich war schon als kleines Mädchen ständig mit ihr draußen unterwegs, um zu sammeln, was die Jahreszeiten gerade hergegeben haben“, erinnert sich Sabine Lerchner. Heute stellt die diplomierte TEH-Praktikerin zahlreiche Produkte selbst her: Darunter Arnikatinktur, Pechsalbe, Hydrolate aus Lavendel, Pfefferminze und Kamille sowie ihren Lippenpflegestift „Kussmund“ aus Melissentinktur, Arnika und Bienenwachs. Die Gäste der Branntweinerhütte – die eine zertifizierte TEH-Alm ist – schätzen Sabine Lerchners Wissen und Können: „Ich bin überzeugt davon, dass ein Urlaub, wie man ihn hier bei uns verbringt, auch nachhaltige Wirkung zeigt. Man muss sich nur zuhause die Zeit nehmen, um die abgespeicherten Erinnerungen abzurufen. Ich weiß aus Erfahrung, dass es gelingen kann, das Gefühl, mitten im Wald zu stehen, auch im Alltag wiederherzustellen.“

Die Kraft von Rosskastanie und Lungauer Balsampappel

Ebenfalls in St. Margarethen zuhause ist Flora Löcker vom gleichnamigen Löckerwirt. Die ausgebildete TEH-Praktikerin hat ihre Diplomarbeit schon vor Jahren über ihren Lieblingsbaum – die Rosskastanie – verfasst und ist nach wie vor fasziniert von den vielfältigen Heilwirkungen des Baumes: „Von den Knospen über die Blätter und Blüten bis hin zu den Früchten und der Rinde kann von dem Baum alles verwendet werden. Ähnlich ist es bei der Balsampappel, auf die ich wirklich erst zufällig gestoßen bin. Eines Tages bin ich im Frühsommer durch den Garten spaziert und hatte plötzlich diesen einzigartigen, süßen, balsamischen Duft nach Weihnachten und Zimt in der Nase, der mich schlagartig an meine Kindheit erinnerte. Da wusste ich: Irgendwo muss eine Balsampappel stehen und genauso war es.“

© Michael Grössinger – TEH Praktikerin Flora Löcker

Baumrarität „Lungauer Balsampappel“ für die „gute Haussalbe“

Die Lungauer Balsampappel (Populus trichocarpa ‚Lungau‘) ist ein besonderer und seltener Baum: Er kommt in Salzburgs Wäldern so gut wie nicht vor, im Salzburger Lungau gilt er hingegen als „Hausbaum“ und wächst auf Bauernhöfen und Weilern. „Aus den Knospen wird Öl hergestellt und daraus wiederum die ‚gute Haussalbe‘, wie die alten Lungauer sagen“, erzählt Flora Löcker. „Die Heilwirkung der Balsampappel wurde ebenso wie die der Rosskastanie von der deutschen ‚Kommission E‘ bestätigt und findet in der Schulmedizin und in der Homöopathie Verwendung.“ Woher die Lungauer Balsampappel genau stammt, darin scheiden sich die Geister der kräuterkundigen Frauen: Manche vermuten ihren Ursprung in Nordamerika, andere wieder gehen davon aus, dass die Balsampappel mit den Türkenkriegen aus Kleinasien in den Lungau kam.

Pappel- oder Birkenblätter als Tee oder kulinarische Spezialität

Flora Löcker pflückt im Frühling die harzreichen und klebrigen Knospen der Pappel und legt sie für vier bis sechs Wochen in kaltgepresstem Olivenöl ein. Dieses Öl filtriert sie anschließend und verarbeitet es zur Salbe. Von den Knospen kann man auch eine Tinktur herstellen und in die Salbe einarbeiten. „Die Balsampappel ist fiebersenkend, harntreibend, abschwellend, hautpflegend und entzündungshemmend. Ich verwende sie bei Wunden und Narben genauso wie bei Fieberblasen und blauen Flecken, Verbrennungen, aber auch bei Knochenbrüchen, Rheuma oder Gicht“, erläutert Flora Löcker, die als Köchin auch die kulinarischen Vorzüge der Balsampappel kennt. So etwa füllt sie die seidigen Blätter mit einer würzigen Schinken-Topfen-Kräutermischung. Gäste des Löckerwirts machen nicht selten ein erstauntes Gesicht. Flora Löcker klärt dann gerne auf: „Viele wissen nicht, dass man Blätter von Bäumen essen kann. Am besten schmecken sie ganz jung und frisch im Frühling.

Kontakt

Salzburger Lungau
+43 6477 8988
Rot-Kreuz-Gasse 100
5582 St. Michael im Lungau
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