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Adventgeschichten und Brauchtum

Traditionelles vorweihnachtliches Brauchtum im SalzburgerLand

Mit Ende November beginnt „a stade Zeit“ im SalzburgerLand. Die Tage werden deutlich kürzer und langsam kündigt sich mit den ersten Schneefällen der Winter an. Bekanntes Brauchtum, wie das gesellige Adventkranzbinden und das Räuchern in den mystischen Raunächten, aber auch stilles Brauchtum, wie das „Frautragen“, die „Bacheschneid“ oder das „Kripperlschaun“ werden im Salzburger Advent gelebt und gepflegt.

Doch der Advent beginnt ersteinmal garnicht so still und „stad“. Lautes Glockengeläut und Kettenrasseln durchbricht die Finsternis und selbst den Mutigen pocht bei den archaischen Auftritten der Krampusse das Herz. Als wilde Begleiter des Nikolaus ziehen sie Anfang Dezember furchteinflößend durchs SalzburgerLand und präsentieren bei großen Krampusläufen ihre schaurigen Masken. Das Krampuslaufen ist für viele junge Burschen eine Leidenschaft und aufwändig wird das Erscheinungsbild der Passen (Krampusgruppen) gepflegt. Die Weidenrute, ein Bauchgurt mit Schellen und Glocken über einen langen Fellmantel oder -Anzug und natürlich die kunstvoll geschnitzte Holzlarve mit den Hörnern. Diese Larven sind oft wahre Sammlerstücke aus den Werkstätten jener Holzkünstler, die sich auf das Schnitzen der Krampusmasken spezialisiert haben. Bei einigen Adventmärkten im SalzburgerLand zeigen die Künstler beim Schauschnitzen ihr Können.

Duftender Advent

„Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – dann steht das Christkind vor der Tür“. In diesem Adventgedicht wird das Anzünden der vier Kerzen auf dem Adventkranz, und die steigende Aufregung der Kinder, beschrieben. Der traditionelle Adventskranz wird aus Tannenzweigen gebunden und mit Bändern, Zapfen und Misteln oder Holzäpfeln verziert. Auf dem nach Harz und Tannenreisig duftende Kranz kommen vier dicke Kerzen, die jeweils an den Adventsonntagen angezündet werden. In vielen Orten kann man in der Adventzeit das Binden der Adventkränze in eigenen Workshops erlernen.

Der Duft von Weihrauch und getrockneten Kräutern liegt beim Räuchern – oder „Rachn geh’“ in der Luft. Die Raunächte erstrecken sich über 12 Tage, doch die vier Räuchernächte sind der 21.12. (Thomasnacht), der 24.12. (Christnacht), der 31.12. (Silvesternacht) und der 5.1. (Dreikönigsnacht). Es sind mystische Nächte, in der nach der Legende die „Wilde Jagd“ um Haus und Hof tobt. Der Thomastag (21. Dezember) ist nach überliefertem Brauchtum die erste von vier Raunächten, und in vielen Familien im SalzburgerLand wird noch heute die Räucherpfanne mit Glut aus dem Ofen gefüllt und mit Harzen und Kräutern der Rauch im ganzen Haus verteilt. Das Räuchern soll die Räume reinigen, das Böse vom Heim fernhalten und Schutz und Segen für alle Bewohner bringen.

Die Anklöckler auf Herbergssuche

An den Donnerstagen vor Weihnachten gehen in einigen salzburger Redionen die Anklöckler von Haus zu Haus. Klöckln ist ein altes Wort für Klopfen, und in den Anklöcklernächten klopfen die Anklöckler an die Haustür. Im Pinzgau sind sie als Josef, Maria und Hirten unterwegs. Sie bitten um Einlass, singen von der Herbergssuche und tragen Gedichte vor. Mit dem lauten Klopfen soll auch das Böse vom Haus vertrieben werden.  Werden die Anklöckler durch die Hausbesitzer gut bewirtet oder beschenkt – meist mit traditionellem Kletzenbrot – bringt dies Segen für das kommende Jahr. Was heute als überliefertes Brauchtum liebevoll gepflegt wird, war früher für viele Knechte überlebensnotwendig, denn die Gaben halfen ihnen, über den Winter zu kommen.

Frautragen & Kripperlschauen

Das sehr alte Brauchtum des Frautragens wird nur noch in wenigen ländlichen Regionen des SalzburgerLands gelebt. Ein Muttergottesbild oder Madonnenstatue geht ab dem ersten Samstag im Advent auf Herbergssuche. Für den sicheren Transport von Haus zu Haus ist die Marienstatue in einem kunstvoll geschnitzten Vitrinenschränkchen mit Schulterriemen verstaut. In Zell am See-Thumersbach sind im Advent noch vier „Frauen“ auf Herbergssuche, die in mühsamer Detailarbeit restauriert oder neu geschnitzt wurden. Die Älteste, die „Entfeldfrau“, stammt aus dem Jahre 1780. Die Wurzeln dieses alpenländischen Brauchs liegen vermutliche in der frühchristlichen Zeit und das Beherbergen der „Frau“ bringt nicht nur Segen fürs Haus, es soll auch für Fruchtbarkeit sorgen. Wer die Madonnenstatue im Advent bei sich zuhause für eine kleine Weile aufnimmt, verpflichtet sich, die „Frau“ danach zum nächsten Haushalt, der sich für diesen Brauch angemeldet hat, weiterzutragen.

Kripperl-schauen ist nicht nur für Kinder ein beliebter Zeitvertreib in der Adventszeit. Die detailgetreuen Nachbildungen der Geburt Christi fasziniert Erwachsene ebenso. In vielen Familien wird zugleich mit dem Adventkranz auch die Familienkrippe aufgestellt und viele Orte bieten spezielle vorweihnachtliche Krippenausstellungen. Das Museum Schloss Ritzen in Saalfelden beherbergt eine der größten und volkskundlich bedeutendsten Krippensammlungen. Der Saalfeldner Krippenbauer Alexander „Xandi“ Schläffer (1899 – 1984) war weit über die Grenzen Österreichs hinaus für seine kunstvollen Krippen bekannt. Die Krippenausstellungen dokumentieren den Krippenbrauch der Region über Jahrhunderte in einer einzigartigen Dichte und Vielfalt.

Pinzgauer Brauchtum: Bachlschneid

Bevor man sich früher mit der Familie zur Weihnachtsfeier in der Stube zusammenfand, mussten auf den Bauernhöfen noch einige Arbeiten verrichtet werden. So schliff der Bauer am 24. Dezember noch alle Messer im Haus, und diese Schneid sollte ein ganzes Jahr lang halten. Wer das Messerschleifen heute nicht mehr beherrscht, bringt seine Messer zum Schmied. Die auf 1599 datierende Hüttschmiede in Leogang wurde vor einigen Jahren als Schauschmiede reaktiviert. Jeden Freitag vor dem Weihnachtsfest öffnet die alte Schmiede ihre Tore für die traditionelle Bachlschneid, und bei Glühwein und Kletzenbrot kann jeder seine Messer vorbeibringen.

 

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