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Heilkunde aus dem Wald

Pechsalbe und andere Wundermittel

Hoch oben am Tauern hat Katharina Warter morgens Latschen geschnitten. Unten am Mandlberggut steckt sie diese in den Destillierkessel und entlockt ihnen feines ätherisches Latschenkieferöl. Eine Prise davon lässt die Lunge durchatmen. Und ein paar Tropfen kommen in die Pechsalbe, dem kraftvollsten und ältesten Wundheilmittel aus dem Natur- und Lebensraum Wald im SalzburgerLand.

Das ätherische Öl der Latschen tropft unentwegt in den Glasballon, taucht kurz in die Wasserphase ein, um sich dann an der Oberfläche zu sammeln. Die Duftstoffe aus den Latschen sind ein Elixier für die Atemwege, das wissen nur wenige so gut wie Katharina Warter. Als Kind hatte sie Asthma, deshalb hat ihre Mutter ihr ein Plätzchen zum Schlafen zwei Meter oberhalb der hauseigenen Destille bereitet. Der Latschenkieferduft stieg zu ihr auf und hüllte ihre Bronchien und Lungenbläschen ein. Dieser mystische Ort aus altem Holz ist ihr Lieblingsplatz geblieben.

TEH Praktikerin Katharina Warter

Heute ist Katharina Warter vom Asthma geheilt. Sie ist noch keine 30 Jahre alt und steht mit beiden Beinen im Leben. Auf dem Mandlberggut in Radstadt auf 980 Metern Seehöhe sind ihre Wurzeln, hier ist sie daheim und hier schätzt sie die Nähe zu den Einheimischen. Am liebsten hört sie zu, wenn Menschen ihr Geschichten erzählen. Aus diesem Grund hat sie sich auch für die Ausbildung zur TEH-Praktikerin entschlossen und die Jagdprüfung abgelegt. „Um das Jägerlatein zu verstehen, das in der Jausenstation Mandlberggut zur Tagesordnung zählt“, lacht sie. „Zum Ausgleich aber brauche ich die Natur. Ich gehe gerne in den Wald, setze mich einfach hin und beobachte.“

© SalzburgerLand Tourismus, Katharina Warter beim Sammeln der besten Zutaten aus der Natur

Dachstein Destillerie

Die Schwestern Katharina und Theresa haben schon recht jung von ihren Eltern Verantwortung übertragen bekommen. Theresa ist für alles „Geistige“ im Haus zuständig: Sie produziert in der Dachstein Destillerie Whisky und Edelbrände und wurde auf der Destille Berlin zum „Young Distiller of the Year 2018“ gewählt. Katharinas Naturliebe bringt nicht nur Kräuter, Wurzeln und Latschen in den Betrieb. Gleich hinter dem Haus findet sie Pilze, junge Triebe von Fichten und Tannen und Harz, das sogenannte Pech. Dieser klebrige Wundverschluss der Nadelbäume hat es ihr angetan.

Am Abend, wenn es still geworden ist im Mandlberggut, steht Katharina in der Küche, um den traditionellen heilsamen Balsam zu brauen. „Dazu brauche ich Ruhe und gute Stimmung“, schmunzelt sie. Vorsichtig erwärmt sie Olivenöl in einem Keramiktopf und gibt klumpiges Fichtenpech und klares, gelbes Lärchenpech dazu. Langsam verrührt Katharina das Gemisch, bis es sich aufgelöst hat und sich gleichzeitig ein intensiver Waldduft ausbreitet. Sie seiht den warmen Ölauszug ab, gibt das Latschenkieferöl dazu und entfernt die letzten Reste von Nadeln und Rindenteilen. Bienenwachs verleiht dem Pech Festigkeit, sodass es in kleine Tiegel abgefüllt werden kann.

Die Pechsalbe ist die älteste Wundheilsalbe aus Salzburgs Wäldern und jedes Tal hat seine eigene Rezeptur. Katharina schwört darauf: „Ich konnte damit schon eine üble Wunde von Schneewittchen, meinem Esel, heilen. Und den Menschen hilft sie natürlich genauso.“

© Salzburger Land Tourismus, Frisches Harz für die Pechsalbe

TEH-Rezepturen nach dem überlieferten Wissen Pinzgauer Bäuerinnen:

Lärchenpechsalbe

  • 100 g Olivenöl
  • 20 g Fichtenharz
  • 13 g Lärchenharz
  • 1 g Schafgarbe
  • 1 g Ringelblume
  • 20 g Bienenwachs

Das Olivenöl vorsichtig auf ca. 70 Grad erwärmen, das Fichtenharz zugeben und gut rühren, bis sich dieses auflöst. Die Kräuter unterrühren und die Mischung etwa eine Stunde ziehen lassen. Ist das Pech vollständig geschmolzen, die Kräuter und Rindenrückstände vom Harz abseihen.

Nun das Bienenwachs zugeben und die Mischung erneut auf ca. 65 Grad erwärmen. Wenn das Wachs geschmolzen ist, die Salbe in Glastiegel abfüllen, vollständig auskühlen lassen und dann verschließen.

Steinpass Bitter Tropfen

  • 1 Teil Wermut, 20 Teile Biokorn 40 %
  • 1 Teil Enzian, 10 Teile Biokorn 40 %
  • 1 Teil Meisterwurz, 10 Teile Biokorn 40 %
  • 1 Teil Pfefferminze, 20 Teile Biokorn 40 %

Die Kräuter im Korn ansetzen und einen Monat lang im Halbschatten ziehen lassen, danach die Tinkturen in folgendem Verhältnis mischen: 2 Teile Wermuttinktur, 1 Teil Enziantinktur, 1 Teil Meisterwurztinktur, 1 Teil Pfefferminztinktur. Sollte der Schnaps zu intensiv sein, kann er mit abgekochtem Wasser gemischt werden.

Waldsalz

  • 10 g Oswegokraut
  • 10 g Engelwurz
  • 30 g Brennnessel
  • 150 g Fichtenwipfel
  • 800 g Steinsalz

Die Kräuter fein hacken, trocknen lassen und mit dem Steinsalz vermischen.

Brennnesselsamenhonig

Honig in beliebiger Menge und von dieser Menge 5 % Brennnesselsamen untermengen.

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