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Gipfelglück am Kitzsteinhorn

Eisig, brodelnd und aussichtsreich – ein Tag am Gletscher des Kitzsteinhorns

Von kochendem und gefrorenem Wasser hoch oben am Kitzsteinhorn. Prickelnd und still zeigt sich das Element Wasser auch auf über 3.000 m. Zum einen präsentiert es sich am majestätischen Gipfel des Kitzsteinhorns im ewigen Gletschereis und dem frisch gefallenen Pulverschnee, zum anderen zaubert das Küchenteam im Gipfelrestaurant Belebendes aus reinem Quellwasser.

Kochendes Wasser

Munter blubbert das kochende Wasser im Topf von Küchenchef Herbert Voglreiter. Seit 2012 schwingt er die Kochlöffel im Gipfelrestaurant des Kitzsteinhorns. Was in den Küchen im Tal selbstverständlich ist, bedarf hier auf 3.000 m Seehöhe einiger Vorbereitung, denn es ist nicht selbstverständlich, dass aus dem Wasserhahn glasklares Trinkwasser kommt. Während der leidenschaftliche Koch den Spätzleteig für Pinzgauer Kasnocken anrührt, erzählt er mir, wie in dieser hochalpinen Region die Wasserversorgung funktioniert: „Von der Schwarzwandquelle am Langwiedboden wird das Wasser erst zum Alpincenter gepumpt. Dort zapfen wir es in 500-Liter-Kanister, die mit der Gondel zu uns herauf ins Gipfelrestaurant gebracht werden. Hier wird das Wasser nochmals gefiltert und kommt als Gebrauchs- und Trinkwasser in die Tanks. Ohne diese Versorgung säßen wir hier auf dem Trockenen und ich könnte jetzt keine Kasnocken zubereiten. Denn Wasser ist die wichtigste Zutat in jeder Küche.“

Auch das Kochen hat auf dieser Seehöhe so seine Tücken, denn punkto Koch- und Garzeiten muss man sich auf 3.029 m auch umstellen. Er verrät: „Das Wasser kocht hier bei 86 °C – im Vergleich dazu blubbert es am Meeresspiegel bei 100 °C. Das verlängert am Berg die Garzeit, denn der Luftdruck bestimmt die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit siedet. Mit steigender Höhe nimmt der Luftdruck ab und somit sinkt der Siedepunkt. Ein wachsweiches Ei braucht im Tal genau vier Minuten – hier oben ist es erst nach sechs Minuten fertig. Wenn man einmal diese Erfahrungswerte verinnerlicht hat, stellt man sich als Koch darauf ein!“ Auf meine Frage, ob ab 3.000 m gewisse Gerichte gar nichts werden, lacht Herbert Voglreiter und meint: „Salzburger Nockerl! Sobald sie aus dem Ofen kommen, fallen sie aufgrund des niedrigen Luftdrucks zusammen! Dafür wird etwa der Germteig für Wuchteln viel flaumiger, als im Tal.

Der Nockerlteig, den der Koch nun ins kochende Wasser streicht, hat auch eine andere Konsistenz, als im Tal. „Damit sie trotz der längeren Garzeit kernig bleiben, musste ich das Rezept verändern”, meint er mit einem Augenzwinkern und fügt hinzu: „Doch wie sich das Rezept nun zusammensetzt, verrate ich nicht!“ Während ich mich hungrig über die Kasnocken hermache, bitte ich den Koch, mir zu verraten, was perfekte Kasnocken ausmachen. Er meint: „Ein guter Käse ist wichtig! Unser Pinzgauer Käse kommt vom Aubauern in Zell am See!“

 

Nächste Mission: Gipfelglück

Frisch gestärkt geht es auf zu meiner nächsten Mission, doch zuvor fülle ich meine Wasserflasche noch randvoll, denn in dieser Höhe benötigt der Körper viel Wasser. Das Blut wird dicker und ohne Flüssigkeit kann leicht Kopfschmerz oder Schwindel auftreten. Und Schwindel kann ich für mein Vorhaben gar nicht brauchen: Gemeinsam mit Bergführer Hans-Peter Untermoser und drei weiteren Bergfexen breche ich auf zu einer geführten Tour auf den Gipfel des Kitzsteinhorns. Auf der Panoramaterrasse „Top of Salzburg“ steigen wir in die vom Bergführer mitgebrachten Klettergurte, setzen die Helme auf und schlüpfen in unsere Handschuhe. Hans-Peter Untermoser hängt uns ans Seil, gibt uns letzte Instruktionen, wie man sich als Seilschaft am Berg bewegt, und schon steuern wir unter den neugierigen Blicken der zahlreichen Besucher auf der Panoramaterrasse dem Einstieg in die steile Flanke des Kitzsteinhorns entgegen.

Gefrorenes Wasser

Wo bei meinem letzten Aufstieg noch trockener Fels und Stein den Weg dominierte, stapfe ich heute durch tiefen Schnee. Durch den Neuschnee wird dieser Gipfelsieg zu einem neuerlichen Erlebnis für mich, denn nur die Fußspuren des Bergführers vor mir weisen mir den Weg. Die Seilsicherungen sind von dickem Anraum überzogen, der durch Frost und Feuchtigkeit gewachsen ist. Während einer Aufstiegspause betrachte ich die kunstvollen Gebilde der Eiskristalle. Es erstaunt mich immer wieder aufs Neue, welch kreative Formen das Wasser in seinen unterschiedlichen Aggregatszuständen ausbilden kann.

Schritt für Schritt steigen wir in unserer Seilschaft langsam auf zum Gipfel dieses wunderschönen Dreitausenders. Mein Blick wandert hinunter auf das ewige Eis des Gletschers, wo sich im Sommer zahlreiche Besucher aus aller Welt beim fröhlichen Rutschen über den Schnee erfreuen. Noch weiter unten glitzert still der Zeller See und bei sommerlichen Temperaturen springen dort sicher gerade Badegäste ins erfrischende Nass. In der Ferne taucht der höchste Österreicher, der Gipfel des Großglockners aus einer Wolke auf und fast enttäuscht bemerke ich, dass unser Aufstieg fast schon beendet ist. Das Gipfelkreuz des Kitzsteinhorns taucht vor uns auf und nach wenigen Schritten über den schmalen Gipfelgrat sind wir angekommen. Das Panorama ist unglaublich beeindruckend und bei der klaren Fernsicht scheinen die Gipfel zum Greifen nah. Hoch über uns kreisen Geier in der Thermik und die Stauseen Mooserboden leuchten wie wertvolle Smaragde unter uns. Das Gipfelglück steht uns allen ins Gesicht geschrieben und nach einer kleinen Rast machen wir uns mit einem Lächeln wieder auf den Rückweg. Meine Bergkameraden belohnen sich im Gipfelrestaurant mit einem Mittagessen, doch mich führt die Mission Kitzsteinhorn ins Innere des Berges.

© Richard Ronacher – der Fotoigel

Der Rückzug des Eises

Mit Nationalpark Ranger Armin Wanke begebe ich mich auf eine Zeitreise in die Welt der Gletscher. Der 360 Meter lange Stollen der Nationalpark Gallery verströmt eine besondere Faszination. Hier in der Düsternis, zwischen rohen Felswänden, spürt man die Mystik und Stille des Berges. Das einzige Geräusch ist das stete Fallen der Tropfen, das sich für mich wie der gleichmäßige Puls des Berges anhört. Im Verlauf der geführten Tour erklärt der Ranger an den sechs Infostationen Wissenswertes über die Kristallschätze der Hohen Tauern, die Entstehung der Gebirgszüge, die Technik in der 3000er-Region und natürlich alles über Permafrost und Gletscher im Nationalpark Hohe Tauern. Gebannt lauschen wir seinen Ausführungen, während wir uns dem strahlenden Licht am Ende des Tunnels nähern. Nach der Dunkelheit des Stollens ist die Weite, die uns am Ende der Tour auf der National Park Gallery Plattform erwartet, einfach atemberaubend. Ich trete meine Rückreise ins Tal an, denn nach kochendem und gefrorenem Wasser ist mir nach einem Sprung ins kühle Nass: Am glasklaren Wasser des Zeller Sees lasse ich diesen erlebnisreichen Tag rund ums Element Wasser ausklingen.

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