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Die Geschichte – Stille Nacht! Heilige Nacht!

Geschichte und Hintergründe des berührenden Weihnachtsliedes

„Es war am 24. Dezember des Jahres 1818, als der damalige Hilfspriester Joseph Mohr dem Lehrer Franz Xaver Gruber ein Gedicht überreichte, mit dem Ansuchen eine hierauf passende Melodie für 2 Solostimmen samt Chor und für eine Guitarre-Begleitung schreiben zu wollen." So beschrieb Franz Xaver Gruber 1854 in der „Authentischen Veranlassung“ die Entstehungsgeschichte des Weihnachtsliedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“, das vor knapp 200 Jahren erstmals in der St. Nikola Kirche in Oberndorf bei Salzburg erklang und die Welt eroberte.

Alles begann im SalzburgerLand

Gruber und Mohr kannten sich bereits eine Weile, als es zu jener denkwürdigen Aufführung an Weihnachten 1818 kam. Mohr hatte seinem Partner den Text mit der Bitte um Vertonung gegeben und so saßen sie nur mit Gitarre und zwei Stimmen ausgestattet neben dem Altar in der St. Nikola Kirche in Oberndorf und sangen zum ersten Mal ein Lied, das um die Welt gehen sollte.

Ein historischer Rückblick

Zahlreiche romantische Geschichten und Legenden ranken sich um die Entstehungsgeschichte des Liedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Tatsächlich aber fällt sie in eine Zeit, die geprägt war vom wirtschaftlichen Niedergang und der Not nach den Napoleonischen Kriegen. Das Fürsterzbistum Salzburg hatte seine Selbständigkeit verloren, ein Teil Salzburgs wurde Bayern zugesprochen, der größere Teil kam zu Österreich. Auf Oberndorf, wo das Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ erstmals gesungen worden ist, wirkte sich diese Teilung besonders schwerwiegend aus: Da die Salzach, welche über Jahrhunderte durch den Salztransport die Grundlage für den Wohlstand im Ort sorgte, die neue Staatsgrenze markierte, wurde Oberndorf von seinem Stadtzentrum in Laufen getrennt. Die Schiffer, die Schiffbauer und der ganze Ort gingen somit sehr unsicheren Zeiten entgegen.
Gerade aus diesen Zeitumständen heraus bekommt der Text der vierten Strophe von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ eine besondere Bedeutung, denn sie drückt eine große Friedenssehnsucht aus. In diesen schwierigen Jahren kam Joseph Mohr nach Oberndorf, nachdem sein voriger Dienstort Mariapfarr im Lungau unter dem Abzug der bayerischen Besatzungstruppen gelitten hat. Wie wir heute wissen, schrieb Mohr dort bereits 1816 den Text zu „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Erstmals gesungen wurde das Lied 1818 im Rahmen der Christmette in der St. Nikola Kirche in Oberndorf: Joseph Mohr sang die Tenorstimme und übernahm die Gitarrenbegleitung, Gruber sang Bass.

Leben und Wirken von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber

Josephus Franciscus Mohr…

… wurde am 11. Dezember 1792 als uneheliches Kind in der Stadt Salzburg geboren. Seine Vorfahren stammten aus Mariapfarr im Lungau und Hallein. Er wohnte mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen in der Steingasse 31, konnte jedoch dank des Salzburger Domchorvikars das Akademische Gymnasium in Salzburg besuchen. Zugleich war er Sänger und Violinist in den Chören der Universität und des Benediktinerstiftes St. Peter. 1811 trat er in Salzburg ins Priesterseminar ein, das er 1815 mit der Priesterweihe abgeschlossen hat.
Mohrs erste offizielle Dienststelle war Mariapfarr im Lungau, wo er als Koadjutor arbeitete und 1816 den Text von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ schrieb. 1817 kam er wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nach Salzburg zurück und trat im gleichen Jahr seinen Dienst in Oberndorf an, wo sich auch die Lebenswege von Mohr und Gruber kreuzten. In der Christmette 1818 ließen die beiden das Lied erstmals erklingen. Bereits 1819 verließ Mohr Oberndorf.
Seine Dienstorte wechselten häufig, bis er 1827 schließlich nach Hintersee kam und dort erstmals eine Pfarre selbständig verwalten konnte. Während seiner dortigen Tätigkeit bescheinigte man ihm Leutseligkeit, Friedensliebe und Popularität. Nach zehn Jahren in Hintersee zog es Joseph Mohr 1837 nach Wagrain, wo er sich durch sein sozialreformerisches Wirken auszeichnete. So geht etwa der Bau des Wagrainer Schulhauses auf seine Initiative zurück, des Weiteren kümmerte er sich um den Aufbau der Armenpflege. Am 4. Dezember 1848 verstarb Joseph Mohr in Wagrain an einer Lungenlähmung.

Franz Xaver Gruber…

… erblickte am 25. November 1787 in der Oberösterreichischen Gemeinde Hochburg-Ach das Licht der Welt. Seine Liebe galt schon sehr früh der Musik, bis zum 18. Lebensjahr war er jedoch – wie sein Vater – als Weber tätig. Dank der Zustimmung seines Vaters konnte er sich anschließend jedoch der Ausbildung zum Volksschullehrer widmen und trat 1807 eine Stelle als Lehrer, Mesner und Organist in Arnsdorf an. Noch vor seinem Dienstantritt heiratete er die Witwe seines Vorgängers. Sie hatten zwei gemeinsame Kinder, die jedoch im Kindesalter verstorben sind.
1816 übernahm Gruber auch den Organistendienst in der neu entstandenen Pfarre Oberndorf, wo er 1817 dann erstmals auf Joseph Mohr traf. Am Weihnachtstag des Jahres 1818 komponierte er die Melodie zu Mohrs Gedicht „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Er selbst bezeichnete das Lied als „eine einfache Komposition“. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1825 heiratete er eine ehemalige Schülerin, mit der er fünfzehn Jahre zusammenlebte. Der Ehe entstammten zehn Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten. Da einer Versetzung Grubers nach Oberndorf nicht zugestimmt worden war und es zu Unstimmigkeiten mit seinem Dienstherrn kam, verließ er 1829 Arnsdorf und Oberndorf.
Franz Xaver Gruber trat im selben Jahr die Stelle als Lehrer und Mesner in Berndorf an, bewarb sich aber bereits 1833 um die frei gewordene Stelle eines Chorregenten in Hallein, der damals zweitgrößten Stadt im SalzburgerLand. 1835 erfolgte Grubers Ernennung zum Chorregenten, Choralisten und Organisten der Pfarrkirche Hallein, wo er – nachdem er sich nun hauptsächlich der Musik widmen konnte – die Ausbildung des Kirchenchors vorangetrieben hat.
1841 starb Grubers zweite Frau bei der Geburt ihres letzten Kindes, das gleichfalls den Tod erlitt. Ein Jahr später ging er die Ehe mit einer Freundin seiner zweiten Gemahlin ein. Gruber schuf ein umfangreiches musikalisches Werk, und Zeit seines Lebens wirkte er auch außerhalb von Hallein an musikalischen Veranstaltungen mit. Am 30. Dezember 1854 verfasste Gruber in Hallein die „Authentische Veranlassung“, nachdem ihn über Umwege eine Anfrage von der Königlich-Preußischen Hofkapelle in Berlin über die Herkunft des Weihnachtsliedes erreichte. Seine Familie unterstützte Grubers Wirken: Sein Sohn Franz gründete 1847 einen Gesangsverein und 1849 die Halleiner Liedertafel, sein Sohn Felix folgte Franz Xaver Gruber nach dessen Tod am 7. Juni 1863 als Halleiner Chorregent nach.

Ein Lied ging um die Welt

Wie konnte sich das Lied vom kleinen Oberndorf in die große Welt verbreiten? Ein paar Zufälle spielten dabei eine wichtige Rolle. Nach Überlieferungen war es der Orgelbauer Carl Mauracher aus Fügen im Zillertal, welcher in den Jahren 1824/25 mit dem Neubau der Orgel in der St. Nikola Kirche in Oberndorf beschäftigt war und anschließend das Lied ins heimatliche Zillertal brachte. Von den dort ansässigen Sängerfamilien Rainer und Strasser wurde das Lied auf deren ausgedehnten Reisen in Europa verbreitet. 1832 folgte der Erstdruck des Liedes: Er erschien in einem Notenheft mit dem Titel „Vier ächte Tyroler Lieder“, allerdings erheblich verändert und ohne die Namen von Texter und Komponist zu nennen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind bereits Übersetzungen des Liedes, auch in gedruckter Form, in die englische Sprache bekannt. In seiner Heimat dem SalzburgerLand gelang dem Lied übrigens erst durch die Aufnahme in ein offizielles Kirchenbuch im Jahr 1866 der Durchbruch. Zur Jahrhundertwende wurde „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ – verbreitet durch katholische und protestantische Missionare – auf allen Kontinenten gesungen. Heute weiß man von Übersetzungen des Liedes in mehr als 300 verschiedene Sprachen und Dialekte. 2011 wurde „Stille Nacht! – das Lied zur Weihnacht“ in die nationale Liste des immateriellen UNESCO-Kulturerbes aufgenommen.

Stille Nacht! Heilige Nacht! – ein Friedenslied

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ ist aber nicht einfach nur ein Weihnachtslied. Anders als bei anderen Advents- und Weihnachtsliedern entsteht seine besondere Bedeutung im unmittelbaren Frieden, den wohl jeder schon einmal am Heiligen Abend gespürt hat. Aber auch losgelöst von der Bedeutung dieses Tages für Familien und Christen auf der ganzen Welt, erschuf Franz Xaver Gruber eine beruhigende und friedliche Melodie, die seitdem von vielen als friedensbringend wahrgenommen wird. Am treffendsten brachte es Placido Domingo auf den Punkt als er sagte: „Ich denke, „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ wäre als das Welt-Friedenslied prädestiniert wie kaum ein anderes Lied auf der Erde.“ Man kann ihm nur zustimmen.

Erleben Sie den Zauber von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“, einem Lied, dass Sie wahrscheinlich schon oft gehört haben, neu: Egal ob zu Weihnachten in Oberndorf in der Stille-Nacht-Kapelle oder am Salzburger Christkindlmarkt beim traditionellen Turmblasen: Weihnachten hat im SalzburgerLand seinen ganz eigenen Zauber.

Wissenswertes rund um Stille Nacht:
  • Seit 2011 steht dieses Lied auf der Liste des Immateriellen Kulturerbes Österreich und symbolisiert das Weihnachtsbrauchtum
  • Am 24. Dezember 1914 – mitten im Ersten Weltkrieg – brachte es den Soldaten eine kurze Verschnaufpause an der Westfront, einen friedvollen Heiligabend, der als „Weihnachtsfrieden“ in die Geschichte einging
  • Das SalzburgerLand macht die Geschichte dieses einzigartigen Liedes an 7 Stille-Nacht-Orten greifbar und sehenswert
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