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Werkstattbesuch bei Holzschnitzer Peter Volgger

Wie Krippenfiguren eine Seele erhalten

Wer Peter Volgger in der Nationalparkgemeinde Uttendorf/Weißsee besucht, wird schon an der Türschwelle vom harzig-holzigen Duft der Zirbe eingehüllt. Das Holz aus den hoch gelegenen Wäldern des Nationalparks Hohe Tauern ist der Werkstoff, aus dem die detailgetreuen, anatomisch perfekten Krippenfiguren geschnitzt werden: Mit ihren ausdrucksstarken Gesichtern, authentischen Körperhaltungen und eleganten Faltenwürfen scheint ihnen allesamt eine Seele innezuwohnen. Gut ein Jahr warten Stammkunden auf eine neue, handgeschnitzte Figur, Neukunden weit länger. Doch Peter Volggers Figuren sind so begehrt und kostbar, dass sie mittlerweile als Wertanlage gelten. Und auf diese lohnt es sich zu warten.

Peter Volgger hat keinen Blick für den grandiosen Ausblick vor dem Panoramafenster seiner Werkstatt. Er hält den Kopf mit den dichten Locken gesenkt und seine Konzentration gilt voll und ganz dem Stück Zirbenholz in seiner linken Hand. In der rechten hält er das Schnitzwerkzeug, das er immer und immer wieder ansetzt: Zirbenspäne tanzen im Gegenlicht, bedecken Werktisch und Boden. Das Zirbenholz verhält sich wie Wachs in Peter Volggers Händen: Gehorsam und nachgiebig. Bereits nach wenigen Minuten nimmt die Figur sprichwörtlich Gestalt an: Es ist ein kniender Hirte bei der Anbetung des Jesukindes. Die dazu gehörige Vorlage lehnt am Fensterrahmen, den Zwischenschritt des Modellierens hat der erfahrene Holzschnitzer und Bildhauer übersprungen. „Mehr als dreißig Jahre Berufserfahrung erlauben diese kleine Abkürzung“, schmunzelt der Uttendorfer, der als einer der besten Krippenfigurenschnitzer Österreichs gilt. Seine Figuren sind einzigartig und verfügen über einen so hohen Wiedererkennungswert, dass er eine eigene Ära begründet und geprägt hat: Die Krippenfiguren von Peter Volgger wird man auch noch viele Generationen nach ihm als solche identifizieren können.

© SLTG, Michael Groessinger , die Werkbank von Holzschnitzer Peter Volgger

Treue Stammkunden seit über 20 Jahren

Wer zum ersten Mal in der Werkstatt des Uttendorfers steht, staunt wie ein Kind: Die Krippenfiguren aus duftendem Zirbenholz haben sanfte Gesichtszüge, treuherzige Blicke, weiche Konturen, eine unvergleichliche Mimik, einen starken Ausdruck und eine authentische Körpersprache. Grade so, als handle es sich um echte Menschen, nicht um in Holz geschnitzte Kunstwerke in Miniaturformat. „Ich habe Stammkunden, die seit über zwanzig Jahren immer wieder neue Krippenfiguren bei mir bestellen. Große Krippen können bis zu 200 Personen und Tiere umfassen“, schmunzelt Peter Volgger. „Da ist allerhand zu tun.“ Warten müssen aber auch Stammkunden: Maximal drei bis vier Figuren dürfen sie pro Jahr ordern – das Auftragsbuch von Peter Volgger platzt so schon aus allen Nähten. Rund drei Stunden benötigt der Schnitzer für ein Lamm, für eine 14 Zentimeter-Figur rund 20 Stunden. Nach dem Schnitzen werden die Figuren stilecht bemalt: Das Auftragen der Ölfarbe und das Vergolden erfolgen nach Gefühl oder alten Vorlagen. Dabei erhält Peter Volgger Unterstützung von seiner Frau Elfriede. Bevor die Figuren die Werkstatt verlassen, werden sie allesamt fotografiert, archiviert und den Auftraggebern zugeordnet: Nur so kann der Holzschnitzer auch noch nach Jahren neue Figuren schnitzen, die sich farblich und stilistisch in eine bestehende Krippe integrieren.

© SalzburgerLand Tourismus – Michael Grössinger, Die Werkbank von Holzschnitzer Peter Volgger

Volle Auftragsbücher und ein ruhiges Herz

Auf ein Jahr im Voraus weiß Peter Volgger für jeden einzelnen Tag, was er schnitzen wird. „Das ist ein gewisser Druck, aber auch beruhigend“, gibt der 53-Jährige zu, der angesichts des Arbeitspensums sehr gelassen wirkt. Er erzählt, dass er einen Ruhepuls von nur 37 Schlägen pro Minute hat – das ist ein niedrigerer Puls als von so manchem Hochleistungssportler. Entweder scheint Peter Volgger von Haus aus ein sehr ausgeglichener Mann zu sein oder er ist der beste Beweis für die Wirkung, die der Zirbe nachgesagt wird: Dass sie die Herzfrequenz signifikant senkt und das Herz beruhigt.

 Das große Talent wurde früh erkannt

Peter Volgger in seiner Werkstatt und bei der Arbeit zuzuschauen, ist in jedem Fall ein beruhigendes Unterfangen: Umringt von seinen Krippenfiguren scheint der Holzschnitzer voll und ganz in seinem Element. Er war erst zwölf Jahre alt, als er seine ersten Krippenfiguren schnitzte: Ein Onkel von ihm, der selbst Schnitzer war, inspirierte und unterstützte ihn. Dieser erkannte das Talent und das räumliche Vorstellungsvermögen seines Neffens. Worauf dieser sein Berufsziel konsequent verfolgte: Nach dem Besuch der vierjährigen Schnitzschule, einer ersten Anstellung in Osttirol und der Meisterprüfung als Holz- und Steinbildhauer hat sich Peter Volgger 1986 selbstständig gemacht.

© SalzburgerLand Tourismus – Michael Grössinger, Die bestellten Figuren sind zahlreich

Krippenfiguren als Ebenbild des Menschen

Seine Liebe und Leidenschaft zu dem, was er tut, hat sich bis zum heutigen Tage nicht verändert. Auch sein Anspruch ist immer noch derselbe. „Mir geht es darum, mich beständig zu verbessern. Meine Figuren sollen anatomisch perfekt und ein Ebenbild der Menschen sein“, erzählt er voll Euphorie. „Aber was ist schon perfekt? Wenn ich mir Figuren anschaue, die ich vor dreißig Jahren geschnitzt habe, entdecke ich Fehler, die ich damals nicht gesehen habe. Manche aber sind nahe dran an der Perfektion. Ihre Seele erhält eine Figur, wenn sie fertig ist und ich damit zufrieden bin.“

Inspirieren lässt sich der Uttendorfer von den ganz großen Meistern: Michelangelo zählt dazu oder der deutsche Rokoko-Bildhauer Ignaz Günther. Immer wieder zieht es Peter Volgger in die großen Museen Europas: Auch wenn er sich selbst nicht als Künstler bezeichnen möchte, ist sein Werk Handwerkskunst vom Feinsten.

© SalzburgerLand Tourismus – Michael Grössinger, Die heilige Familie auf Herbergssuche

Kuriose Aufträge und eine ansteckende Leidenschaft

Manchmal sind es aber auch kuriose Anfragen, die Peter Volggers Schnitzalltag so abwechslungsreich machen. „So habe ich einen Kunden, bei dem alle Figuren die Gesichtszüge von Familienmitgliedern tragen“, schmunzelt er. Für den Uttendorfer stellt das kein Problem dar. Er hat auch schon den bekannten und beliebten Salzburger Moderator Sepp Forcher als Krippenfigur geschnitzt: Dieser zieht in der Dorfkrippe von Uttendorf/Weißsee den Hut vor dem neugeborenen Christuskind. Überhaupt hat Peter Volgger die Uttendorfer mit seiner Leidenschaft für Krippen angesteckt: 1992 gründete er den örtlichen Krippenverein. Jedes Jahr im Herbst werden Krippenbaukurse für Kinder und Erwachsene angeboten. Jedes Jahr sind diese Kurse bis auf den letzten Platz ausverkauft. Denn: Ist die selbst erbaute Krippe erst fertig, geht man zu Peter Volgger und bestellt die ersten Figuren. Auch wenn ein paar Weihnachtsfeste verstreichen werden, bis die begehrten Figuren in die selbst gebaute Krippe einziehen, lohnt sich das Warten. Und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude!

Kontakt

Tourismusverband Uttendorf-Weißsee
Schulstraße 2
5723 Uttendorf

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