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Vom Gerber zum Händler

Rinds-, Hirschleder und Straußenleder: Im Lederhaus Schliesselberger duftet es nach Taschen, Koffern, Fellen und Pelzen. Besonders der erste Stock des denkmalgeschützten Hauses ist sehenswert.

Manchmal sind Gassen nach dem Handwerk, dass hier ausgeübt wurde, benannt. So wie zum Beispiel die Lederergasse in der Salzburger Altstadt. In dieser Gasse, am damaligen Rand der Stadt Salzburg, waren die sogenannten Lederer beheimatet. Mindestens seit 1422 wird im Haus Lederergasse 5 mit Fellen und Häuten gearbeitet. Damals wurden diese Häuser an die Stadtmauer gebaut. Am Sauterbogen in der Dreifaltigkeitsgasse sind die Grenzen der mittelalterlichen Stadt auch heute noch erkennbar. Der Fluss Salzach reichte bis zum Lederertor. Zum Gerben brauchten Lederer viel Wasser. Der Geruch der blutigen Rohhäute soll am Stadtrand für die Bewohner gerade noch erträglich gewesen sein. Gleich außerhalb der Stadtmauern fand der Gerbprozess in Gerbgruben statt. Moritz Schliesselberger erzählt: „Mozart wohnte in der Nähe. Er beschwerte sich in Briefen über den üblen Geruch.“

Gegerbt wird in den alten Räumlichkeiten schon lange nicht mehr. In den Regalen stapeln sich Lederrollen in vielen Qualitäten und Farben. In Wühlkisten finden Bastlerinnen und Bastler Lederreste und Pelzteile für ein Brillenetui, Bucheinband oder eine Schreibunterlage. Zudem führt Schliesselberger alles was ein Schuhmacher für die Reparatur von Schuhen und Stiefeln benötigt. Eine Riesenauswahl an Schuhbändern vervollständigt das Sortiment

Schadensbegutachtung und verstellte Zahlenschlösser öffnen

In den Auslagen und im Geschäft fallen zuerst jedoch Koffer, Taschen und Rucksäcke auf. Zur Schadensbegutachtung bringen Touristen und Einheimische ihr Reisegepäck oder lassen sich verstellte Zahlenschlösser wieder öffnen.

Im denkmalgeschützten Haus sind die dicken Mauern und die Gewölbe erhalten. Vor allem der erste Stock entführt in längst vergangene Zeiten. Hier befindet sich kein Verkaufsraum. Einst wohnte die Familie in diesen Räumlichkeiten. Schliesselberger zeigt auf die alte Zunfttruhe – eine Holztruhe mit drei Schlössern: „Mit diesen drei Schlössern war die Truhe mit Zunftbriefen, Wappen samt Siegel und Lederbücher gesichert. Drei Gerbermeister hatten je einen Schlüssel. Nur gemeinsam konnten sie diese Truhe öffnen.“ In einem Raum befindet sich eine Stuckdecke mit dem Auge Gottes, ein weiterer ist mit reichen Fresken verziert. Diese Wandmalerei wurde bei Renovierungsarbeiten behutsam freigelegt.

Einheimische und Gäste sind während der Geschäftszeiten immer willkommen und können im ersten Stock des ältesten Lederhauses Österreichs in längst vergangene Zeiten eintauchen und den Duft des Leders einsaugen.

Fotos: © Schliesselberger, Christine Fröschl

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