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Hier kommt die Milch!

Mit dem Milchwagen durch die Bauernherbst-Orte

„Ich könnte mir keine schönere Arbeit vorstellen: Jeden Tag bin ich draußen in der Natur, erlebe sie zu jeder Jahreszeit und bin unter Leuten“, sagt Milchwagenfahrerin Annemarie Wallinger aus Annaberg. Dass die 50-Jährige dabei am Steuer eines 420 PS starken LKW sitzt, der samt Anhänger vierzig Tonnen wiegt, und die Nebensträßchen, auf denen sie unterwegs ist, oft nur einspurig sind, erwähnt sie nicht. Doch wir tun es! Denn es ist beeindruckend, wieviel Salzburgs Bauern und Milchwagenfahrer leisten, damit das heimische Produkt gut und sicher bei der SalzburgMilch eintrifft. Eine Tour, die herausfordernd und gleichzeitig so schön ist, dass sie bedenkenlos als Sightseeing-Tour bezeichnet werden kann.

Ein strahlend schöner Herbsttag kündigt sich an: Über der Postalm wölbt sich der blaue Himmel, nur verziert von feinen Wölkchen. Die Kühe grasen in der Wiese, die noch feucht ist von der Nacht und in unserem Rücken schaukelt die Milch. Annemarie Wallinger war bereits seit mehr als drei Stunden unterwegs, als ich um acht Uhr früh zu ihr ins Führerhaus des Milchwagens kletterte.

Nun sind wir gemeinsam auf Tour: Es geht von Annaberg in Richtung Postalm und weiter nach Abtenau und retour zum Stellplatz. Hier im Lammertal sind die Bauernhöfe weit verstreut und sie liegen in den seltensten Fällen direkt an der Straße – von der Hauptstraße erst gar nicht zu sprechen. Die haben wir gleich nach einem Kilometer verlassen. Gut drei Stunden wird unsere Tour dauern – für Annemarie ist es bereits die zweite und nicht die letzte des Tages. Sie startet üblicherweise um 4.30 Uhr: Der Anhänger von der Frühtour wartet bereits vollgetankt am Stellplatz. Diesen wird sie um die Mittagszeit abholen um die gekühlte Milch nach Salzburg zu bringen. Nach einer kurzen Pause wird ihr Arbeitstag dann weitergehen: Für den Nachmittag ist die Tour in Golling eingeplant, um danach noch einmal in die Stadt zu fahren. Gegen 19.30 Uhr abends wird sie zuhause sein.

Während sie ihren Arbeitsalltag schildert, strahlt sie übers ganze Gesicht. Schon der Großvater ihres Mannes Johann war Milchwagenfahrer und seinerzeit noch mit Pferdefuhrwerken unterwegs. Das Gen scheint in der Familie weitervererbt worden zu sein und hat auch vor ihr nicht Halt gemacht: Und sogar ihr zweitjüngste Tochter steigt ab und zu bereits in den LKW.

Ich bin neugierig, ob sich mir die Faszination des Berufes erschließen wird. Erst aber bin ich davon beeindruckt, wie versiert und sicher Annemarie den LKW über die schmalen Straßen nach oben in Richtung Postalm lenkt. Vier verschiedene Tanks wollen im Bauch des LKW‘s gefüllt werden: normale Milch, Heumilch, Bio-Milch und Bio-Heumilch. Überhaupt ist der LKW technisch bestens ausgestattet. Der Bordcomputer hat die Daten aller Bauern gespeichert: Reihenfolge der Tankung, Milchsorte, durchschnittliche Menge und vieles mehr ist auf dem Display ablesbar. Von jeder Tankung wird vollautomatisch eine Probe genommen, die später ausgewertet wird. So wird sichergestellt, dass die Milch in Ordnung ist.

Für Annemarie und „ihre“ Bauern ist das alles normal: Schon beim ersten Stopp werden wir mit großem „Hallo“ begrüßt – ich als neue Beifahrerin muss natürlich aussteigen. Man freut sich über jede Abwechslung und fragt nach, ob ich zukünftig öfter kommen werde. Es ist eine herzerfrischende Tour und tatsächlich verstehe ich von Halt zu Halt besser, warum Annemarie ihren Beruf so gern ausübt: Man kennt sich, man weiß übereinander Bescheid, es ist ein großes Miteinander. Annemarie weiß, wo es den Leuten gut geht und wo man es gerade schwerer hat. Der Milchwagen kommt jeden zweiten Tag und ist eine wichtige Konstante im Alltag und eine sehr willkommene! Nachdem die Milch im LKW ist, wir uns verabschiedet haben und eingestiegen sind, kann ich im Rückspiegel erkennen, dass es die Bauern nicht eilig haben. Warum gleich wieder auf den Traktor oder ins Auto springen, wo doch längst noch nicht alles besprochen ist?

Und so fahren wir von Straßenkreuzung zu Straßenkreuzung und von Hof zu Hof. Der Tag erwacht und die Zeit verfliegt. Überall werden wir freundlich begrüßt, an manchen Höfen liefern wir auch eine SalzburgMilch-Bestellung mit Milchprodukten aus. Mir wird von Kilometer zu Kilometer klarer, wieviel Arbeit es bedarf, damit wir jeden Morgen ganz selbstverständlich Milchkaffee, Kakao, Butter und Käse auf dem Frühstückstisch haben. Noch nie war mir bewusst, wie viele tausende von Handgriffe dafür nötig sind und wieviel Leidenschaft und Berufung. Die Bauernhöfe sind allesamt klein: Eine Bäuerin bringt sogar nur knapp 60 Liter in ihrem Tank! Es ist das Ergebnis von zwei Tagen und nicht einmal einer Handvoll Kühe. Doch auch diese wollen täglich versorgt, gefüttert und gemolken werden.

Mein Respekt vor den Landwirten wird von Stunde zu Stunde größer. Und ich dankbarer: Für diese Tour und für dieses Land, in dem die Bauern noch mit so viel Engagement am Werk sind.

Als ich mich um die Mittagszeit von Annemarie verabschiede, tun wir das freundschaftlich. Ich kann tatsächlich verstehen, warum sie ihren Beruf so gerne verrichtet. Und mein Blick aufs Kühlregal hat sich für immer verändert: Der Griff zur nächsten Milchpackung wird in einem neuen Bewusstsein erfolgen. Und zugleich die Erinnerung an einen wunderbaren Vormittag im Lammertal wach rufen.

Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen in den Bauernherbst-Orten im Tennengau

  • Annaberg-Lungötz

 Winterstellgut. Das Winterstellgut liegt auf 975 Metern Seehöhe und zählt zu den erlesensten Kulinarik-Adressen im SalzburgerLand. Küchenchef Erwin Werlberger wurde für seine Kochkünste mit einer Gault-Millau-Haube als auch für seine „unaufgeregte, heimatverbundene“ Küche mit der „Trophée Gourmet 2013“ ausgezeichnet. Dennoch ist die Atmosphäre hier sehr entspannt. Ideal für einen Ausflug, Familienfeste oder auch zum Übernachten.

Stuhlalm. Auf der Stuhlalm verbrachte der beste Skifahrer der Welt – der Salzburger Marcel Hirscher – zahlreiche Sommer. Seine Eltern bewirtschafteten viele Jahre lang die Hütte auf 1.467 Meter Seehöhe unterhalb des imposanten Gosaukamms. Noch heute stattet der Spitzenathlet der Alm mit seiner eigenen Familie gerne einen Besuch ab.

  • Abtenau

 Postalm. Die Postalm ist das größte Almgebiet Österreichs und ein wunderschönes Naherholungsgebiet zu jeder Jahreszeit. Ein weitläufiges Wanderwegenetz führt zu idyllisch gelegenen Hütten, im Winter ist die Postalm ein Eldorado für Langläufer, Skifahrer und Tourengeher. Sie ist von zwei Seiten über Mautstraßen erreichbar: Vom Flachgau von Strobl am Wolfgangsee und von der Genuss & ErlebnisRegion Tennengau.

HeuArt-Festival. Abtenau zählt ebenso wie Annaberg-Lungötz, Rußbach und St. Martin zu den HeuArt-Orten. Alljährlich im Bauernherbst findet abwechselnd in diesen vier Orten der größte Heufiguren-Umzug der Welt statt. Ein spektakulärer Corso und ein großes Rahmenprogramm sorgen dafür, dass jährlich tausende Besucher ins Lammertal kommen.

  • Scheffau

Lammerklamm. Die Lammerklamm in Scheffau ist ein spektakuläres Ausflugsziel für die ganze Familie. Einst dienten die schmalen, hölzernen Triftsteige dazu, die mächtigen Baumstämme durch die enge Schlucht zu bugsieren. Seit 1884 ist die Lammerklamm auch für Besucher zugänglich. Unter den gesicherten Steigen entlang der Felswände tost die Gischt. Die Lammer ist außerdem ein begehrtes Kajak-Revier. Eine Durchwanderung der Klamm dauert 30 bis 60 Minuten.

Mühlenrundweg. Der idyllische Mühlenrundweg im Ortsteil Oberscheffau führt entlang des Schwarzenbaches vorbei an historischen Mühlen und Kraftplätzen zu zwei Wasserfällen. Der Weg ist ideal für Familien mit Kindern, da es – unter anderem auf dem Herzerl-Weg – viel zu entdecken gibt.

  • Kuchl

Georgenberg. Der geschichtsträchtige Georgenberg in Kuchl ist wie kaum ein anderer Ort für die Besiedlungsgeschichte des Bundeslandes Salzburg von Bedeutung. Er war bereits ab der Frühbronzezeit besiedelt, unter römischer Herrschaft lag Kuchl an der Hauptverkehrsader in Richtung Süden. Heute können hier die Kirche besichtigt, eine ganz besondere Waldgesellschaft entdeckt und mit ein wenig Glück Waldrappen beobachtet werden: Diese Zugvögel nisteten bis ins 16. Jahrhundert im Salzachtal, starben aber 2013 in freier Wildbahn aus. Heute ist der Georgenberg die größte von drei Brutkolonien der europäischen Waldrapp-Population.

Bio-Käserei Fürstenhof. Der Fürstenhof in Kuchl ist ein Paradies für Käseliebhaber. In dem Via Culinaria-Mitgliedsbetrieb werden feinste Käsesorten mit viel Liebe und von Hand hergestellt. Eine selbst gezüchtete Herde Jersey-Rinder liefert die beste Milch dafür. Ein Hofladen, eine Schaukäserei, ein Bauernhofcafé und ein spannendes Programm für Erwachsene und Kinder zum Mitmachen machen einen Hofbesuch zum ganzheitlichen Erlebnis.

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