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Bergputzer Jörg

„Gemeinsam mit meinem Team sorge ich dafür, dass die Felswände der Stadt Salzburg sicher sind.“

Jörg Eßl ist der Bergmeister der Stadt Salzburg. Er leitet ein Team von insgesamt zwölf Bergputzern, die für die Kontrolle der Salzburger Stadtberge zuständig sind. Worauf kommt es dabei genau an, und warum geht er seinem Job auch nach 20 Jahren noch gerne nach? Das hat er uns im Interview erzählt.

Was es (Jörg) bedeutet, Bergputzer zu sein

Jörgs Karriere als Bergputzer in der Stadt Salzburg begann im September 2002: „Ich war früher beim Bundesheer immer gern in der Alpinausbildung beim Klettern tätig. Daher faszinierte es mich, als die Stelle als Bergputzer frei wurde.“ Nachdem er zwölf Jahre selbst in der Wand aktiv war, übernahm er 2014 die Leitung der Partie.

 

Doch was genau machen Jörg und sein Team? „Wir entfernen lockeres Gestein oder sichern Felsen. Im Winter führen wir auch Strauchschnittarbeiten durch und betreuen zudem die ganzen Wehrmauern im Stadtgebiet. Sprich wir kontrollieren sie und legen sie frei.“ An seiner Arbeit schätzt er vor allem die Abwechslung:

Ich bin nicht der typische Büromensch, und wir sind viel in der Natur. Von Felskontrollen bis zum Baumschnitt an den Felskanten – die Arbeit ist sehr vielfältig. Noch dazu haben wir oft eine Top-Aussicht. Bei traumhaftem Wetter ist das schon fein.

Bergputzer im Einsatz

Die Salzburger Bergputzer arbeiten stets in Zweierteams. Dabei ist jeder abwechselnd Seilhalter und Abfahrer: „Zwei Mann sichern, zwei Mann hängen sich ein und arbeiten in der Felswand. Die Abfahrer fahren runter, gehen wieder rauf, richten die Ausrüstung her, übernehmen dann die Funktion des Seilhalters und sichern den anderen. Das ist immer so ein Radl. Früher war das anders, da hat es fixe Seilhalter und Abfahrer gegeben, die den ganzen Tag nichts anderes gemacht haben. Das haben wir dann mal geändert, weil es so einfach gerechter ist.“

 

Gleich geblieben sind hingegen die Seilkommandos: Mit „Hauser“ und „Jager“ gibt der Abfahrer dem Seilhalter zu verstehen, dass das Seil nachgelassen und beim erneuten Rufen wieder gestoppt werden soll. „Es gibt einen Hauser Seilhalter und Abfahrer sowie einen Jager Seilhalter und Abfahrer. Die gehören immer zusammen.“ Übrigens: Hauser und Jager waren die Namen von zweien der drei ersten Salzburger Bergputzer. Ihnen zu Ehren sind die Kommandos bis heute unverändert geblieben.

Sicherheit und Temperaturen als entscheidende Faktoren

Mönchsberg, Kapuzinerberg, Hellbrunner Berg, Rainberg, Nonnberg und Festungsberg: Das sind die Hauptberge, an denen die Bergputzer arbeiten. Auf jedem Berg gibt es Tagesquartiere, in denen gemeinsam gegessen und wo Bekleidung gelagert und getrocknet wird. Am Anfang des Jahres – nach dem Frost – wird als Erstes an den Stellen gearbeitet, wo Felsen unmittelbar auf Straßen oder Gehsteige fallen könnten. Auch Bereiche wie den Zoo zu kontrollieren, ist sehr wichtig, da durch den Frost gelockertes Gestein Zäune beschädigen könnte.

Jörg erklärt weiter: „Nach den Sicherheitsaspekten geht’s auch ein bisschen um die Temperatur. Zum Beispiel arbeiten wir im Hochsommer eher an der Nordseite vom Kapuzinerberg, weil es da einfach schön kühl ist. Die Südseite steht entsprechend eher im Frühjahr oder Herbst am Plan. Man muss es sich nicht unnötig erschweren.“

 

Immer 100 Prozent geben – für das Team und die Gesellschaft

Ein Fehler ist ein Fehler zu viel. Daher gibt es eine Eigenschaft, die Jörgs Meinung nach jeden Bergputzer auszeichnet: „Das Wichtigste bei uns ist, dass man keinen Schlendrian einkehren lässt. Man muss stets zu 100 Prozent bei der Sache sein. Und da hält sich auch jeder dran, weil man weiß, dass das Leben davon abhängt – das eigene wie auch das der anderen.“ Ein Einsatz, der mit vielen schönen Momenten belohnt wird:

Die Felswand der Stadt kommt in unteren Bereichen häufig auch in Privatgrundstücken an. Wenn wir diese Bereiche kontrolliert haben und die Dankbarkeit der Anrainer*innen erfahren, ist das schon ein tolles Gefühl.

Voraussetzungen, um Bergputzer*in zu werden

Welche Qualifikationen muss man mitbringen, um Bergputzer*in zu werden? „Man muss einen handwerklichen Beruf erlernt haben. Maurer, Zimmerer, Mechaniker, Steinmetz, Schlosser … Alles, was bei uns in irgendeiner Art reinspielt.“ Was folgt, ist eine Ausbildung zum Höhenarbeiter, wobei verschiedene Seiltechniken vermittelt werden. In Schnittkursen erlernen die Anwärter den Umgang mit der Motorsäge.

 

Noch viel wichtiger ist Jörgs Meinung nach aber die Ausbildung in der Wand: „Wer bei uns anfängt, wird einem erfahrenen Bergputzer zugeteilt. Man kann zwar gewisse Grundvoraussetzungen durch den handwerklichen Beruf mitbringen. Aber die Tätigkeit ist so einzigartig, darauf kann man sich im Vorhinein nur schwer vorbereiten.“

Übrigens: Alle Bergputzer sind beim Magistrat der Stadt Salzburg angestellt. Die Partie gehört dem Kanal- und Gewässeramt an. Eine Bergputzerin gibt es aktuell nicht: „Es ist eine herausfordernde Arbeit, aber es gäbe sicher Frauen, die dieser gewachsen wären. Bisher hat sich allerdings noch keine zu uns gewagt.“

Jörgs ganz eigene Perspektive auf das SalzburgerLand

Man merkt, dass Jörg zufrieden ist, mit dem, was er tut. Daher muss er auch kurz darüber nachdenken, was er sich für die Zukunft wünscht: „Dass bei uns immer alles reibungslos funktioniert und es zu keinem Felssturz kommt. Ich wünsche mir, dass es meinen Leuten gut geht, dann bin ich eh schon glücklich.“ Und als wir ihn danach fragen, was das SalzburgerLand für ihn bedeutet, lächelt der gebürtige Flachgauer:

Als Bergputzer habe ich einen der besten Arbeitsplätze, den man sich in der Stadt Salzburg vorstellen kann. Es ist wunderschön bei uns, und ich komme beruflich an Orte mit herrlichem Ausblick, die andere niemals erreichen werden.

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