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Wildwasser-SUP im Salzburger Saalachtal

Das Standup-Paddling hat längst die heimischen Gewässer im Sturm (oder wohl eher in der Windstille) erobert. Wir haben erholsame Early-Bird Sessions auf stillen Seen erlebt und fanden unsere innere Mitte beim Yoga am SUP. Der logische Schritt für sportliche Abenteurer? Rauf auf den Fluss und das Weißwasser bändigen! Doch eines vorweg… dieser Schritt ist kein kleiner, denn wer am See paddeln kann ist noch lange kein Meister des Wildwassers!

Es buckelt! Die Saalach zieht und schiebt und eigentlich fühle ich mich ein wenig hilflos als blinder Passagier in der Strömung. Wackelig stehe ich in voller Wildwasser-Ausrüstung auf meinen ersten Flussmetern am Board und versuche meine Balance zu finden. Für die schöne Landschaft des Salzburger Saalachtals, die am Ufer vorbeizieht, habe ich keine Augen, denn ich bin vollauf mit mir und der Strömung beschäftigt. Doch schon kommt mein Lehrer Ben an meine Seite gepaddelt und erinnert mich mit ruhigen Worten: „Mehr Körperspannung – dabei aber locker bleiben, Paddel fest durchziehen im umgekehrten J-Schlag, Blick voraus und das nächste Kehrwasser in der Surferposition ansteuern…!“ Benjamin Randow ist schon seit Jahren mit dem SUP am Fluss unterwegs und als Raftguide ist das Weißwasser sein zweites Zuhause. Unter den Anweisungen des Wildwasser-Profis wächst meine Sicherheit am Board und einige Flussmeter weiter mache ich hinter einem großen Stein im Uferbereich ein Kehrwasser – einen strömungsfreien Bereich – aus und paddle los. Mit einem lauten Platschen falle ich ins Kehrwasser – nicht lehrbuchgemäß, aber ich bin drin im sicheren Hafen abseits der Strömung. „Wir haben noch genug Kehrwasser vor uns zum Üben“, lacht Ben und hilft mir zurück aufs Board.

Helm, Schwimmweste, Neoprenanzug - so lautet der Dresscode fürs Weißwasser. c Edith Danzer

Helm, Schwimmweste, Neoprenanzug – so lautet der Dresscode fürs Weißwasser. c Edith Danzer

Eddie catching Eddys

„Das Wildwasser-SUP ist in den Staaten schon ganz groß und auch die Industrie hat mit eigenen Boards darauf reagiert. Hier in Europa steckt der Sport noch in den Kinderschuhen. Die junge Disziplin liegt irgendwo zwischen dem Surfen und dem Wildwasserkajakfahren und hat spezielle Reize und Herausforderungen“, meint Ben, der mit seiner Firma „Whitewater Solutions“ auch Wildwasser-Newbies zu ersten Fluss-Erfolgen am SUP verhilft. „Unsere Boards der amerikanischen Firma NRS sind perfekt für das wilde Wasser konstruiert: Sie sind kurz, breit und voluminös. Dazu haben sie einen ausgeprägten Rocker, der sie gut durch die Wellen gleiten lässt. Und sie sind super drehfreudig – das wirst du gleich in den nächsten Eddys testen“, grinst er und schickt mich wieder hinaus in die Strömung. Diesmal stehe ich dank seiner Tipps schon viel geschmeidiger am Brett, gleiche die buckelnden Wellen im Surfstand aus und fokussiere das nächste Kehrwasser. „Catching Eddys“ nennt sich das Kehrwasserfahren im SUP-Slang und ich werde meinem Namen gerecht, denn schon beim nächsten Versuch komme ich – noch nicht besonders schön, aber ohne Abgang ins Wasser – im ruhigen Uferbereich zu stehen.

Tanzen am Brett. In kleinen Schritten vor und zurück. c Edith Danzer

Tanzen am Brett. In kleinen Schritten vor und zurück. c Edith Danzer

Tanzen auf dem Brett

Ben feilt geduldig an meiner Technik und zwischendurch bekomme ich wichtige Hinweise zum sicheren Verhalten im Wildwasser. Ich lerne, die Strömung zu lesen und vorausschauend zu agieren. „Wir sind nicht am Badesee – das Wildwasser hat eigene Gesetze und Nichtwissen kann zu gefährlichen Situationen führen. Der anfängliche Nachteil des Standup-Paddlens – das aufrechte Stehen, das echt eine gehörige Portion Balance erfordert – wird schnell zum Vorteil: durch die erhöhte Position hast du einen super Überblick und kannst weit voraus den Flusslauf checken. Das gibt dir Zeit zum Handeln.“ Handeln ist nun angesagt, denn vor uns liegt schon das nächste Kehrwasser. Ich beobachte Ben, wie er sich tänzelnd mit kleinen Schritten am Brett bewegt, um in den Surfstance – also der Wellenreit-Position mit einem Bein am Brettende – zu kommen. Mit einem letzten nachdrücklichen Paddelschlag sticht er über die Verschneidungslinie ins Kehrwasser und surft über die Innenkante des SUPs hinein. Mit einem Gegenschlag stabilisiert er das Brett und tänzelt wieder zurück in die Ausgangsposition. Ich folge ihm, doch bei mir ähnelt dieser Move eher noch einem zackigen Tango, bei dem sicherlich nicht ich die Führung übernehme.

Wurfsack und Knieschoner gehören auch zur Sicherheitsausrüstung. c Edith Danzer

Wurfsack und Knieschoner gehören auch zur Sicherheitsausrüstung. c Edith Danzer

Wildwasser-Paddeltechnik

Unerlässlich fürs sichere Vorankommen am Fluss ist die richtige Paddeltechnik. Das wird mir schnell klar. Beim Dahinplätschern am See reicht ein einfacher Paddelschlag. Am Fluss kommt man ohne umgekehrten J-Schlag, dem Bogenschlag oder einem schnellen Konterschlag nicht aus. Gott sei Dank haben wir diese Basics zuvor am Speicherteich der Almenwelt Lofer reichlich geübt und so kann ich nun auf Bens Zuruf die einzelnen Paddelschläge sicher abrufen. Das Spielen mit den Wellen beginnt mir großen Spaß zu machen und langsam surfe auch ich geschmeidig ins Kehrwasser und traversiere von Ufer zu Ufer. Ich fange an meine Umgebung wahrzunehmen, beobachte Wasseramseln, Enten und Reiher am Ufer und bewundere die schroffen Gipfel der Steinberge. Das Ufer ist mit satter Vegetation bewachsen und da und dort grasen Kühe. Jede Flussbiegung bringt neue Naturschauspiele und bei jeder Rast im Kehrwasser bereitet mich Ben auf die Herausforderungen des nächsten Abschnitts vor. Die Wellen werden höher, doch mittlerweile habe ich gelernt mein Paddel als Stabilisator einzusetzen und mit tiefem, sicheren Stand beim Rodeo über das buckelnde Wildwasser als (stehender) Sieger hervorzugehen.

Catching Eddys - das Einfahren ins Kehrwasser. c Edith Danzer

Catching Eddys – das Einfahren ins Kehrwasser. c Edith Danzer

Umfangreiche Ausrüstung

Neben den speziellen Fluss-SUPs ist für dieses Abenteuer eine komplette Wildwasser-Sicherheitsausrüstung nötig. Dazu gehören zu dem wärmenden Neoprenanzug mit Neoprensocken und Sportschuhen unbedingt eine Schwimmweste und ein Wassersport-Helm. Die „Leash“, die mich mit meinem Board verbindet, ist an der Schwimmweste fixiert und kann im Notfall mit einem Griff gelöst werden. Ein Messer und Wurfsack mit einem Seil zur Kameraden-Rettung ist ebenfalls Teil der Ausrüstung. Da man sich beim Fallen vom Brett an Steinen im Flussbett stoßen kann, empfehlen sich auch Knie- und Ellbogen-Schützer, wie man sie aus dem Downhill-Sport kennt.

„Alles im Fluss…“,

…denke ich mir mit einem Strahlen im Gesicht beim Ausstieg am Ende unserer Tour. Zur Nachbesprechung meiner Fluss-Premiere wechseln wir ins „Oafoch Guat“ in Weißbach, wo wir bei Käsespezialitäten, hausgemachtem Baguette, selbst gemachten Säften und einem verdienten „Paddel-Bier“ unsere Energietanks füllen. Mein Fazit: „Ein Abenteuer mit völlig neuen Naturerlebnissen, das unbedingt nach Wiederholung schreit. Ein Abenteuer, das man aber keinesfalls ohne die Unterstützung eines professionellen Guides in Angriff nehmen sollte. Der Profi stellt auch die umfangreiche Wildwasser-Ausrüstung zur Verfügung und weist auf die Gefahren im Wildwasser hin. Denn selbst ein talentierter Flachwasser-Standup-Paddler oder versierte Surfer braucht in diesem wilden Element das nötige Knowhow und die richtige Technik, um sicher und mit viel Spaß übers wilde Wasser zu reiten. Ben Randow kennt die Fließgewässer wie seine Westentasche und bietet mit seiner SUP-Schule am Almsee in der Almenwelt Lofer jeden Montag (Mittwoch auf Anfrage im TVB) von 10 bis 16 Uhr ein Schnupperpaddeln an. Dort kann man auch die richtige Technik fürs Wildwasser üben. An seinem Homespot an der Saalach gibt er für interessierte Sportler nach Absprache Flusskurse für einen halben oder ganzen Tag.

Bei jeder Pause wird der nächste Abschnitt besprochen. c Edith Danzer

Bei jeder Pause wird der nächste Abschnitt besprochen. c Edith Danzer

Kontakt:

Benjamin Randow – office@white-water-solutions.at  

White Water Solutions

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