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Fest im Sattel – Sabine Enzinger im Gespräch

Sabine Enzinger kann nicht ruhig sitzen. Und das ist gut so. Ihre Geschichten erzählt sie mit Händen und Füßen. Als würde sie am liebsten sofort aufspringen und dir zeigen, wovon sie gerade spricht. Aber das wirklich besondere an der gebürtigen Pinzgauerin ist die Leidenschaft, mit der sie die Dinge in ihrem Leben anpackt. Sei es das Snowboarden, das sie professionell betrieben und ihr die Welt geöffnet hat. Das Biken, ohne das sie sich ihr Leben mittlerweile nicht mehr vorstellen könnte. Oder auch die Leitung ihrer Bike- und Freeride-Schule Elements in Saalfelden Leogang, in der sie die Begeisterung und den Spaß an ‚ihren‘ beiden Sportarten mittlerweile an andere weitergibt. Ein spannendes und abwechslungsreiches Leben, von dem sie uns bei einem lebendigem und sehr lustigen Plausch im Bikepark Leogang erzählt hat.

Könnte man dich als Adrenalinjunkie bezeichnen? Du siehst fast ein bisschen danach aus…

Absolut. Ich brauche den Speed, das Adrenalin. Und ich will draußen unterwegs sein. So oft und viel es geht. Den Wind um die Ohren, das ist mein Lebenselixier. Jeder der einmal mit mir draußen war der weiß, dass man süchtig nach der Bewegung in der Natur wird. Eine Leidenschaft, die wahnsinnig viele Grundbedürfnisse von uns Menschen befriedigt und von der man auch noch im Alltag zehren kann.

Sabine Enzinger, Eigentümerin der Element Bike School in Saalfelden Leogang im Bike Park Leogang

Ein ruhiges Leben auf Standgas wäre also so gar nicht deins. Erzähl doch einmal ein bisschen von dem Weg, der dich über Umwege hinaus in die Welt und zurück in den Pinzgau verschlagen hat. 

Das waren nicht wenige Stationen. Geboren und aufgewachsen bin ich in Saalfelden, ich bin also aus der Region. Nach der Tourismusschule wäre ein Sportstudium mein Wunsch gewesen, aber die Familie war dagegen. „Was willst du denn damit machen?“ Also habe ich begonnen, im Tourismus auf der ganzen Welt zu arbeiten. Einige meiner Stopps waren Kreuzfahrtschiffe, die Schweiz, die Weltausstellung 2000 in Hannover und auch Portugal.

Nebenbei war der Sport immer sehr wichtig und ich bin damals auch schon intensiv Snowboardcrossrennen gefahren. Im Sommer bin ich immer schon mit dem Bike durch die Berge geradelt, bis ich im Engadin den ersten Bikepark gesehen habe. Ich war verliebt! Zurück in Österreich habe ich nicht wirklich gewusst wohin mein Weg mich führen soll und so habe ich erstmal als Ski- und Snowboardlehrer die Winter unsicher gemacht.

Das große Fragezeichen war also immer noch der Sommer und so habe ich begonnen, diverse Ausbildungen wie zum Schiffsführer, Kajak- und Raftguide und sogar zum Hochseilgarten- und Nordic-Walking-Trainer zu machen. Das Ziel war immer die Selbstständigkeit. Als 2001 der Bikepark in Leogang eröffnet wurde, habe ich begonnen, in dessen Dunstkreis als Tourenführerin zu arbeiten. 2008 habe ich dann Elements Outdoor Sports gegründet. Im Sommer voll spezialisiert auf das Biken, im Winter auf Freeriden. Und der Rest ist wie so oft Geschichte.

Kann man Biken mit dem Snowboarden vergleichen?

Ja absolut. Und diese parallelen Entwicklungen hatten auch große Vorteile für mich bzw. uns. Wir konnten beim Biken die Entwicklungen schon ganz gut einschätzen, weil wir sie beim Snowboarden schon einmal durchgemacht haben. Dies betrifft nicht nur die Szene, die ähnliche funktioniert, sondern auch die Entwicklung der Tricks. Vor ein paar Jahren war ein Backflip noch das Maß aller Dinge. Heute staunt man nur mehr, wie schnell und technisch sich der Sport weiterentwickelt. Höher, weiter, stylischer und mit viel mehr Bewegung in der Luft.  

Junger Biker im Bike Park Leogang in einer Steilkurve

Biken ist wahrscheinlich heute größer als Snowboarden je war. Das liegt daran, dass es eine ganz andere Bandbreite hat. Sobald man ein Rad unter sich hat, sind die Möglichkeiten schier unendlich. Bergauf oder bergab, Sommer oder Winter, auf der Straße oder weit abseits der Menschen hoch oben in den Bergen.

Wohin habt ihr euch mit Elements entwickelt?

Im Sommer sind wir mittlerweile ein Team von 16 Leuten und bieten quer durch das Bike-Gemüsebeet so ziemlich alles an, was man sich vorstellen kann. Privatunterricht, Familien- und Gruppentraining, Basic, Flow, Gravity und natürlich auch spezielle Trainings für die jüngeren Rider. Das Ziel ist und bleibt, allen Menschen Freude und Begeisterung am Biken mitzugeben und sie sicher aufs Rad zu setzen.

Man sieht ja auch schon die Jüngsten mit vollem Speed durch den Park riden. Eine gute Entwicklung? Sollte man als Eltern die Kids früh zum Biken schicken?

Mit diesem Thema haben wir uns bei Elements gerade sehr intensiv auseinandergesetzt. Es ist bewiesen, dass Kinder, die Outdoorsport machen, sich geistig anders, besser, entwickeln. Dazu kommen Balance und Koordination. Denk doch nur einmal an ein Kind, das mit dem Laufrad spielt. Das braucht keine Stützräder mehr am Fahrrad. Das setzt sich rauf und nach ein paar Anläufen klappt das. Außerdem haben diese Kinder einen ganz anderen Zugang zur Natur.

Wie geht es Leuten, wenn sie zum ersten Mal am Bike sitzen?

Dazu muss ich eine meiner liebsten und schönsten Geschichten erzählen. Ein ca. 65-jähriger Mann hat sich zum Basic-Bikepark-Kurs angemeldet und war dann jedoch aufgrund von wirklich schlechtem Regenwetter kurz davor, wieder zu gehen. Nach dem Workshop ist er von Kopf bis Fuß im Schlamm aus dem Park zurückgekommen und von ihm war außer einem breiten Grinsen nichts mehr zu sehen. Auf meine Frage hin erzählte er mir dann begeistert, dass er noch nie in seinem ganzen Leben so viel Spaß beim Spielen im Matsch gehabt hat. Das Feedback ist immer, dass die Leute erstaunt sind über die Komplexität und die Ähnlichkeit zum Ski- und Snowboardsport. Rund 75% bleiben dann auch dabei.

Der Bikepark hier in Saalfelden gibt uns natürlich auch das Werkzeug in die Hand, um sachte und besonnen mit den Anfängern, den Rookies, an die Materie heranzugehen. Schritt für Schritt steigert man sich und hat dabei nie das Gefühl, sich selber gerade zu überfordern. Das ist einer der Punkte, die diesen Ort hier zu einem der besten Bike-Spots weltweit machen.

Ein gutes Stichwort. Der Bikepark hier in Saalfalden Leogang. Du hast ja die meisten Entwicklungen hin zu einer der führenden Bike-Region hautnah miterlebt und vieles auch mitgestaltet.

Saalfelden Leogang hat im Biken schon eine extreme Vorreiterrolle übernommen. Nicht nur durch die Gründung des Parks 2001, sondern auch durch die Weltmeisterschaften 2012, die 2020 erneut hier über die Bühne gehen werden. Die Region hat immer noch großes Potential, vor allem, weil hier jeder an einem Strang zieht und Bike-begeistert ist. Das sehen wir nicht nur beim Zuspruch bei den Events, sondern auch an der Zahl der Kinder aus der ‚Nachbarschaft‘, die von ihren Eltern schon sehr früh zum Biken gebracht werden. Wenn jeder dazu beiträgt, dann wird Saalfelden Leogang sicherlich bald die führende Bike-Region in Europa sein. Ich freue mich auf alles, was sich hier in den nächsten Jahren tun wird.

Zum Schluss darf man immer ein bisschen prophetisch in die Zukunft blicken. Was denkst du denn, wohin wird sich der Sport in den kommenden Jahren entwickeln?

Eine Erkenntnis der vergangenen Jahre ist, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Vor ein paar Jahren war ein Backflip noch das Maß aller Dinge. Heute staunt man nur mehr, wie schnell und technisch sich der Sport weiterentwickelt. Höher, weiter, stylischer und mit viel mehr Bewegung in der Luft.  

©KlemensKönigPhotographer – SalzburgerLand Tourismus

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