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Martin Gautsch – Vom Bauer zum Künstler

Thomatal ist ein kleiner Ort im Salzburger Lungau. Das malerische Dorf mit nur 340 Einwohnern liegt erhaben, umgeben von den Nockbergen und den Niederen Tauern, auf hügeligem Terrain auf 1.060 Metern. Der Ausblick auf den Berg Speiereck ist besonders schön. Hier lebt der Künstler Martin Gautsch (44) mit seiner Frau und ihren drei Kindern am Bauernhof „Kocherbauer“ den er als 25-jähriger von seinem Vater übernommen hat.

Der Wald, Bäume und das Holz – damit ist er schon als Bauernbub aufgewachsen. Die klassischen Holzver- und Bearbeitungstechniken sind ihm schon seit seiner Kindheit vertraut und die Eigenart verschiedenster Hölzer geläufig. Erst als 25-jähriger entdeckt Gautsch die Schnitzerei für sich. Wenig Zeit vergeht und bald häufen sich die Auftragsarbeiten und die künstlerische Auseinandersetzung mit den Werkstoffen Holz und Metall nimmt stetig zu.

Künstler statt Landwirt

Ende des Jahres 2014 lassen sich die Auftragsarbeiten und die Kunst nicht mehr mit der Arbeit am Hof vereinen. Die Landwirtschaft wurde verpachtet. Ausschlaggebend für die Entscheidung, dann gänzlich als Künstler tätig zu sein, war ein größeres Projekt für einen Wander-Erlebnisweg. Gautsch zauderte nicht lange, er sagt: „ Es war dann ganz klar, dass die Kunst mein Weg ist“. Die Familie stand dabei immer hinter ihm und stärkt ihn nach wie vor – das sagt er zu Beginn des Interviews vor Ort: „Das hier – der Hof, die Landwirtschaft, meine Familie, das sind meine Wurzeln, mein Fundament, meine Identität und meine Stärke. Ohne das hier wäre ich nicht der, der ich bin – das muss ich gleich als erstes sagen“ und zeigt dabei auf sein Bauernhaus, wo die Familie wohnt.

Atelier Gautsch © kunnst.at Martin Gautsch

Der Hof mit rund 10 Hektar und einigen Milchkühen wurde 2015 verpachtet. Der Vertrag läuft noch bis 2020. „Die Weiterführung des Bauernhofes und eine biologische Bewirtschaftung ist wichtiger als die Höhe der Pacht“, betont Gautsch. Christoph, ein Bauer aus dem Nachbarort hat sich dem Hof zwischenzeitig als Pächter angenommen. Aktuell ist im vorderen Teil der Scheune das Atelier eingerichtet, dahinter nach wie vor der Kuhstall. Es ist Gautsch sehr wichtig, die Landwirtschaft zu erhalten: „Vielleicht möchte eines der Kinder hier weiter machen.“ Wer aber bis dahin ab 2020 die Landwirtschaft am Hof weiterführt, ist noch offen. Ebenfalls offen ist Gautsch für neue Ideen oder Konzepte.

Als Bauer sieht sich Gautsch immer weniger. Dennoch hat er das Amt des Ortsbauern in Thomatal über. Seine zwanzigjährige Arbeit als Bauer, seine Expertise als gelernter Forst- und Landwirtschaftsmeister, die Erfahrung als mehrjähriger ehrenamtlicher Gemeindebediensteter und Pfarrgemeinderat, aber auch wegen seiner ausgeprägten sozialen Ader, seiner Offenheit und Toleranz wird Gautsch als Einwohner, Ortsbauer und als Künstler gleichermaßen akzeptziert und geschätzt.

„Natürlich gibt es auch kritische Betrachter meines Schaffens – weil ich den Hof verpachtet habe, weil ich jetzt hier Künstler bin, es einfach anders gemacht habe als die Meisten“, so Gautsch.

Der Wald als Psychohygiene – nach dem Aufwachen kommen die Ideen

Der Wald ist für Gautsch ein ganz besonders wichtigster Ort. „Wenn ich in den Wald gehe wird mein Kopf frei – der Aufenthalt im Wald ist für mich Psychohygiene“.

Baum gibt Stärke © Kunnst Martin Gautsch

Die Ideen und oft auch ganz fertig formulierte Konzepte für die Kunst sind in der Früh auf einmal da. Die Zeit nach dem Aufwachen und Schlafengehen hat für Gautsch daher eine besonders große Bedeutung. Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen hält er sich fern von jeglichen Medien, vor allem vom Smartphone, um ganz zu sich zu kommen, um das Unterbewusstsein von fremden Reizen frei zu halten.

„KünstlerIn zu sein heißt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, sich selbstkritisch zu reflektieren, Kreisläufe zu verstehen und dadurch eine innere Erweiterung zu erlangen. Dies zu erreichen ist ein lebenslanger Weg und für ein authentisches Leben unverzichtbar.“

Wer auf die Website von Martin Gautsch blickt findet auch sein Angebot für Mentalcoaching. In die Coachings oder bei Vorträgen bindet er bestimmte Werke ein, um Themen ergänzend über die Kunst zu reflektieren. Als Mentaltrainer weiß Gautsch wie wichtig es für ein erfolgreiches und zufriedenes Leben ist, sich genau definierte Ziele zu setzen. So will Gautsch im diesem Jahr verstärkt mit namhaften Galerien in Kontakt treten, um auf sich aufmerksam zu machen.

Inspiration durch Gespräche

Gautsch beschäftigt sich in seiner Kunst mit verschiedensten Themen: mit globalen, wie beispielsweise der Erderwärmung und der Umweltverschmutzung.

Martin Gautsch am Hof Kocherbauer © Kunnst Martin Gautsch

Aufgrund seiner bäuerlichen Wurzeln setzt sich Gautsch mit dem Konservativen bzw. gewissen starren, gesellschaftlichen Strukturen auseinander. Auch mit den Herausforderungen der regionalen Landwirtschaft. Dazu entsteht gerade ein neues Werk unter dem Titel „Der Bauer der sich selber melkt“.

Gautsch verfolgt Geschehen und Phänomene aufmerksam. Als Künstler ist er kritisch, versucht Veränderungen anzustoßen und somit Verantwortung zu übernehmen. „Ich habe von vielen Menschen Erkenntnisse gewonnen, diese in meine Kunst einfließen lassen und ich will den Menschen auch etwas zurückgeben“. So gibt es auch einige Arbeiten die befreiend, zuversichtlich, stärkend oder schlicht schön sind.
„Der Sternengucker“ an dem Gautsch gerade arbeitet, wurde angeregt von der letzten Botschaft des berühmten britischen Astrophysikers, Stephen Hawkings, der im März 2018 verstarb. Ein weiteres Werk befasst sich mit der „irrsinnigen Stärke der Frauen“ mit dem Titel „Alles denkbare ist machbar“.

Gautsch hat nicht nur Kunden in Österreich, Deutschland und in der Schweiz, sondern auch weit über die Landesgrenze hin weg. Kürzlich wurden Skulpturen nach Spanien und in den Libanon verkauft. Mit der Firma Moser, einem Lungauer Spielzeughersteller, arbeitet er seit Langem zusammen.

Lieblingsplätze im Lungau

In Schaffenspausen ist er gerne mit seiner Familie daheim im Salzburger Lungau unterwegs. Den Lesern des SalzburgerLand Magazins verrät er seine Lieblingsplätze für Wanderungen, Radtouren, für das Langlaufen und Skitourengehen:

„Und zu guter Letzt ein besonderes Angebot“, schmunzelt Martin Gautsch. „Auf Anfrage führe ich gerne durch meine Ausstellung am Hof in Thomatal“

Kontakt:

Martin Gautsch – KUNNST
Gruben 49
5592 Thomatal
+43 650 911 9779
martin.gautsch@kunnst.at
www.kunnst.at

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