Im Jahr 1993 öffnete das Rockhouse Salzburg seine Pforten. Geschäftsführer Wolfang Descho arbeitete über 30 Jahre lang für die Kultur-Institution. Im Sommer übergab er seine Funktion an den 40-jährigen Jonathan „Joni“ Zott.
Welche Geschichte verbindet dich mit dem Rockhouse Salzburg?
Jonathan „Joni“ Zott: Ich bin als Salzburger im Stadtteil Sam aufgewachsen und habe wohl die überwiegende Zeit meiner Jugend im Rockhouse verbracht. Sowohl als Besucher bei Konzerten, im Gastgarten oder mit meiner damaligen Band Zufallstreffer im Proberaum 5. Natürlich auch bei unseren ersten Konzerten bei Local Heroes oder den eigens veranstalteten Konzerten sowohl in der Bar als auch im Saal. Auch nach meiner Jugend habe ich nie den engen Kontakt zum Rockhouse verloren. Beispielsweise habe ich als Projektleiter in Zusammenarbeit mit dem Rockhouse die Circus Concerts und HipHop Circus auf die Beine gestellt. Ebenso habe ich den Acoustic Summer initiiert und aufgebaut.
Was bleibt mit dir als Geschäftsführer gleich und was wird sich verändern?
Jonathan Zott: Bewährtes bleibt bestehen und neue Impulse kommen hinzu. Das Programm richten wir immer auch an der Nachfrage der Menschen aus, die bestimmte Bands sehen wollen. Wir bemühen uns diese Bands ins Rockhouse zu holen. Und wir wollen für jede Generation und über viele Genres hinweg etwas anbieten. So gesehen ändert sich nicht viel gegenüber früher. Wir wollen weiterhin ein rundes Programm ermöglichen.
Veränderungen gibt es vor allem personell und bei der digitalen Infrastruktur. Neben Wolfgang Descho und mir gab es noch weitere personelle Generationenwechsel und wir haben unsere digitale Basis umfassend erneuert. Dafür steht unsere neue Website, die als digitales Schaufenster des Hauses dient. Und wir haben das Ticketing-System durch eine moderne Lösung ersetzt, mit spürbaren Vorteilen für das Publikum. Möglich werden so zusätzliche Bezahlmöglichkeiten und ein schnellerer Ticketverkauf sowie ein zügiger Einlass ohne Warteschlange an der Abendkasse. Zudem renovieren wir die Büroräumlichkeiten, die nun schon seit über 30 Jahren Bestand hatten.
Für deinen Vorgänger Wolfgang Descho, waren die lokalen Bands immer sehr wichtig. Wirst du das so beibehalten?
Jonathan Zott: Auf jeden Fall. Wir wollen für junge Bands aus der Region da sein, die nicht wissen, wohin sie gehen sollten, wenn sie Unterstützung brauchen oder Auftritte machen wollen. Mir ist aufgefallen, dass sich viele Künstlerinnen und Künstler seit Corona nicht mehr so hinaus trauen wie früher. Viele produzieren daheim und haben gar nicht mehr so sehr den Anspruch auf einer Bühne zu stehen. Es ist eine Lücke entstanden, der wir entgegenwirken wollen. Mit Local Heroes bieten wir Auftrittsmöglichkeiten für junge Bands und wir können hin und wieder diesen Bands auch die Möglichkeit geben, als Support-Act für namhafte und bekannte Bands zu spielen. Wolfgang Descho kümmert sich übrigens auch jetzt noch um den Bereich Local Heroes.
Die Salzburger Festspiele sind als Touristenmagnet bekannt. Gelingt es ebenso dem Rockhouse ein internationales Publikum anzusprechen?
Jonathan Zott: Wir wissen, dass es in der Stadt und am Land Salzburg sehr viele Touristen gibt. Neben den Festspielen braucht es im Sommer für diese auch die Möglichkeit am Abend auszugehen und neue Bands zu entdecken. Wir haben dieses Jahr mit „Summer of ´26“ einen Kulturfahrplan auf die Beine gestellt, der von Juni bis September durch ein vielfältiges Musik- und Veranstaltungsprogramm führt. So werden sowohl lokale als auch internationale Zielgruppen angesprochen. Unser Programm erscheint neben Deutsch nun auch zusätzlich in Englisch. Ergänzt wird das Live-Programm durch einen großen Nacht-Flohmarkt, eine ganze Reihe von Acoustic Summer Konzerten bei freiem Eintritt in der Rockhouse Bar und kostenlosen Workshops für unterschiedliche Alters- und Erfahrungsgruppen im Rahmen der Rockhouse Academy. Während sich die Altstadt in eine Bühne für die etablierte Hochkultur verwandelt, inszenieren wir mit dem „Summer of ´26“ eine vitale, zeitgenössische Programmierung. Natürlich wird es auch einen „Summer of ´27“ geben. Im Herbst wollen wir mit unserem Programm speziell für die Studentinnen und Studenten ein auch preislich niederschwelliges Angebot bieten.

Bist du privat gerne im SalzburgerLand unterwegs?
Jonathan Zott: Wenn es die Zeit zulässt fahre ich unglaublich gerne mit dem Rad. Früher mit dem Rennrad, nun mit einem Gravel-Bike um auf noch mehr Straßen und Wegen unterwegs sein zu können. Ich genieße es der Salzach entlang zu fahren und wenn etwas mehr Zeit ist, fahre ich gerne nach Lofer und Saalfelden oder auch in Richtung Großglockner und Bad Gastein.
Über Jonathan „Joni“ Zott
Neben seinem Studium (Musik & Medien) in München arbeitete er im Backstage München und war mit der Planung und Ausrichtung von diversen Gastveranstaltungen, den entsprechenden Abrechnungen und der Personaleinteilung betraut.
Nach seinem Umzug nach Wien begann er 2012, für die Arcadia Agency als Booker zu arbeiten. Neben seiner Tätigkeit als Booker übernahm er von 2015 bis 2017 auch für die Venue B72 die Programmleitung.
2015 fusionierte schließlich die Arcadia Agency mit dem deutschen Unternehmen FKP Scorpio und ist ab diesem Zeitpunkt Teil eines der größten europäischen Tournee-, & Festivalveranstalters.
Ab 2021 war Zott Head of Booking bei der Arcadia Live GmbH. Das bedeutete 450 Shows im Jahr, darunter auch Stadion Shows.
Nach über 10 Jahren in Wien kehrte „Joni“ 2024 nach Salzburg zurück und stellte sich als Programmleiter der neuen Herausforderungen im Rockhouse. Seit Juli 2026 ist er Geschäftsführer.
Fotos in der Galerie: ©Granbacher/Roth, ©Arne Müseler, ©Ludwig Seidl, ©Tobias Neugebauer