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Die Freestyle-Elite am Kitzsteinhorn

Im Snowpark und in der riesigen Superpipe am Kitzsteinhorn, trifft sich die Weltelite im Snowboarden und Freeski und zeigt atemberaubende Tricks und Sprünge im Luftraum über dem SalzburgerLand .

Cab 720 Stalefish, Frontside Double Cork Lien 1080, Switch McTwist und zum Abschluss ein satter, unglaublich stylischer Method Air. Dabei geht es den jungen Cracks nicht nur um die perfekten Bedingungen, die sie hier Jahr für Jahr zum Training vorfinden, sondern vor allem auch darum, die persönliche Handschrift von Pipe-Shaper Albert Zehetner kennen zu lernen. Denn der gebürtige Pinzgauer hat nicht nur sein Können in den letzten Jahren bis zur Perfektion gesteigert, er hat auch die Ehre, die Halfpipe bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang/ Südkorea entwerfen und bauen zu dürfen. Eine Aufgabe, die ihm einerseits großen Spaß bereitet, vor der er aber auch ein gesundes Maß an Respekt hat. Wie er an diesem sonnigen Tag am Fuße ‚seiner’ Pipe erzählt.

Bei der Halfpipe am Kitzsteinhorn herrscht absoluter Ausnahmezustand. Und zwar im positivsten aller Sinne. Freeskier drehen sich kopfüber in den Himmel, nur um wenig später sanft im Schnee zu landen, Snowboarder zaubern satte Grabs hoch über dem Coping und wieder andere üben neue, haarsträubende Tricks in den Bagjump, einem Luftkissen, in das man weich und sanft landen kann. Die Pipe ist bereits seit Ende Oktober fertig und somit die weltweit erste in diesem Winter. Alleine schon diese Tatsache, kombiniert mit den perfekten Bedingungen, die die Profis vorfinden, würde schon für die Weltelite ausreichen, um hierher in den Pinzgau zum Trainieren zu kommen. Doch vor allem in der Olympiasaison 2017/2018 gibt es noch ganz andere Gründe, die für das Kitzsteinhorn, den hiesigen Park und die Halfpipe sprechen.

Der Snowpark am Kitzsteinhorn – jedes Jahr völlig neu

Die Planungen für Park und Pipe beginnen schon im Sommer. Martin Liebmann aus Piesendorf ist ein absoluter Snowboard-Freak und hat die eigene Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit über acht Jahren arbeitet er im Snowpark am Kitz, das er übrigens seit seiner Kindheit  als sein Wohnzimmer bezeichnet. Als Headshaper ist er dafür verantwortlich, dass dieser jedes Jahr aufs Neue im perfekten Licht erstrahlt. Dafür werden bereits im Juli und August Ideen geschmiedet, auf Papier gebracht und schließlich 3D animiert. Im Herbst wird dann der Schnee grob zusammengeschoben und die Schanzen und Obstacles nach und nach gebaut. Dass sich der Snowpark am Kitzsteinhorn dabei immer wieder selbst neu erfindet, ist dem Perfektionismus des Shaping-Teams geschuldet, das es sich zum Ziel gemacht hat, nichts zu wiederholen, sondern den Park in der neuen Saison völlig neu aussehen zu lassen.  

„Unser Ziel ist es, den Park so zu bauen, dass die Rider selber kreativ werden können. Jede Line soll so individuell sein, wie der Fahrer und sein Style selbst.“ Martin Liebmann, 33, Headshaper im Snowpark am Kitzsteinhorn

 

 

Dabei wird allergrößter Wert auf die Individualität der Rider gelegt. Die Lines sollen sich so wenig wie möglich gleichen und Schanzen und Obstacles von den verschiedensten Richtungen angefahren werden können. Es geht schließlich um den Spaß und das Ausleben der eigenen Kreativität, wie Martin Liebmann betont. Dabei hilft dem Piesendorfer sicherlich, dass er immer noch wahnsinnig gerne die Luft über dem Kitzsteinhorn schnuppert und sich regelmäßig über ‚seine’ Schanzen hinausschießt.

Allis Gespür für Schnee

Ebenfalls leidenschaftlicher Snowboarder ist Albert ‚Alli’ Zehetner. 41 Jahre jung, hat er sich seit knapp 20 Jahren dem Shapen und hier vor allem dem Pipebau verschrieben und gehört zu den wenigen weltweit, die eine perfekte Superpipe auf Wettkampfniveau aus dem Schnee formen können.

„Für die perfekte Pipe braucht man mehrere Zutaten: viel Erfahrung, noch mehr Geduld und das nötige Gespür für Schnee.“ Albert Zehetner, 41, Pipebauer am Kitzsteinhorn und bei den Olympischen Winterspielen

 

 

Seit 2010 ist er bereits am Kitzsteinhorn tätig, entwirft und baut die Superpipe und hat sich so zu einem der Besten der Besten dieses Metiers entwickelt. Eine Halfpipe baut man auch nach Gehör: Mit der Maschine wird der Schnee aus der bestehenden Pipe über Spindeln bzw. Wellen weggenommen. Je mehr Schnee diese „fressen“, desto dumpfer wird der Ton. Schicht für Schicht wird so der Schnee abgetragen. „Um beim täglichen Reshape nicht zu viel wegzunehmen, muss man genau hinhören. Die Erfahrung ist da sicherlich der wichtigste Teil“, erzählt Zehetner mit einem stolzen Blick auf ‚seine’ Pipe. 2018 wird ein Jahr in seinem Leben, das er so schnell nicht vergessen wird. Denn bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang in Südkorea wird er der verantwortliche Shaper der Superpipe sein und so seine Handschrift vom Kitzsteinhorn aus in die ganze Welt tragen. Bereits einmal war er schon bei Olympia dabei, weiß genau, was ihn erwartet.

„Olympia ist Ausnahmezustand! Da ist jeder angespannt. Nicht nur die Sportler, einfach jeder. Sogar ich, auch wenn ich es immer wieder zu relativieren versuche.“

Insgesamt wird er rund 40 Tage in Südkorea verbringen, von denen fast die ganze Zeit an der Pipe gebaut wird. Der Anspruch an sich selbst und sein Werk, wird sich dabei nicht sonderlich von seinen normalen Erwartungen unterscheiden. Als Perfektionist und Tüftler ist es ihm wichtig, dass den Ridern die Pipe zusagt. Nur wenn diese möglichst einfach zu fahren ist und man beim Fahren nicht zu viel nachdenken muss, kann man über seine Grenzen hinauswachsen und Höchstleistungen erzielen. Und schließlich ist das das tägliche Geschäft der Weltelite im Halfpipesport. Darauf trainiert man das ganze Jahr hin. Und hier kommt wieder das Kitzsteinhorn ins Spiel.

Die Weltelite am Kitzsteinhorn

Um sich optimal auf die Spiele vorzubereiten und die Handschrift des Pipebauers kennen zu lernen, befinden sich derzeit Sportler aus der ganzen Welt am Kitzsteinhorn. Tüfteln intensiv an Tricks und Style und lernen die Handschrift Zehetner Run für Run immer besser kennen. Um dem regen Interesse und dem Anspruch der Teams gerecht zu werden, wurden bereits im Vorfeld Pakete geschnürt, die volles Service am Berg garantieren. Schließlich sollen sich die Athleten um nichts anderes kümmern müssen, als um ihre Leistungen. Vier Stunden non-stop Training durch Skidoo-Shuttle, eine täglich frisch geshapte Pipe vom Meister persönlich und der Bagjump, in den man neue, schwierige Tricks anfangs sanft landen kann, sind nur einige der Dinge, die derzeit von den Neuseeländern, Australiern, Japanern, Südkoreanern, Russen, Amerikanern und Franzosen intensiv genutzt werden.

Auch wenn die Superpipe am Kitzsteinhorn gerade exklusiv den Profis vorbehalten ist, zahlt sich ein Besuch dort allemal aus. „Was man hier gerade sieht, ist absolut oberstes Niveau im Halfpipesport. Es ist ein Wahnsinn, welches Niveau der Sport mittlerweile erreicht hat.“ Beeindruckt schauen wir dem nächsten Rider zu. Und wer weiß: Vielleicht ist ja genau er der nächste Olympiasieger. In Pyeongchang. In Allis Superpipe.

Fotos  © Peter Zeitlhofer 

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