Die Bleckwandhütte bewegt sich zwischen Tradition, Wandergenuss und den Herausforderungen einer modernen Schutzhütte. Nun erstrahlt die Naturfreunde Schutzhütte am Wolfgangsee in neuem Glanz und ist mit neuem Hüttenwirt Christoph Stummer wieder für die Gäste da.
Hoch über dem Wolfgangsee gelegen, zählt die Bleckwandhütte zu den schönsten und leicht erreichbaren Wanderzielen im Salzkammergut. Die Schutzhütte der Naturfreunde Bad Ischl befindet sich auf Salzburger Boden und begeistert mit ihrer Lage am Fuße der Bleckwand. Von der Terrasse der Bleckwandhütte eröffnet sich ein beeindruckender Blick über den Wolfgangsee und die umliegende Bergwelt.
Wanderung zur Bleckwandhütte
Anders als viele bekannte Ausflugsberge der Region ist die Bleckwandhütte (1.340 m) ausschließlich zu Fuß erreichbar. Es gibt keine Seilbahn, keinen Sessellift und keine andere Aufstiegshilfe. Genau das macht ihren besonderen Charakter aus. Während auf Bergen wie dem Schafberg oder dem Zwölferhorn ein großer Teil der Gäste bequem mit der Zahnradbahn oder der Seilbahn hinaufkommt, wird die Bleckwandhütte ausschließlich von Wanderern besucht.
Wer hier einkehrt, hat sich den Ausblick und die Jause tatsächlich erwandert.

Wandertipp: Von der Bleckwandhütte auf die Bleckwand
Von der Bleckwandhütte lohnt sich die kurze Wanderung auf den Gipfel der Bleckwand. Die Wanderung zur Bleckwand gehört zu den beliebtesten Touren am Wolfgangsee. Der Anstieg zur Hütte und auch auf die Bleckwand sind technisch einfach und deshalb auch für Familien oder weniger geübte Wanderer gut geeignet. Und mit etwas Glück begegnet ihr dort einer Schafherde samt Alpaka. Süß!
Berge und Seen Panorama auf der Bleckwand
Der aussichtsreiche Berg bietet einen der schönsten Panoramablicke im gesamten Salzkammergut. Tief unten glitzert der Wolfgangsee in blau-türkisen Schattierungen, während sich um den See herum die markanten Gipfel von Schafberg, Vormauerstein, Sparber und vielen weiteren Salzkammergutbergen erheben. Gerade diese Kombination macht den Reiz der Wanderung zur Bleckwandhütte samt Bleckwandgipfel aus: Der Aufstieg ist überschaubar, die Aussicht dafür außergewöhnlich.



Kennst du das Ofenloch auf der Bleckwand?
Kurz vorm Gipfelkreuz der Bleckwand (1.541 m) befindet sich ein echtes Highlight: das berühmte Ofenloch. Der Weg auf den Gipfel führt direkt an diesem beliebten Fotomotiv vorbei. Aber aufgepasst: Hinter der Felsbrücke geht es steil bergab! Der Blick durch das Ofenloch auf den Wolfgangsee ist ein absolutes Muss! Das sollte man sich nicht entgehen lassen.



Schmankerl-Einkehr auf der Bleckwandhütte
Nach der Gipfelrast auf der Bleckwand wartet bei der Rückkehr zur Hütte die verdiente Stärkung mit abermals herrlicher Aussicht. Dass dort mehr als die klassische „Brettljause“ geboten wird, liegt am neuen Hüttenwirt. Christoph Stummer ist gelernter Koch und möchte seinen Gästen ehrliche, frisch zubereitete Gerichte servieren. Auf der Speisekarte finden sich neben den Hütten-Klassikern auch der bunte „Bleckwand-Knödelteller“ mit knackigem Salat (die Spinatknödel schmecken gewaltig gut!) oder das „Bratlbrot“ und die herrlichen „Topfenknödel in Mohnbrösel“ – die kenn ich noch von der Theodor-Körner Hütte, wo Christoph vorher 5 Jahre Hüttenwirt war. Fertigprodukte sucht man hier vergeblich.

Übernachten auf der Bleckwandhütte
Wer die besondere Stimmung am Berg nicht nur tagsüber erleben möchte, kann auf der Bleckwandhütte auch übernachten. Insgesamt stehen 24 Schlafplätze zur Verfügung – von gemütlichen Zimmern bis hin zum klassischen Hüttenlager.
Ein echtes Highlight sind die beiden Panoramazimmer mit Balkon mit ihrem beeindruckenden Blick auf den Wolfgangsee. Bereits beim Aufwachen eröffnet sich hier ein Bergpanorama, für das viele Wanderer normalerweise erst einige Höhenmeter zurücklegen müssen. Aktuell können Übernachtungsgäste zwischen 2 Panoramazimmern, 1 Doppelzimmer, 2 Vierbettzimmern und dem Matratzenlager für 10 Personen wählen. Damit eignet sich die Hütte sowohl für Paare und Familien als auch für kleine Wandergruppen oder Bergfreunde, die das klassische Hüttenfeeling schätzen.
Die Hütte ist von Mai bis Oktober geöffnet und bietet auf Wunsch auch Frühstück oder Halbpension an.


Anfahrt über die Mautstraße – Kassenautomat nicht übersehen!
Wer sich den Aufstieg aus dem Tal ersparen möchte, kann über die Mautstraße bis zum Parkplatz unterhalb der Bleckwandhütte fahren und die letzten 30 min Gehweg zu Fuß zurücklegen. Ein kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Der Kassenautomat für die Maut ist leicht zu übersehen. Er befindet sich in Abersee genau dort, wo die Zufahrtsstraße zur Sommerrodelbahn und die Straße beim Steckerlfisch-Standl zusammenlaufen. Das eigentliche Schrankenportal liegt erst deutlich weiter oben, weshalb man das Ticket bereits vor der Auffahrt lösen muss. Wir haben die Kassa beim ersten Mal übersehen und durften nochmals ins Tal zurückfahren. Wer den Automaten rechtzeitig entdeckt, spart sich diesen unnötigen Umweg und startet entspannt in den Ausflug zur Bleckwandhütte.

Neuer Hüttenwirt Christoph Stummer
Seit Mitte Mai wird die Hütte von Christoph Stummer bewirtschaftet. Der gebürtige Thalgauer Berggastronom lebt in Strobl und schätzt genau diese Ursprünglichkeit. Für ihn ist die Bleckwandhütte ein Ort, an dem Regionalität und echte Gastfreundschaft gelebt werden und wo Qualität wichtiger ist als Massentourismus. Seine Gäste sind bunt gemischt: Familien mit Kindern, aktive Senioren, einheimische Wanderer und Urlaubsgäste aus der Wolfgangsee-Region.
Die Bleckwandhütte ist auch ein beliebtes Ausflugsziel für Tagesbesucher von weiter her. So starten viele Gäste am Morgen ihre Wanderung, kehren auf der Hütte ein und verbringen den Nachmittag anschließend beim Baden am Wolfgangsee.
„Gibt’s an klasseren Tagesausflug? I glaub net“, sagt Stummer mit einem Schmunzeln.

Von der Hütte aus dem Jahr 1933 zum modernen Schutzhaus
Die Geschichte der Bleckwandhütte reicht bis ins Jahr 1933 zurück. Über Jahrzehnte diente die Hütte Wanderern und Bergfreunden als beliebter Stützpunkt. Doch mit den Jahren wurde eine umfassende Sanierung notwendig.
Die Naturfreunde Bad Ischl starteten deshalb eines der größten Hüttenprojekte der Region. In weniger als acht Monaten wurde die Bleckwandhütte generalsaniert und erweitert. Dabei entstand kein kompletter Neubau, sondern eine gelungene Verbindung von Tradition und Moderne.
Die historische Hütte wurde erhalten und in das neue Gebäude integriert. Die urige Gaststube blieb bestehen und vermittelt weiterhin jenes Hüttengefühl, das viele Stammgäste der Bleckwandhütte schätzen. Sogar alte Holzbalken des abgetragenen Gebäudeteils wurden in der neuen Hütte wiederverwendet.
Ein sichtbares Zeichen für Nachhaltigkeit und Wertschätzung der Geschichte.
Mehr zur Geschichte der Bleckwandhütte kann man im Berg Frei Magazin der Naturfreunde nachlesen.
Über 3.500 freiwillige Arbeitsstunden wurden von Mitgliedern der Naturfreunde geleistet
Insgesamt investierten die Naturfreunde rund zwei Millionen Euro in das Projekt. Bemerkenswert ist dabei vor allem das enorme ehrenamtliche Engagement. Mehr als 3.500 freiwillige Arbeitsstunden wurden von Mitgliedern der Naturfreunde geleistet.
Auch technisch wurde die Hütte auf den neuesten Stand gebracht. Ein großer Regenwasserspeicher mit rund 80 Kubikmetern Fassungsvermögen sammelt Niederschlagswasser. Dieses wird aufbereitet und als Trinkwasser genutzt. Zusätzlich sorgt eine moderne Pflanzenkläranlage dafür, dass gereinigtes Wasser wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden kann.
Trotzdem zeigt sich heute, dass moderne Anforderungen an Schutzhütten oft neue Herausforderungen mit sich bringen.
Christoph Stummer und die Realität auf einer autarken Schutzhütte
Für Christoph Stummer begann die erste Saison auf der Bleckwandhütte gleich mit mehreren Herausforderungen. Denn die Versorgung der Hütte ist alles andere als einfach. Frische Zutaten müssen auf den Berg gebracht werden. Gerade Salat oder Eier stellen eine logistische Herausforderung dar. Allein in einer guten Woche verarbeitet die Küche rund 700 Eier.
Die Hütte liegt in einem Auerhahnschutzgebiet. Dadurch war die Zufahrt lange Zeit nur eingeschränkt möglich. Getränke mussten teilweise per Hubschrauber angeliefert werden, Lebensmittel wurden über Wochen hinweg zu Fuß auf den Berg getragen. Insgesamt kamen dabei viele tausend Kilogramm Material zusammen. Mittlerweile darf Stummer mit dem Auto zur Hütte fahren, wodurch sich die Versorgung etwas erleichtert. Dennoch bleibt die Bleckwandhütte ein Betrieb, der weitgehend autark funktioniert.
Auch bei der Energieversorgung ist die Situation besonders. Strom wird ausschließlich über eine Photovoltaikanlage erzeugt.

Gleichzeitig muss wirtschaftlich gearbeitet werden. Das ist nicht selbstverständlich. Während viele touristische Bergbetriebe von Seilbahnen profitieren, lebt die Bleckwandhütte ausschließlich von Wanderern und Tagesgästen. Das Wetter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Bei Schönwetter ist die Terrasse voll, bei Regen bleiben viele Plätze leer.
Trotz aller Herausforderungen versucht Stummer, die Preise fair zu halten. Getränke kosten hier nicht wesentlich mehr als im Tal, obwohl der Aufwand für Transport und Bewirtschaftung deutlich höher ist. Für ihn steht fest: „Eine Hütte darf wirtschaftlich sein, aber sie soll sich nicht auf Kosten der Gäste bereichern.“
Wasser – die wertvollste Ressource am Berg
Was im Gespräch mit Christoph Stummer besonders deutlich wird: Die wertvollste Ressource auf einer Schutzhütte ist oft nicht Strom oder Lebensmittel, sondern das Wasser. Die Bleckwandhütte verfügt über einen großen Nutzwassertank, der ausschließlich mit Regenwasser gespeist wird. Bei starken Niederschlägen können innerhalb weniger Tage zehntausende Liter Wasser gesammelt werden. Doch in langen Trockenperioden wird die Situation manchmal kritisch.
Bereits kurz nach Saisonbeginn zeigte sich, wie abhängig die Bleckwandhütte vom Regen ist. Nach einer längeren Trockenperiode mussten die Wasservorräte kurzfristig per Hubschrauber ergänzt werden, damit der Hüttenbetrieb uneingeschränkt weiterlaufen konnte.
Für viele Besucher ist diese Situation überraschend. Schließlich liegt die Bleckwandhütte nicht in hochalpinem Gelände, sondern vergleichsweise nahe an Straßen und Infrastruktur, aber halt nicht direkt daran angebunden.
Nachhaltigkeit beginnt mit kleinen Gesten
Kochen, Abwaschen, Reinigung und die vorgeschriebenen Sanitäranlagen – all das gehört zum Alltag einer bewirtschafteten Schutzhütte und benötigt entsprechend Wasser. Gerade in längeren Trockenphasen wird diese Ressource auf der Bleckwandhütte besonders kostbar. Christoph Stummer verweist darauf, dass Trocken-WC-Lösungen auf vielen Berghütten deutlich ressourcenschonender wären, die aktuellen behördlichen Vorgaben jedoch andere Sanitärsysteme vorsehen.
Seine Botschaft an die Gäste ist dabei ganz klar: Jeder ist auf der Bleckwandhütte herzlich willkommen. Gleichzeitig freut sich das Hüttenteam über einen bewussten Umgang mit Wasser – nicht, weil es an Gastfreundschaft fehlt, sondern weil jeder sorgsame Umgang dazu beiträgt, diese wertvolle Ressource auch in langen Trockenphasen zu schonen. Wer das weiß, trägt mit einer kleinen Geste dazu bei, dass die Bleckwandhütte auch künftig nachhaltig bewirtschaftet werden kann.
Was die Bleckwandhütte so besonders macht
Wer die Bleckwandhütte besucht, erlebt nicht nur einen wunderschönen Wandertag im Salzkammergut. Man bekommt auch einen Einblick, wie viel Leidenschaft, Organisation und Einsatz notwendig sind, um eine moderne Schutzhütte in den Bergen erfolgreich zu betreiben. Genau diese Mischung aus Naturerlebnis, Gastfreundschaft und gelebter Bergkultur macht den besonderen Charme der Bleckwandhütte aus.
„Für mich ist eines sicher: Die Bleckwandhütte liegt an einem Platzerl, von dem man sich kaum sattsehen kann. Diese Aussicht ist einfach gewaltig! Schöner kannst auf den Wolfgangsee kaum schauen.“

Bleckwandhütte (1.340 m)
Gschwendt 112
5350 Strobl
+43 6132 26991 310
www.bleckwandhuette.naturfreunde.com
bleckwandhuette@naturfreunde-badischl.at
Öffnungszeiten: Mai – Oktober | Dienstag Ruhetag
Fotocredits: © Melanie Deisl