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Tradition vs. Hightech

Wanderbekleidung im Wandel der Zeit.

„Wandern ist des Müllers Lust..“ – doch mit der falschen Ausrüstung wird aus Lust bald Frust. Auf den ausgeblichenen Bildern alter Zeit sieht man die drahtigen Bergfexe bei Erstbesteigungen in Loden, Strick und Leder gehüllt. Was in der Blütezeit von Luis Trenker und Co als Nonplusultra der alpinen Ausrüstung galt, ist heute zwar immer noch schön anzusehen, doch für Bergbesteigungen und Wanderungen von High-Tech Produkten der Sportartikelhersteller längst in den Kasten verbannt.

Ich habe einen alten Wetterfleck (Lodenumhang), fast schon nostalgische Vollleder-Bergschuhe, einen vielgetragenen Jäger-Rucksack und –Stecken und schwöre auf diese Ausrüstung, wenn ich im Winter zum Wildfüttern stapfe. Sie halten mich warm, sind lautlos und unheimlich praktisch… doch zum Bergsteigen…? Nein, da greife auch ich zu Goretex, Softshell & Co.

Mit Rainer Edlinger vom SalzburgerLand Magazin habe ich mich zu einem Ausrüstungs-Check unter dem Motto „Tradition vs. Hightech“ verabredet. Rainer ist ausgerüstet von Salomon und schon beim Anziehen der Schuhe ist er klar im Vorteil: Der Synapse Outdoorschuh hat ein Schnellverschluss-System – einmal an der Schnürung ziehen und er steht perfekt im Schuh. Während er mit einem Handgriff die Leki-Stöcke an seine Körpergröße anpasst, muss ich erst noch zwei Paar Socken anziehen, bevor ich mich um die gefühlt hundert Ösen der Schnürung kümmern kann, dann stehe auch ich bereit.

Nach ein paar Höhenmetern erfolgt der Komfort-Check – Rainer behauptet, wie auf Wolken zu gehen. Ich behaupte gar nichts, denn die Wolken ziehen eher an meiner Stimmungsfront auf: Die Lederstiefel tun ihren Dienst, doch sie sind schwer und hart, das können auch die zwei Paar selbst gestrickten Socken nicht mildern.

 

Es setzt leichter Regen ein, der bei Rainers Jacke einfach abperlt, während mein Lodenstoff jeden Tropfen hungrig einsaugt. Mit jedem Regentropfen spüre ich, wie der Wetterfleck an Gewicht zulegt. Wir marschieren weiter und Rainer´s gleichmäßiges „Klick-Klack“ der Teleskop-Wanderstöcke gibt den Takt für mein Tempo an. Mein Jaga-Stecken, der im steilen unwegsamen Gelände ein perfekter Begleiter zum Abstützen, Gleichgewicht halten und Bremsen ist, ist hier auf der Forststraße eher nur Ballast, denn er wiegt mindestens drei Mal so viel wie Rainer´s Leki-Stöcke.

 

Endlich bricht die Sonne wieder durch und dampfend verdunstet die Feuchtigkeit meines Umhangs. Langsam kommen wir ins Schwitzen und obwohl mein Lodenumhang eigentlich sehr atmungsaktiv ist (allein dadurch, dass er vorne nur mit Knöpfen geschlossen ist), gibt es einen kurzen Stopp zum Verstauen des Wetterflecks im Rucksack. „Ziiiiipp-zipp“ – Rainer hat schon längst die Belüftungs-Schlitze seiner Outdoor-Jacke geöffnet und schlüpft jetzt ebenfalls aus der hauchdünnen schwarzen Haut. „Minim heißt die Jacke, und Nomen est Omen“ erklärt er mir, als er die Jacke zusammenfaltet. Kaum mehr als handtellergroß ist das Packmaß und auch das Gewicht ist minimal. Mein Lodenumhang, der mir beim Gehen auch nur eingeschränkte Bewegungsfreiheit ermöglicht hat, kann da natürlich nicht mithalten, doch ich verteidige ihn: „Mein Wetterfleck ist der ideale Kopfpolster für ein kurzes Nickerchen unterm Gipfelkreuz! Weich, voluminös und warm!“ Doch wann schläft man schon unterm Gipfelkreuz…

 

Mein Rucksack, der seinem Namen noch wirklich gerecht wird – er ist ein Sack, den ich mit zwei Lederriemen am Rücken trage, ist jetzt mit dem Umhang bereits gut gefüllt und baumelt spürbar im Kreuz. Etwas neidisch schiele ich auf Rainer, dessen Rucksack ihn fest wie eine innige Umarmung umfängt. Ein ausgeklügeltes Befestigungssystem sorgt dafür, dass jedes Wanderzubehör seinen perfekten Platz im und am Rucksack findet und die Belüftungspolster halten den Rücken trocken.

 

Es ist Zeit umzukehren und Bilanz zu ziehen: Rainer´s Outdoor-Outfit von Salomon und Leki punktet auf voller Länge. Im Bereich Komfort, Gewicht, Packmaß und Funktionalität kann mein „Luis-Trenker-Style“ einfach nicht mithalten und die Blasen an meinen Füßen beweisen mir das nachhaltig.  Doch für alles gibt es den richtigen Ort und die Zeit, also werde ich im Winter beim Wildfüttern mit Sicherheit wieder auf Lodenumhang, Jagastock und den guten alten Rucksack zurückgreifen.

 

 

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