Endlich ist es soweit – Sound of Music hat sein eigenes Museum. Untrennbar ist die Stadt an der Salzach mit Musik verbunden, wobei den meisten Salzburgern als erstes Wolfgang Amadeus Mozart in den Sinn kommt. Nicht so den unzähligen Gästen die aus der ganzen Welt anreisen, um sich auf die Spuren des berühmten Films Sound of Music zu machen. Ab sofort haben diese Gäste eine neuen Pilgerstätte in Hellbrunn. Und vielleicht ist es spätestens jetzt auch an der Zeit, dass wir Salzburger*innen uns mit dem Phänomen Sound of Music auseinandersetzen.
Kaum ein Film hat das Bild Salzburgs in der Welt so geprägt wie die Geschichte von Maria, Captain von Trapp und den sieben Kindern. Seit seiner Premiere am 2. März 1965 begeistert der Film Generationen. Fünf Oscars holte die Musicalverfilmung mit Julie Andrews und Christopher Plummer, Lieder wie „Do-Re-Mi“, „Edelweiss“ und „My Favorite Things“ wurden zu Evergreens. Während The Sound of Music vor allem in den USA, Großbritannien, Asien und Australien längst zum kulturellen Allgemeingut gehört, blieb das Phänomen in seiner Heimat erstaunlich lange ohne eigenes Museum. Das ändert sich nun.
Einmal mitten im Film stehen
Der Ort dafür könnte kaum passender sein. Das neue Museum Sound of Music Salzburg ist in den historischen Torgebäuden von Schloss Hellbrunn untergebracht, nur wenige Schritte entfernt vom berühmten Gazebo. Im Film wird er zum Schauplatz zweier romantischer Szenen: Hier singen Liesl und Rolf „Sixteen Going on Seventeen“, hier gestehen sich später auch Maria und Captain von Trapp ihre Liebe. Seit 1991 steht der Pavillon in Hellbrunn und ist längst selbst zu einem Pilgerort für Fans geworden.
Im Museum begegnet er uns ein zweites Mal – als Nachbau und immersiver Erlebnisraum. Und plötzlich schaut man nicht mehr nur auf Filmgeschichte, sondern steckt mittendrin. Während draußen im Film ein Sommergewitter niedergeht, befinden wir uns gefühlt gemeinsam mit Liesl und Rolf im Gazebo. Wenig später wechselt die Szenerie nach Werfen: Vor der imposanten Kulisse der Burg Hohenwerfen übt Maria mit den Kindern „Do-Re-Mi“.

Diese Verbindung aus historischen Objekten, Film, Ton und moderner Museumstechnik macht den Rundgang kurzweilig. Insgesamt sind auf 668 Quadratmetern 477 Objekte zu sehen: Requisiten, Kinoplakate, originale Aufzeichnungen des Musicals von 1959, Bild- und Tonaufnahmen vom Filmdreh 1964, Filmmaterial mit Maria von Trapp und Ausschnitte aus dem Hollywood-Klassiker. Ein Museumsguide, der per QR-Code auf das eigene Smartphone kommt, liefert zusätzliche Informationen.
Hollywood trifft Wirklichkeit
Doch wer hier ausschließlich Filmnostalgie erwartet, wird überrascht. Denn das Museum erzählt ganz bewusst zwei Geschichten: jene, die Hollywood weltberühmt gemacht hat – und jene, die tatsächlich passiert ist. Wie viel Wahrheit steckt also in The Sound of Music? Und wo hat Hollywood nachgeholfen? Genau diese Fragen begleiten einen durch die Ausstellung. Captain Georg von Trapp etwa war keineswegs der strenge Patriarch, als den wir ihn zu Beginn des Films kennenlernen. Maria Augusta Kutschera kam 1925 tatsächlich als Hauslehrerin zur Familie und heiratete Georg von Trapp zwei Jahre später. Und auch der wohl größte Unterschied zwischen Film und Realität wird thematisiert: 1938 floh die Familie nicht zu Fuß über die Salzburger Berge in die Freiheit. Sie verließ Österreich ganz legal mit dem Zug über Südtirol.
Das Museum nimmt sich Zeit für diese historischen Hintergründe. Im Obergeschoss des Jägerhauses lernt man die Mitglieder der echten Familie von Trapp kennen, erfährt mehr über ihre Musik, die Emigration und den Neuanfang in den USA.
Von Salzburg über den Broadway nach Hollywood
Auch der Weg auf die Bühne und die Leinwand bekommt Raum. Die Ausstellung führt von Maria von Trapps Erinnerungen über die deutschen Vorläuferfilme zur Broadway-Premiere des Musicals 1959 und schließlich zu den Dreharbeiten in Salzburg.
Wie stark diese Dreharbeiten nachwirken, war auch bei der Präsentation des Museums Mitte September 2026 zu spüren. Mit Nicholas Hammond, Duane Chase und Charmian Carr waren drei der damaligen Filmkinder vor Ort. Noch heute kommt Nicholas Hammond, der im Film Friedrich spielte, immer wieder gerne nach Salzburg. Die Stadt war für ihn nicht bloß Kulisse, sondern ein wichtiger „Charakter“ des Films – und ist über die Jahrzehnte zu einer Art zweiter Heimat geworden. Die Filmkinder blieben zudem mit der realen Familie von Trapp in Kontakt. So treffen auch abseits der Leinwand immer wieder Filmgeschichte und Familiengeschichte aufeinander.

Lieblingsstücke und Erinnerungen
Dass die Begeisterung für The Sound of Music längst eine eigene Geschichte geschrieben hat, zeigt ein weiterer Teil der Ausstellung. Unter dem Titel „My Favorite Things“ werden Stücke aus der Sammlung des niederländischen Fans Roger Pluijm präsentiert. Mehr als 2.500 Objekte aus seiner umfangreichen Sammlung erwarb das Salzburg Museum 2024. Kinoplakate, Erinnerungsstücke und andere Zeugnisse zeigen, welche erstaunliche Wirkung der Film rund um die Welt entfaltet hat.
Eine besondere Herausforderung bei der Gestaltung des Museums waren übrigens die Räume selbst. Die historischen Gebäude mussten behutsam saniert und gleichzeitig fit für moderne Museumstechnik gemacht werden. Denkmalschutz und originale Bausubstanz galt es ebenso zu berücksichtigen wie Klimatisierung, Barrierefreiheit und Sicherheitsanforderungen. Gerade der Kontrast hat seinen Reiz: Hinter historischen Mauern sorgen Projektionen, Ton und multimediale Elemente dafür, dass eine mehr als 60 Jahre alte Filmgeschichte plötzlich erstaunlich gegenwärtig wirkt.
Und wer nach dem Rundgang noch nicht genug von Maria, den Trapp-Kindern und den berühmten Melodien hat, kann im Museumsshop nach Erinnerungsstücken rund um The Sound of Music stöbern.
Sound of Music Salzburg
beim Schloss Hellbrunn, direkt beim berühmten Sound-of-Music-Pavillon. Der Eingang befindet sich im Tierwärterhaus am Fürstenweg 33.
Öffnungszeiten: Mitte März bis Ende Oktober
www.soundofmusicsalzburg.at