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Er lässt die Puppen tanzen

Emanuel Paulus ist Puppenspieler im Salzburger Marionettentheater. Bereits seit elf Jahren haucht er den Puppen Leben ein und verzaubert damit die großen und kleinen Zuschauer vor der Bühne. Wir durften Emanuel bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. 

Seit 1913 kann man im Salzburger Marionettentheater den kunstvollen Gliederpuppen dabei zusehen, wie sie unterschiedliche Abenteuer erleben. Ob „The Sound of Music“, „Die Zauberflöte“, „Ein Sommernachtstraum“ oder „Alice im Wunderland“ – die Vorstellungen sind bei weitem nicht nur für kleine Gäste ein echtes Erlebnis. Einer, der zu diesem Erlebnis maßgeblich beiträgt, ist Emanuel Paulus. Emanuel zählt zum Ensemble des Salzburger Marionettentheaters. Seit 2007 ist der gebürtige Schwarzacher bereits Teil des berühmten Marionettentheaters und bringt die Puppen zum Tanzen. Damit das so gut gelingt, dass sich die Besucher vor dem Vorhang in einer Zauberwelt wähnen, ist viel Übung gefragt. Der 36-Jährige hat wie alle anderen Puppenspieler in Salzburg seine Ausbildung direkt am Theater absolviert. Was dazu nötig ist? Musikalität, handwerkliches Geschick und die Fähigkeit, sich in die verschiedenen Charaktere der Puppen hinein zu versetzen. So wundert es auch nicht, dass die Ausbildung zum Puppenspieler ebensoviel Zeit und Ausdauer erfordert wie das Erlernen eines Musikinstruments.

Den Puppen Leben einhauchen

Zum Marionettentheater ist Emanuel eigentlich per Zufall gekommen. „Ich hab in der Zeitung eine Stellenanzeige gelesen und hab mich einfach darauf beworben“, erzählt Emanuel. Er wurde zum Gespräch eingeladen. „Da waren dann ungefähr 30 Leute vor Ort, die auch die Stelle haben wollten“, schmunzelt Emanuel. „Wir mussten alle eine Probepuppe machen. Handwerkliches Geschick ist in diesem Beruf ja sehr wichtig. Und offenbar hab ich mich da ganz gut angestellt“, lacht Emanuel. Elf Jahre ist das mittlerweile her. Zu Beginn stand vor allem die Spielpraxis am Tagesplan, erzählt Emanuel. „Das Spielen wurde mir gelernt, aber man muss sich dann selbst weiterentwickeln. Im Prinzip ist es viel learning by doing.“ Die motorischen Fähigkeiten – die Feinmotorik, die man beim Spielen braucht – wurde Emanuel wohl schon in die Wiege gelegt – nur wusste er das vor seiner Arbeit im Marionettentheater nicht. „Das Spielen hab ich eigentlich sehr schnell sehr gut gelernt – da dürfte ich ein Talent haben, von dem ich vorher gar nichts wusste“, sagt Emanuel und grinst. Auch das Schnitzen der Puppen, der einzelnen Glieder aber auch des Gesichts, hat Emanuel direkt im Marionettentheater gelernt. Ob er sich dabei schwer getan hat, wollten wir wissen. „Nein, eigentlich nicht“, sagt Emanuel und streicht über eine der Puppen. “Ich hab im Rückblick immer schon viel gezeichnet und gebastelt“, Emanuel hält kurz inne und lacht. „Ja, das hab ich als Kind schon gern gemacht.“ Auch vor dem Marionettentheater macht der Fortschritt nicht halt, und so kommen heute schon manche Details aus dem 3D-Drucker. „Aber“, sagt Emanuel“, ich schnitze die Puppen lieber selbst von Hand. Das hat mehr Seele.“

Für jedes Programm neue Marionetten

Tagsüber arbeiten die Puppenspieler in den Werkstätten des Theaters. „Normalerweise bin ich zwischen 9 und 14 Uhr in der Werkstatt“, sagt Emanuel. „Danach ist Pause und von 18 bis etwa 22 Uhr spielen wir eine Vorstellung oder wir proben.“ Diese Abwechslung, sagt Emanuel, schätzt er besonders an seiner Arbeit. Das Marionettentheater beherbergt eine eigene Tischlerei und Schlosserei, in denen die Kulissen und das Bühnenbild gebaut werden. Außerdem gibt es noch eine Schneiderei, in der die schönen Kostüme für die Marionetten entstehen. Und nicht zuletzt das handwerkliche Herzstück: die Puppenwerkstätte. Hier werden aus verschiedenen Materialien einzigartige Gliederpuppen geschaffen und bis ins Detail ausgearbeitet. Für jedes Programm gibt es neue Marionetten – immer nach den Entwürfen des jeweiligen Regisseurs. Die Puppen werden also nicht umgezogen, sondern immer neu erschaffen. Er macht hauptsächlich das Holzgestell für die Puppen, erklärt Emanuel. „Füße und Unterschenkel, die Hände und die Verbindungen, also die Scharniere.“ Bis jetzt hat er die Gestelle für sechs Puppen gemacht, unter anderem auch für einen Bären. Die Köpfe der Puppen werden entweder auch im Haus gemacht oder an Künstler außerhalb des Theaters weitergegeben.

In die Rollen hineindenken

Pro Stück sind dann 20 bis 90 Marionetten im Einsatz – viel zu tun also für die Puppenspieler. Die persönlichen Lieblingsrollen von Emanuel sind gleichzeitig seine zwei Hauptrollen: die Hexe bei Hänsel und Gretel und der Max bei The Sound of Music. „Das sind auch die Rollen, die mich körperlich am meisten fordern“, erklärt Emanuel. „Da muss ich mich vorher schon drauf vorbereiten – physisch und psychisch, weil ich mich ja auch richtig in die Rolle hineindenke.“ Wenn Emanuel keine Puppen führt, kümmert er sich hinter der Bühne darum, dass alles nach Plan läuft. Er stellt beispielsweise die Scheinwerfer ein oder wechselt die Bühnenbilder. 

„Die Tourneen erweitern den Horizont“

Emanuel ist mit Leidenschaft bei der Sache. Das merken wir daran, wie seine Augen leuchten, wenn er von den Puppen erzählt. Allerdings gibt es da noch eine zweite Leidenschaft, der Emanuel nachgeht, wenn sich der Vorhang des Marionettentheaters geschlossen hat. Emanuel ist passionierter Amateur-Skater, schon seit vielen Jahren. Bis heute übt er diesen Sport mit großer Begeisterung aus – und mit großem Können. Ein Sponsor unterstützt den Semi-Profi, der auch bei Bewerben teilnimmt. Aber auf die Arbeit bezogen ist das Schönste für ihn, wenn die Vorstellung gut gelaufen ist, die Gäste zufrieden sind und mit einem guten Gefühl aus der Vorstellung gehen, sagt Emanuel. Und die Tourneen, die schätze er auch besonders. „Ich freu mich immer sehr auf die Tourneen“, erzählt Emanuel. „Ich finde, die erweitern den Horizont. Man kommt an Orte und Plätze, wo man sonst als Tourist nicht hinkommt. Das ist schon toll und auch ein Privileg.“ China habe ihm sehr gut gefallen, besonders aufgrund der freundlichen Menschen. Auch der Oman hat ihn beeindruckt, sagt Emanuel. Drei Mal war er mit dem Marionettentheater bereits in Amerika. Dieses Jahr geht die Reise nach Mexiko. „Da wird die Reisebühne eingepackt und los geht´s“, schmunzelt Emanuel.

Das Salzburger Marionettentheater ist offiziell UNESCO-Welterbe

2017 wurde die Spielpraxis des Salzburger Marionettentheaters zum erhaltenswerten Kulturgut als die „höchst entwickelte Form des Puppen- und Figurentheaters“ gewählt. Seither befindet sich das Salzburger Marionettentheater offiziell auf der UNESCO-Liste zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes. Das Marionettentheater ist weltweit das einzige Theater mit Gliederpuppen, in dem auch Opern aufgeführt werden. Die Vorstellungen finden in der ganzen Welt sehr guten Anklang. Was die Heimatstadt der berühmten Gliederpuppen betrifft, gäbe es da noch Luft nach oben, findet Emanuel. „Schade ist, dass das Marionettentheater bei den Attraktionen, die für die Touristen beworben werden, oft vergessen wird“, sagt Emanuel. „Wir könnten diesen besonderen Zauber noch viel mehr Menschen zeigen, wenn da etwas besser zusammengearbeitet wird.“ 

Mit Herz und Hand

Abschließend fragen wir Emanuel noch nach seiner Lieblingsfigur. Hat er überhaupt eine? „Ja“, sagt Emanuel, dreht sich in der Kammer mit den Puppen um und greift behutsam nach der Hexe von Hänsel und Gretel. „Die Hexe mag ich sehr gern. Aber auch die Titania vom Sommernachtstraum, die ist richtig schön gearbeitet.“ Emanuel geht ein paar Schritte weiter und greift zielstrebig nach einer weiteren Puppe. „Aber am besten ist der Don Giovanni. Schau mal, der Kopf – der ist sehr schön, richtig toll gemacht.“ Er zeigt uns die Puppe und da ist es wieder: das Strahlen in den Augen. 

Fotocredits: © knaro.at

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