2026 feiert der Salzburger Almenweg seinen 20sten Geburtstag. Viele haben die 25 Etappen und die rund 350 Kilometer Wanderwege seither in Angriff genommen. Zurückgekommen sind alle zwar mit müden Beinen aber dafür vielen wunderbaren Eindrücken. Einer der alle Etappen erwandert ist, ist Richard Ganglberger aus Oberösterreich. Gemeinsam mit sechs Herrn zwischen Mitte 50 und Mitte 60 ist er seit 2012 jedes Jahr 4 Tage zum Wandern unterwegs. Uns hat er ein paar Fragen rund um seine Erlebnisse und Eindrücke entlang des Almenwegs beantwortet.
Zunächst herzliche Gratulation zum erfolgreichen Absolvieren des gesamten Almenwegs. Wie ist denn die Ideen entstanden, gemeinsam den Salzburger Almenweg in Angriff zu nehmen?
Unsere Wander- bzw. Pilgergruppe gibt es seit 2011. Damals entstand die Idee, gemeinsam von Linz nach Mariazell zu wandern. Daraus wurden viele weitere Touren: sämtliche österreichischen Mariazellerwege, der Rupertiweg, der Leonhardsweg – und schließlich der Salzburger Almenweg. Da wir alle gerne in den Bergen unterwegs sind und einige von uns bereits einzelne Abschnitte kannten, war schnell klar: Diesen Weg möchten wir gemeinsam erleben.

Sie sind also keine Anfänger im Weitwandern?
Nein, Erfahrungen hatten wir bereits reichlich gesammelt. Trotzdem bezahlt man am Anfang immer ein wenig Lehrgeld – zu viel Gepäck, nicht ganz das passende Schuhwerk oder andere Kleinigkeiten. Mit jeder Tour lernt man dazu.
Was unterscheidet den Salzburger Almenweg von anderen Weitwanderwegen?
Vor allem die vielen Höhenmeter. Manche Anstiege haben es wirklich in sich. Dafür wird man aber immer wieder mit beeindruckenden Ausblicken belohnt. Besonders die vielen bewirtschafteten Almen und Hütten – etwa im Großarltal – machen jede Anstrengung wieder wett.

Welche Etappen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ganz besonders die Strecke von den Gnadenalmen über die Südwienerhütte nach Obertauern mit der Übernachtung auf der Oberhütte. Diese kannten wir bereits vom Leonhardsweg und haben uns sehr auf das Wiedersehen gefreut. Ebenso bleibt uns die Etappe zum Tappenkarsee unvergessen – landschaftlich einfach wunderschön.

Gibt es Hütten, die Ihnen besonders ans Herz gewachsen sind?
Die Oberhütte, die Tappenkarseehütte, die Haibenalm oder die Heinrichalm zählen zu unseren Favoriten. Aber eigentlich hat jede Hütte ihren eigenen Charme. Mal ist es die besondere Lage, mal die Gastfreundschaft, das Essen oder die Atmosphäre. Was uns überall beeindruckt hat, war der herzliche Empfang.


Gab es auch schwierige Momente – Hitze, Regen, Müdigkeit?
Mit Hitze muss man umgehen können. Wichtig sind genügend Trinkpausen – zum Glück gibt es entlang des Weges viele Möglichkeiten, Wasser nachzufüllen. Mit Regen hatten wir erstaunlicherweise großes Glück. In den fünf Jahren mussten wir keine einzige Tour wegen Schlechtwetters verschieben. Und Müdigkeit gehört einfach dazu. Wenn man weiß, dass am Ende eine gemütliche Hütte wartet, fällt auch der letzte Anstieg leichter.
Ist beim Weitwandern der Weg oder das Ziel wichtiger?
Eigentlich beides. Nach einer langen Etappe mit rund 25 Kilometern und mehr als 1.300 Höhenmetern erfüllt es einen mit großer Zufriedenheit, das Tagesziel erreicht zu haben. Dann darf zur Belohnung auch einmal ein kühles Bier nicht fehlen. Das Allerwichtigste ist aber, dass alle gesund und unfallfrei ankommen.

Hat sich Ihr Blick auf das SalzburgerLand durch diese Wanderungen verändert?
Ja, auf jeden Fall. Wer tagelang zu Fuß unterwegs ist, erlebt die Landschaft viel intensiver. Wir haben unglaublich viele schöne Erinnerungen gesammelt, über die wir heute noch gerne sprechen.
Eine Wanderung lebt auch von den Hütten. Welche Hüttenspezialität darf auf keinen Fall fehlen?
Eine einzelne Spezialität können wir gar nicht nennen. Jede Hütte ist etwas Besonderes. Viel wichtiger ist uns, dass die Almen bewirtschaftet werden und dadurch diese einzigartige Kulturlandschaft erhalten bleibt. Deshalb sollte jeder Wanderer einkehren und die regionalen Schmankerl genießen – das ist auch eine Wertschätzung für die Arbeit der Hüttenwirte.
Was haben Sie während des Unterwegsseins über sich selbst gelernt?
In unserer schnelllebigen Zeit tut es unglaublich gut, am Berg einfach abzuschalten. In unserer Gruppe gibt es kein „schneller“ oder „langsamer“. Es zählt nur das gemeinsame Ziel. Manchmal geht jeder für sich, manchmal entstehen intensive Gespräche zu zweit – und manchmal genießt man einfach schweigend die Natur. Auch das verbindet.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der den Salzburger Almenweg zum ersten Mal gehen möchte?
Die Etappen sollten realistisch geplant werden und zur eigenen Kondition passen. Außerdem lohnt es sich, Unterkünfte frühzeitig zu reservieren, die Öffnungszeiten der Hütten zu prüfen und auf gutes Schuhwerk sowie einen passenden Rucksack zu achten.
Muss man den gesamten Weg am Stück gehen?
Überhaupt nicht. Das hängt ganz von der verfügbaren Zeit ab. Wir waren jedes Jahr vier Tage unterwegs und haben die 25 Etappen insgesamt in 17 Wandertagen über fünf Jahre verteilt erwandert. Gerade dieses Wiederkommen jedes Jahr hatte für uns einen ganz besonderen Reiz.

Gibt es schon Pläne für das nächste gemeinsame Wanderprojekt?
Ideen gibt es bereits einige. Wahrscheinlich wird es wieder ein spiritueller Weg. Besonders interessiert uns der neu eröffnete Wilheringer Pilgerweg vom Stift Wilhering bis zum Stift Hohenfurth in Südböhmen.
Wenn Sie den Salzburger Almenweg in drei Worten beschreiben müssten?
Ausblicke. Aufstiege. Hüttengemütlichkeit.
