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10 Fragen an Georg Streitberger

Aus der Reihe „Salzburger Wintersportler reden über …”

10 ganz persönliche Fragen zum Thema „Risiko“
Der Pinzgauer Skirennläufer Georg Streitberger über den Unterschied von Angst und Respekt und warum Risiko den Erfolg bedingt.

Mit drei Jahren stand der Maishofener Georg Streitberger zum ersten Mal auf Ski, mit 26 Jahren errang er seinen ersten Weltcup-Sieg im Super-G in Kvitfjell. 2010 folgte Weltcup-Sieg Nummer 2 in Beaver Creek und 2014 der Abfahrtssieg in Kvitfjell. In der Saison 2011 belegte der sympathische Pinzgauer Platz 2 in der Weltcup-Gesamtwertung im Super-G. Auch in seiner zehnten Weltcup-Saison denkt der inzwischen 34-Jährige nicht ans Aufhören: Etwas zu riskieren, liegt ihm im Blut. Auch wenn er selbst sagt: „Meine Mutter wäre bestimmt nicht beleidigt, wenn ich die Rennski ins Eck stellen würde.“

  1. Georg, gehört eine gewisse Portion Risiko zum Leben eines Skirennläufers?

Zu meinem Leben gehört es auf jeden Fall. Als Skirennläufer kommst du ohne Risiko zu gar nichts. Ab und zu musst du ans Limit gehen und darüber hinaus, um Zeit gutzumachen. Wenn du gewinnen willst, musst du riskieren.

  1. Das hört sich so an, als ob du mit Risiko kein Problem hättest?

Das stimmt: Ich brauche das Risiko sogar. Wenn ich nie ans Limit gehen würde, ginge mir definitiv etwas ab. Ich mag es, ab und zu den Kopf abzuschalten. Wobei ich das Risiko gerne kontrollieren möchte. Wenn ich merke, dass ich die Kontrolle verliere, schaltet sich der Kopf wieder ein. Es ist wie ein Selbstschutz, der gut funktioniert. Ich brauche ein Quäntchen Risiko, das ich mir auch privat beim Kitesurfen, Downhillfahren oder auf dem Motorrad hole: Ich mag ich es, an meine Grenzen zu gehen. Etwas zu riskieren hat auch einen Suchtfaktor.

  1. Es kommt immer wieder vor, dass vor bzw. während Rennen über ein zu hohes Risiko für die Läufer diskutiert wird. Wie fühlst du dich dabei?

Wenn die Sicht bei Rennen so schlecht ist, dass schon im Vorfeld über eine Absage diskutiert wird, dann weiß man, dass das Limit der Läufer überschritten wird. Hat man das Rennen noch nicht gestartet, wird natürlich versucht, die Läufer zu schützen. Doch ein laufendes Rennen abzubrechen, ist immer schwierig. Wenn du dann als Läufer oben im Starthaus stehst, hast du natürlich ein ungutes Gefühl. Das Rennen ist nicht mehr fair; das Risiko überdurchschnittlich hoch.

  1. Kommen bei so schwierigen Bedingungen Zweifel, ob du noch das Richtige tust?

Ich tu mich bei richtig schlechten Bedingungen extrem schwer. Es hat wohl mit meiner Art des Skifahrens zu tun, dass ich den Boden immer sehen muss. Ist die Sicht so schlecht, dass ich den Boden nicht sehe, kann ich gar nicht an mein Limit gehen. Andere, die es schaffen, das Gehirn völlig auszuschalten und im Blindflug unterwegs sind, tun sich dann leichter. Das funktioniert bei mir nicht. Also ist das Risiko bei solchen Rennen für mich persönlich geringer.

  1. Kennst du das Gefühl von Angst?

Nicht beim Skifahren, das wäre wohl auch komplett kontraproduktiv. Aber ich habe Respekt. Das Gefühl von Angst kenne ich, wenn Sachen passieren, die ich selbst nicht kontrollieren kann. So etwa hatte ich bei meinem allerersten Flug nach Quebec richtig Angst bei der Landung: Einfach nur dazusitzen und zu schauen, was passiert, liegt mir nicht.

  1. Wann hast du ein Gefühl für Risiko entwickelt?

Eher spät (schmunzelt). Bis ich so 17, 18 Jahre alt war, hab ich mir überhaupt nichts gedacht beim Skifahren. Ich hab, ehrlich gesagt, nicht einmal gewusst, dass man sich verletzen kann. Da haben wir echt viel riskiert, auch abseits der Pisten. Es ist immer alles gut gegangen. Erst bei meinen ersten FIS-Rennen habe ich dann Verletzungen gesehen. Bis dahin war Risiko für mich nur ein Wort.

  1. Deinen ersten Weltcupsieg hast du 2008 in Kvitfjell gewonnen. Bei demselben Rennen hat sich dein Kollege Mattias Lanzinger schwer verletzt. Ihr seid beide das gleiche Risiko eingegangen – mit völlig unterschiedlichem Ausgang.

Jeder Skirennläufer versucht bei jedem Rennen, alles richtig zu machen. Matthias ist mit mehr Risiko hineingegangen. Oft können dann an vergleichsweise leichten Stellen blöde Fehler passieren. Mir ist es so in Chamonix ergangen, als ich mir beim Rennen den Schienbeinkopf gebrochen habe: Du strotzt am Start vor Selbstvertrauen, fühlst dich gut und dann riskierst du zu viel. Machst einen Fehler und im Nachhinein denkst du nur „Wär ich doch ein bisschen sauberer gefahren“.

  1. Österreich verfügt über einen starken Kader: Ist diese Konkurrenz Fluch oder Segen?

Vor zehn Jahren, als es noch keine Startplätze für uns Jungen gab, hab ich den ÖSV als Fluch empfunden. Wir hatten keine Möglichkeit, in den Weltcup zu kommen: Die Konkurrenz war einfach zu groß und man hatte kaum Chancen, sich zu beweisen. Inzwischen ist es so, dass die Dichte intern nicht mehr ganz so groß ist. Das Gute an einem starken Team ist, dass du dich gegenseitig zu enormen Leistungen pushen kannst. Heute würde ich sagen, der ÖSV ist ein Segen.

  1. Denkst du mit deinen 34 Jahren ans Aufhören?

Nein, ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich die Schnauze noch lange nicht voll habe. Ich möchte, sofern es körperlich machbar ist, noch drei Jahre fahren. Es ist ja erst meine zehnte Weltcup-Saison. Und es ist da immer noch das Gefühl in mir, dass ich Rennen gewinnen kann.

  1. Trifft man Georg Streitberger auch privat auf der Piste?

Ja, auf alle Fälle, ich habe Saalbach Hinterglemm Leogang vor der Haustür. In diesem Jahr wurde das Skigebiet mit Fieberbrunn verbunden, darauf bin ich gespannt. Allerdings muss ich zugeben, dass man mich eher im Gelände als auf der Piste antrifft. Und da nehme ich auch gerne mal einen Felsen mit, so wie wir es früher gemacht haben. Ich brauch ja nicht schnell unten zu sein.

Deine persönlichen Geheimtipps zum Skifahren im SalzburgerLand?

  • Skifahren gehe ich am liebsten in meinem Heimat-Skigebiet Saalbach Hinterglemm Leogang, das seit 2015 mit Fieberbrunn verbunden ist. saalbach.com
  • Eingekehrt wird im Bergstadl in Hinterglemm mit der großen Sonnenterrasse, dem Kaminstüberl und richtig guter Hausmannskost. bergstadl.at
  • Zum Après-Ski geht’s nach einem Skitag in Saalbach in den Goaßstall oder ins Hexenhäusl. goasstall.com und www.hex.at

Besondere Tipps
Wohnen bei „Familie Streitberger“: Die 3-Zimmer-Ferienwohnung, rund 20 Minuten vom Ortskern von Maishofen entfernt, bietet Platz für 2 bis 4 Personen. Nur fünf Gehminuten sind es zum Gratis-Skibus ins Skigebiet Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn und 10 Minuten zum Einstieg ins 250 km lange Langlaufloipennetz.

Kontakt: Frieda Streitberger, Oberreitberg 20, 5751 Maishofen, f.streitberger@aon.at

Copyright Bilder: TVB Saalbach Hinterglem & Samo Vidic

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