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10 Fragen an Marlies Schild

Aus der Reihe „Salzburger Wintersportler reden über …“

10 ganz persönliche Fragen zum Thema „Erfolg“

Slalom-Rekordhalterin Marlies Raich geb. Schild über Grenzüberschreitungen, Glaube und Glück.

Marlies Schild galt als die unerreichte „Slalom-Queen“ im Ski-Zirkus: Im September 2014 verkündete die damals 33-Jährige ihren Rücktritt aus dem aktiven Rennsport. Die Saalfeldnerin ist mit 35 Slalomsiegen die erfolgreichste Läuferin der Weltcup-Geschichte. Trotz zahlreicher Verletzungen kämpfte sie sich einem Steh-auf-Männchen gleich immer wieder zurück an die Spitze. Ihre Fans liebten sie für ihre Nervenstärke, ihren Kämpferwillen und für ihr strahlendes Lächeln. Nun hat die Pinzgauerin wieder allen Grund zum Strahlen: Im Oktober wurden sie und ihr Mann Benni Raich zum ersten Mal Eltern. 

  1. Marlies, du hast vor über einem Jahr deine aktive Rennsportkarriere beendet. Wie sah diese Zeit „danach“ aus?

Der Rennsport war jahrelang der Hauptinhalt meines Lebens, daher bin ich diesem auch verbunden geblieben. Ich war in diesem Jahr nach wie vor mit meinen Partnern und Sponsoren unterwegs. Der Rennsport war die letzten zwanzig Jahre meine Leidenschaft; Es hätte sich falsch angefühlt, dem völlig den Rücken zu kehren. Aber natürlich war Vieles neu und ich habe es sehr genossen. Einfach auf den Berg zu gehen, wenn das Wetter passte – das kannte ich so bislang nicht, da es meistens einen fixen Trainingsplan gab. Ich habe immer gerne trainiert und ich absolviere nach wie vor jeden Tag mein Sportpensum. Auch während der Schwangerschaft: Gerade da gilt es, auf den eigenen Körper zu hören und zu machen, was einem gut tut.

  1. Was war das Geheimnis deines Erfolgs?

Der Rennsport war meine Leidenschaft. Die sportliche Leistung stand für mich stets im Vordergrund und dafür habe ich alles getan. Ein Ziel und einen Plan zu haben, war für mich wesentlich. Und ich bin sehr konsequent. Als Leistungssportler ist es auch wichtig, dass du die richten Leute um dich hast: Vom Trainer über Therapeuten und Ärzte bis hin zum Servicemann. Diese Unterstützung ist wichtig und manchmal hab ich auch jemanden gebraucht, der mich in meinem Ehrgeiz eingebremst hat.

  1. Hast du für deinen Erfolg auch manchmal deine Grenzen überschritten?

Als Leistungssportler musst du deine Grenzen ausloten und auch manchmal überschreiten. Das Prinzip „Augen zu und durch“ wäre falsch, aber ab und zu muss man reinbeißen. Dabei ist es wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und die Signale zu verstehen. Ich musste das auch erst lernen. Sich ein paar meiner Verletzungen zu ersparen, wäre wünschenswert gewesen.

  1. Deine ersten Knieverletzungen in jungen Jahren brachten dich überhaupt erst dazu, dich auf die Slalomdisziplin zu konzentrieren?

Ich bin viele Jahre lang alle Disziplinen gefahren, wobei man mir in ganz jungen Jahren sagte, dass das mit dem Slalom nichts wird und ich mich eher auf die langen Ski konzentrieren solle. Als ich im Weltcup, vor allem im Slalom, ganz vorne etabliert war, kam eine Unterschenkelverletzung und danach war klar, dass die Belastung durch Speed-Disziplinen kontraproduktiv wäre. Also bin ich völlig auf die kürzeren Ski umgestiegen und das war für die Umstände sicher kein Fehler. Im Nachhinein kann ich über so manche Sprücheklopfer von früher lachen!

  1. Ein grandioser Erfolg gelang die in deiner letzten Saison, als du den Slalom-Rekord der Schweizer Skirennläuferin Vreni Schneider geknackt hast. Wie fühlt sich das an?

Vor meiner letzten Saison hatte ich wieder mit einer Knieverletzung zu kämpfen. Aber ich hatte auch das Gefühl „Da geht noch was“. Dass ich diesen Erfolg dann erreicht habe, war das I-Tüpfelchen und es ist schon etwas Besonderes, wenn man diesen Rekord innehat.

  1. Dein Erfolg basierte auch auf einer unglaublichen Konstanz und einer für den Zuschauer fast greifbaren Nervenstärke. Hast du Nerven aus Stahl?

Ich denke, die beste Motivation sind die Siege selbst. Man gewinnt dadurch ein ganz starkes Selbstbewusstsein und das nimmst du mit ins nächste Rennen. Wenn ich an den Start gegangen bin, wusste ich, ich bin in absoluter Top-Form und wenn nicht irgendwas ganz Blödes passiert, dann haut das auch hin. Das Ganze war natürlich hart erarbeitet und ein Prozess, der den Körper, die mentale Stärke und die Ski- und Materialtechnik beinhaltete. Wenn ich an den Start ging, hatte ich sprichwörtlich immer das Gefühl, alle meine Hausaufgaben gemacht zu haben. Und mit jedem Sieg stieg das Selbstvertrauen.

  1. Bist du ein gläubiger Mensch?

Ich bin gläubig erzogen worden und gehe gerne in die Kirche. Und ich bin davon überzeugt, dass es da etwas gibt, was man nicht beeinflussen kann und dass unser Weg vorgegeben ist. Ich vertraue, und das gibt mir Kraft.

  1. Hattest du bestimmte Rituale vor einem Rennen?

Jein! Für mich war wichtig, dass ich mich rundherum wohlfühle: Im Hotel, im Zimmer, beim Essen. Aber so richtig festgefahren war ich da nicht. Vor dem Rennen gab es die Vor-Start-Rituale, aber ich habe versucht, es locker zu nehmen, wenn das mal etwas anders abgelaufen ist.

  1. Bist du eher ein Kopf- oder ein Gefühlsmensch?

Beides. Ich brauche die Ordnung im Kopf, aber auch mein Bauchgefühl hat mich selten im Stich gelassen. Bei Entscheidungen befrage ich sowohl den Kopf als auch den Bauch und dann versuche ich, einen Mittelweg zu finden. So habe ich beispielsweise gespürt, dass es Zeit ist, meine Karriere zu beenden: Ich war nicht mehr bereit, ein weiteres Jahr an meine Grenzen zu gehen. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe. Ich habe nichts nachweinen müssen, sondern bin glücklich darüber, was ich erreicht habe.

  1. Was ist dein „roter Faden“ im Leben?

Zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben gehört das Gefühl, ein Ziel vor Augen zu haben. Ich mag es, einen Plan zu haben und zu wissen, was ich heute zu tun und zu erledigen habe. Das mache ich dann mit Begeisterung, aber ich bin auch froh, wenn die Arbeit getan ist. Dann kann ich so richtig abschalten und entspannen. Das macht mich glücklich.

Deine persönlichen Geheimtipps zum Skifahren im SalzburgerLand?

  • Eine ganz besondere Piste ist die „Marlies Schild Rennstrecke“ am Bürglalmlift in Dienten: www.hochkoenig.at
  • Im Bründlstadl in Dienten gibt es einen „Marlies Stammtisch“, wo alle meine großen Erfolge wie Weltcup-, Olympia- und Weltmeisterschaftssiege eingeschnitzt sind. www.stadl.at
  • Wo ich ebenfalls gerne einkehre, sind die Bürglalm und die Steinbockalm im Hochkönig Skigebiet. www.buerglalm.at, www.steinbockalm.at

 

Besondere Tipps

Die Skirennschule von Marlies Schilds Bruder Josef und ihrem Cousin Stefan bietet verschiedene Leistungen rund um den Rennsport an. Ob als Einzelcoaching oder in der Gruppe, ob für Jugendliche oder Erwachsene: Beim Freifahr- und Stangentraining stehen Leidenschaft, Zielstrebigkeit und Professionalität im Vordergrund. www.schildskiracing.com

Im Oktober 2015 wurde der neue „Walk of Fame“ in Maria Alm eröffnet: Auf diesem Themenweg sind internationale Skistars mit Handabdruck und Kurz-Biografie verewigt. Unter ihnen Marlies Schild, ihr Ehemann Benni Raich, Alexandra Meissnitzer oder Michael Walchhofer. Sie alle haben auf Peter Hörls legendärer Rennpiste bei den Hinterreit-Liften trainiert. www.hochkoenig.at

Copyright Fotos: Atomic/GEPA, Hochkönig

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