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Zeitgenössische Kunst in kunstvollen Kirchen

Kirche und zeitgenössische Kunst müssen kein Widerspruch sein – davon kann man sich in Salzburg immer wieder überzeugen. Maßgeblich daran beteiligt ist etwa der Radstädter Wilhelm Scheruebl. Bei einem Besuch in seinem Atelier konnten wir mehr über seine Arbeit erfahren.

Historisch gesehen waren beim Bau von Kirchen immer die besten Architekten, Baumeister und Künstler ihrer Zeit beschäftigt. Zu diesem Ansatz kehrt die Kirche nun zurück. In Wettbewerben sucht man immer wieder nach zeitgenössischen Künstlern, um Kirchen moderner und volksnäher zu gestalten.

Einer dieser Künstler ist Wilhelm Scheruebl mit seinem Atelier in Radstadt. In dem langgezogenen Raum ist es gemütlich warm. Überall Zeugnisse der ständigen Beschäftigung des Künstlers mit ihm gestellten Aufgaben. An den Wänden Regale, Leinwände, Bilder, auf Tischen und Böcken Miniaturstudien, Baumstämme, Skulpturen. Auf Schreibtischen natürlich PCs, die im modernen Schaffen nicht mehr fehlen können.

Zu seiner Biographie erzählt er nur, dass er in Hallein unter Prof. Bernhard Prähauser zum Holz- und Steinbildhauer ausgebildet wurde und später in Wien an der Akademie der Bildenden Künste bei Bruno Gironcoli studierte.

Man darf gespannt sein, was er über seinen künstlerischen Anspruch zur Veränderung/Ergänzung historischer Kirchen erzählt:

„Es waren so viele Große an dem Bau dieser Kirchen beteiligt, da ist auch die Herausforderung groß, sich selbst angesichts der Größe der Aufgabe nicht zu verlieren. In der Pfarrkirche St. Johann im Pongau zum Beispiel, misst jedes Fenster 10 mal 1,5 Meter. Das kann ein Mensch in der Gesamtheit nicht mehr erfassen. Mein Ziel ist es, immer meinem eigenen künstlerischen Anspruch treu zu bleiben.“

Pfarrkirche St. Johann im Pongau

In der neugotischen Pfarrkirche in St. Johann waren die 10 Meter hohen, neugotischen Fenster auf der Nord- und auf der Südseite des Kirchenschiffs notverglast. Als eine Sanierung anstand, setzte sich Diözesanbaumeister Manfred Steinlechner dafür ein, für die Erneuerung der Fenster ein zeitgenössischen, künstlerischen Zugang zu schaffen.

Wilhelm Scheruebl setzte sich lange mit den Lichtverhältnissen auseinander. In der Betrachtung der Dualität des Lichts – hell/dunkel, Tag/Nacht, Sommer/Winter – kamen für ihn die Farben gelb und violett ins Spiel. In einer komplexen Berechnung entstand die asymmetrische Aufteilung der hell/dunkel Elemente in den Fenstern. Vom Eingang aus Richtung Altar wird der Gelbanteil immer höher, bis ganz vorne ein zu 100 Prozenz gelbes Fenster den Altarraum in das richtige, strahlende Licht rückt.

Die von innen beleuchteten Fenster des Dom St. Johann Foto©Stefan Zenzmaier

Dom St. Johann, Foto ©Stefan Zenzmaier

So erzeugt die neue Verglasung, je nach Lichteinfall, eine ganz eigene, ganz besondere Wirkung. Wenn die Sonne direkt einstrahlt, löst sich die Farbigkeit beinahe auf, wenn die Sonne in einem anderen Winkel durch die Gläser fällt, ergeben sich faszinierende verspielte Farbeffekte an der gegenüberliegenden Wand, die an die zwölf Edelsteine des Neuen Jerusalem erinnern. Ist es draußen dunkel und nur im Inneren der Kirche Licht, nimmt der aufmerksame Betrachter die im Sandstrahlverfahren aufgebrachten dynamischen Pflanzenformen, die das Gesamtwerk des Künstlers prägen, wahr.

Neue Altarräume für eine neue Zeit

Historisch betrachtet, war die Kirche ein Ort der Kirchenmänner. Sie lasen ihre Messen auf lateinisch für sich im Presbyterium. Das Presbyterium oder der Chor ist der Raum um den Hochaltar, der früher dem Klerus, den Ordensgemeinschaften, vorbehalten war. Dieser Raum war meist durch Lettner oder Chorschranken von den Laien abgetrennt. Das Volk saß also weit entfernt vom eigentlichen Kirchengeschehen im Kirchenschiff. Es war zwar da, aber nicht dabei.
Erst beim Zweiten Vatikanischen Konzil, das von 1962-1965 stattfand, wurde beschlossen, dass Messen vor allem für das Volk und vor dem Volk gelesen werden sollten, in der jeweiligen Landessprache.

Dadurch änderte sich alles: Volksaltäre wurden aufgestellt, oft nur aus Brettern zusammengezimmert – mit einem weißen Tischtuch wurden die Provisorien kaschiert. Heute ist das Volk, die Gemeinde, in der Gemeinschaft der Messe, der Kirche angekommen und involviert. Es ist ein Miteinander entstanden, das so vielen Menschen Halt und Richtung gibt. So ist es nahe liegend, auch dem neuen Raum der Feiern Beachtung zu schenken.

In den Pfarrkirchen von Puch bei Hallein und St. Maximilian in Bischofshofen wurden von Wilhelm Scheruebl bereits neue Altarräume realisiert, in denen die Gemeinschaft der Gläubigen und Feiernden sichtbar lebbar wird. „Es ist mir wichtig, ein würdiges Umfeld zu schaffen. Die Gemeinde soll aus dem Alltag heraustreten können – spirituell und ästhetisch. Technische und liturgische Anforderungen gilt es zu kennen und zu beachten.“

Pfarrkirche Puch bei Hallein

Die gotische Pfarrkirche in Puch bei Hallein stellte Wilhelm Scheruebl wieder vor Herausforderungen. Wie ist es für einen zeitgenössischen Künstler möglich, den Spagat zwischen historischem Gebäude und modernen Ansprüchen zu schaffen?

„Soweit es mir möglich ist, versuche ich, höchste Qualität anzustreben, das betrifft sowohl die künstlerische Gestaltung als auch die handwerkliche Umsetzung und die verwendeten Materialien. Das war von jeher das Ziel kirchlicher Auftraggeber. Dazu beschäftigten sie immer die Fähigsten und Besten ihres Faches und ihrer Zeit. So entstanden Kunstschätze, die nie den Bezug zur jeweiligen Historie scheuen mussten. Es ist eigentlich eine Erscheinung unserer Zeit, dass wir dem Alten immer mehr vertrauen als den heutigen Errungenschaften. Ich bin neugierig und nicht altgierig“.

In Puch hat Wilhelm Scheruebl Volksaltar, Ambo, Priestersitz und Taufbecken geschaffen. Der hölzerne Unterbau trägt die für Scheruebl typischen, lebendigen Strukturen. Es ist ein Spiel mit geometrischen Formen. Auf diesen thront Untersberger Marmor. Die Steinplatte des Altars alleine ist etwa 1.000 kg schwer. Altar und Ambo stehen für den Tisch des Wortes und den Tisch des Fleisches. Sie sind wie ein stabiles Fundament des Glaubens in der Kirche verankert, gleich einem Felsen in der Brandung des Lebens.

Pfarrkirche Puch bei Hallein, Foto ©Andrew Phelps

Damit sind die liturgischen Richtlinien erfüllt: In einer Kirche soll nur noch ein Altar stehen. Dieser soll fest in der Mitte der Gemeinschaft verankert sein und auch eine architektonische Mitte bilden. Edle Materialien sollen verarbeitet werden. Die Mensa aus Stein ist gewünscht und begründet und entspricht auch Scheruebls Verständnis von Stabilität und Dauerhaftigkeit

Pfarrkirche St. Maximilian, Bischofshofen

In der Pfarrkirche St. Maximilian in Bischofshofen entschied sich der Künstler für grobkristallinen Krastaler Marmor aus Kärnten. Altar und Ambo sind aus einem monolithischen Marmorblock gefertigt. Durch die asymmetrische Aufstellung ist der Blick auf den historisch wertvollen Hochaltar nach wie vor gut möglich, und die zeitgenössische Neugestaltung ist in keinem Widerspruch zum historischen Bestand – sie werten sich gegenseitig auf.

Gesäumt wird das Ensemble von zwei Flügelaltären, die die ursprünglich auf den Seitenaltären thronenden gotischen Skulpturen beherbergen. Sie sind eine Neuinterpretation gotischer Flügelaltäre und lassen sich in der Fastenzeit verschließen.

Blick auf Ambo, Altar und Flügelaltäre. Im Hintergrund der historische Hochaltar der Pfarrkirche St. Maximilian in Bischofshofen Foto ©Andrew Phelps

Pfarrkirche St. Maximilian, Bischofshofen, Foto ©Andrew Phelps

Historische und zeitgenössische Kunst

Im SalzburgerLand treffen Tradition und Historie immer wieder auf moderne zeitgenössische Kunst. Es müssen nicht Museen sein, in denen wir die Größe und Komplexität dieser Verbindung spüren und betrachten können. Unser Land ist reich gesegnet mit Kirchen und Kapellen. Ob modern, traditionell, historisch, alt oder neu, alle diese Kunstschätze sind Ausdruck lebendigen Glaubens und können jederzeit besucht werden.

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Kommentare

Kommentare

  1. Sylvia Schober
    geschrieben von Sylvia

    Sehr interessanter Artikel – bitte mehr davon!

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