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Wo die Kelten siedelten

Drehen wir das Rad der Zeit etwas zurück. Es ist 1.800 v. Chr. und der Pinzgau ist weitgehend unbesiedelt…

Weitgehend, denn am Stoanabichl in Uttendorf, im oberen Salzachtal, herrscht reges Treiben. Rund 120 keltische Siedler haben sich hier niedergelassen. Weite Fernsicht auf dem Plateau über der heutigen Ortschaft und ein plätschernder Bach ganz in der Nähe haben die Siedler zu diesem Platz geführt. Durch die optimale Lage an den Handelswegen beginnt ein reger Handel mit Kupfer, das in einem auf rund 1.600 m Höhe gelegenen Bergbaurevier abgebaut wird. Das sorgt für Wohlstand in der Dorfgemeinschaft.

Ich stehe am Stoanabichl, der Herbstwind pfeift und ich lausche den Erzählungen von Renate Ratzenböck. Sie ist die gute Seele dieses prähistorischen Musterdorfes in Uttendorf. Sie war von der ersten Minute der Ausgrabungen bis zur Verwirklichung des Keltendorfs, als Freilichtmuseum für interessierte Besucher, mit dabei. Sie führt mich durch das Gelände, als ob sie damals selbst dabei gewesen wäre und erzählt vom hohen Niveau der Handwerkskunst, der Verbundenheit zur Natur, den Alltagssorgen, Bräuchen und Riten.

  

Zufallsfund bei Bauarbeiten

Dass wir heute durch dieses wunderschöne Areal schlendern und uns bildlich in das Leben der Kelten zurückversetzen können, verdankt man einem glücklichen Zufall. „Am Anfang stand wie so oft der Zufall, denn als im Zuge der Neuverlegung der Uttendorfer Orts-Wasserleitung im April 1962 im Bereich Untersteinfeld ein großes archäologisches Gräberfeld aus der Hallstattzeit (750 – 600 v.Chr.) entdeckt wurde, ahnte man noch nicht, dass sich daraus etwas Besonderes entwickeln würde“, erklärt sie. Nach keltischem Glauben beginnt das Leben im Osten und endet im Westen. So machte man sich östlich des Gräberfeldes auf die Suche nach der Siedlung.

Am Stoanabichl förderten schon die ersten Testgrabungen kennzeichnende Keramikstücke zutage. Renate Ratzenböck´s Augen leuchten, als sie mir das Besondere am Uttendorfer Keltendorf erklärt: „Nur hier sind an einer Stelle Gräberfeld, Siedlung, Bergbau und Handelswege erfasst und das macht diesen Ort hier zu einem überregional bedeutsamen Siedlungszentrum prähistorischer Zeit. Momentan ruht die Suche nach weiteren Relikten aus der Keltenzeit, doch nach Möglichkeit werden die Ausgrabungen auch wieder aufgenommen, da anzunehmen ist, dass hier noch einiges zu finden ist.“

  

Auf dem durch Grabungen belegten Originalplatz wurde das Siedlungshaus aufgebaut. Eine gemütliche Stube in dem mit Schilfrohr gedecktem Holzhaus diente den Siedlern als Gemeinschaftsraum. Eine Herdstelle sorgte für Wärme und im Erdkeller wurden die Vorräte gelagert. Im Halbstock über der Stube wurde geschlafen und selbst die Tiere durften in einem kleinen Stall mitten in der Gemeinschaft leben.

Nachdem die Archäologen auch zahlreiche verzierte Webgewichte am Stoanabichl fanden, geht man davon aus, dass das Weben in dieser Siedlung von hoher Bedeutung war und so wurde auch ein eigenes Webhaus detailgetreu rekonstruiert. Besonders die Bauweise des daneben liegenden Hochspeichers fasziniert mich. Der Speicher steht auf sechs Holzstämmen, dazwischen wurden aber große Steine gelegt, um Mäuse und andere Nager von dem Getreide fernzuhalten. Die Holzwände des Töpferhauses sind mit Lehm verkleidet, um die Handwerker vor Wind und Kälte zu schützen. Das Handwerk wurde in der Kultur der Kelten perfektioniert – so fand man bei den Grabungen auch kunstvoll gearbeitete Fibeln, Gürtelhaken, Rasiermesser und sogar gedrehte Glasperlen.

  

Renate Ratzenböck verlässt mich hier – sie muss zurück an ihren eigentlichen Arbeitsplatz in der Gemeinde. Ich verspreche ihr, schon bald an einer der liebevoll gestalteten Führungen teilzunehmen und bleibe noch eine Weile allein am Stoanabichl zurück. Ich nasche an der Kräuterschnecke und setze mich an den Rastplatz innerhalb des Baumkreises. Die Kelten sahen in den Bäumen eine starke Verbindung zwischen Erde und Universum und jeder Baum hatte seine eigene Bedeutung. Die Blätter von Eiche, Birke und Buche um mich rascheln leise im Wind, während ich noch den Erzählungen von Renate Ratzenböck nachlausche und würde in dem Moment ein Druide zu mir in den Baumkreis treten – es würde mich nicht überraschen.

Mein Tipp: Jedes Jahr im August finden am Stoanabichl die Keltentage statt. Keltische Gruppen bevölkern dann das Dorf und geben Besuchern mit diversen Handwerksvorführungen im Münzprägen, Glasperlen drehen, Töpfern oder Eisen verhütten Einblick in das Alltagsleben der Siedler.

Information unter www.uttendorf.at

Fotos: Edith Danzer

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Kommentare

Kommentare

  1. geschrieben von Eva Irnberger

    Lässige Geschichte, macht Lust auf einen Besuch.

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