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Winter im Wildpark Ferleiten

Der Wildpark Ferleiten ist im Sommer ein absoluter Besuchermagnet im SalzburgerLand und tausende Besucher scharen sich vor den Gehegen der Wildtiere. Fröhliches Geplapper mischt sich mit den Lauten der Tiere und das wunderschön angelegte Areal bei der Mautstelle der Großglockner Hochalpenstraße wirkt erfüllt von Leben.

Mit Einsetzen der Schneefälle im November fällt der Vorhang dieser Bühne. Die Wintersperre nach der Ortschaft Fusch trennt diesen Talabschnitt sozusagen von der Außenwelt ab. Erst ab Anfang Mai, wenn die Schneeräumung auf der Glocknerstraße abgeschlossen ist, wird der Schranken wieder geöffnet und die ersten Besucher kommen wieder ins Tal.

Ich habe mich oft gefragt, wie die Tiere im Wildpark diese Wintermonate verbringen und mich zu einem Blick hinter die Kulissen des Wildparks angemeldet. Im Morgengrauen treffe ich den Tierpfleger Hubert Reiter an der Wintersperre. Der Schranken signalisiert Besuchern: Hier geht es nicht weiter. Somit ist das Gebiet ab dem Schranken am Ende des Fuscher-Tals menschenleer. Fast menschenleer, denn Hubert hält hier natürlich auch den ganzen Winter über die Stellung, denn Bison, Luchs, Eule & Co müssen täglich versorgt werden.

Der Berufsjäger und Tierpfleger ist ein Bär von einem Mann und wenn er von „seinen“ Tieren zu erzählen beginnt, liegt ein Lächeln auf seinem bärtigen Gesicht. Er ist von November bis Mai meist der einzige Zweibeiner, der sich oft mühevoll zu dem Gelände an der Mautstelle der Glocknerstraße durchkämpft. Jetzt im Hochwinter ist der Wildpark auch für ihn nur noch mit dem Skidoo erreichbar. Ungefährlich ist die tägliche Anreise für ihn nicht, und aufgrund der vielen Lawinenabgänge auf diesem Straßenabschnitt übernachtet Hubert bei starken Schneefällen und hoher Lawinengefahr oftmals im Winterquartier im Wildpark.

Das Tal der Stille
In dieses gemütliche Tierpflegerhaus führt auch unser erster Weg, denn Hubert muss vor Arbeitsbeginn noch den Kachelofen einheizen, damit sich die Stube erwärmt. Bei einer dampfenden Tasse Kaffee erzählt der 60-jährige gebürtige Steirer, der sich seit 15 Jahren als geprüfter Tierpfleger um die Tiere in Ferleiten kümmert: „Die Natur und die Tierwelt lagen mir immer schon am Herzen. Früher als Berufsjäger und heute als Tierpfleger. Der Winter hier in Ferleiten ist für mich die schönste, wenn auch eine sehr arbeitsintensive, Zeit. Ich genieße die absolute Ruhe und Abgeschiedenheit. Nur mein treuer Wotan leistet mir hier Gesellschaft.“ Der vierjährige Hannoveraner erhebt sich wie aufs Stichwort von seinem Platz in der Stubenecke und signalisiert mit freudigem Schwanzwedeln: Zeit zum Arbeiten!

Auf rund 20 Hektar warten schon 160, in den Alpen beheimatete, Tiere auf ihren Fütterer. Schon aus weiter Ferne hören sie den Traktor tuckern und versammeln sich neugierig am Rand ihrer Gehege. Nur zwei Wildpark-Bewohner zeigen sich unbeeindruckt. Grete und Bezi, die Braunbären, halten seit Dezember Winterschlaf, erst Mitte März werden sie erwachen und hungrig brummen.

Wotan verkriecht sich lieber in der mittlerweile warmen Stube, während Hubert Reiter den Traktor in die Scheune lenkt, in der das Futter lagert. Scheibtruhe um Scheibtruhe wird die Ladeschaufel des Traktors mit Maismixsilage gefüllt. Diese Mischung aus Apfel-Trester und Mais ist rohfaser- und energiereich und wird mit Heu und Kraftfutter für die Wiederkäuer unter den Tierpark-Bewohnern verfüttert. Im Uhrzeigersinn fährt Hubert nun jedes Gehege der Schalentiere an: Damwild, Sickawild, Bisons, Rotwild, Mufflons, Alpensteinbock und Gams kommen vertraut heran, wenn Hubert vom Traktor kraxelt und eimerweise Futter in die Tröge leert.

Auf „Du und Du“ mit den Wildtieren
„Wo san meine Weibal?“, ruft er in das riesige Rotwildgehege und macht sich ans Reinigen der Futterstelle. Sauberkeit ist das Um und Auf um Krankheiten unter den Tieren zu vermeiden. Schon taucht ein Tier nach dem anderen am Futtertrog auf. Mittendrin ein kapitaler Hirsch, der majestätisch sein Geweih präsentiert. „Bis März trägt er dieses Geweih“, erklärt Hubert, „denn dann wirft er seinen Kopfschmuck ab und schiebt ein neues Geweih, das bis zum Sommer wieder in voller Größe auf seinem Kopf thront.“

Als wir das Bisongehege erreichen, setzt sich die Herde mit lautem Getrampel in Bewegung und folgt Hubert bis zur Futterstelle. Aus riesigen, dunklen Augen sieht uns der mächtige Bisonbulle an und für den Moment bin ich doch ganz froh, dass sich zwischen ihm und mir ein Zaun befindet. Hubert lacht und meint: „Die Bisons sind ganz friedlich, nur mit dem Bullen sollte man sich nicht anlegen, wenn er einen schlechten Tag hat.“ Für das Bisonkalb Billy jr., das im Juli dieses Jahres auf die Welt gekommen ist, ist es der erste Winter im Wildpark. Doch der kalte Wind, der uns um die Ohren pfeift, lässt ihn völlig unbeeindruckt und hungrig macht er sich über das Futter her. 
Während wir uns um Gams, Esel und Mufflon kümmern, frage ich Hubert, ob er jedes Gehege betritt, und seine Antwort kommt prompt: „Na klar – nur nicht ins Bärengehege, denn das wäre zu gefährlich! Bei den Wildschweinen ist auch Vorsicht geboten, dem Keiler sollte man nicht den Rücken zudrehen und unser Auerhahn ist manchmal auch ein angriffslustiger Kerl.”

Das Symboltier der Alpen

Von Angriffslust ist beim Steinwild nichts zu spüren, als wir das Gehege betreten. Gemächlich erheben sich die Alpensteinböcke mit ihren imposanten Hornsicheln und nähern sich langsam. Fast wäre dieses, früher so mystifizierte, Symboltier der Alpen ausgestorben, so ist es auch auf der Infotafel vor dem Gehege nachzulesen. Über eine letzte kleine Kolonie im italienischen Gran Paradiso wurde der Steinbock auch wieder in Österreich angesiedelt und mittlerweile gibt es im Glocknergebiet, im Oberpinzgau und in Rauris wieder gesicherte Bestände. Auch der Luchs, der seine Fleischration schon bekommen hat und gelassen durch sein Areal streift, ist im Pinzgau in den letzten Jahren wieder in freier Wildbahn gesichtet worden.

Nur das Wolfsgehege ist momentan leer und verwaist. Erst im Frühjahr werden hier wieder zwei bis drei junge Wölfe untergebracht und werden mit ihrem Geheule Leben in den momentan so friedvoll ruhigen Wildpark bringen. 
Für die zweite Runde durch den Park wird das Futter gewechselt – Gemüse, Obst, Brot, Körnermischung und Eintagesküken kommen jetzt in die Futtereimer. Liebevoll stellt der Tierpfleger die Nahrung für die einzelnen Tiere zusammen. „Das ist für die drei Waschbären, die Küken kommen zu den Greifvögeln und dieser Eimer ist für Bruder und Schwester“, schmunzelt er und zeigt auf den Durchgang zu den Berberaffen, die schon ungeduldig am Käfiggitter rütteln.

Schon stapft Hubert Reiter wieder durch den Schnee, um Fasan, Birk- und Auerwild, Meerschweinchen, Scheehasen, Uhu und Kauz mit ihrer Nahrungs-Ration für diesen Tag zu versorgen. Für jeden seiner Wildpark-Bewohner hat er ein paar nette Worte und prüfend kontrolliert er, ob auch alle bei bester Gesundheit sind. 
Für all diese Tiere bedarf es natürlich großer Mengen an Futter: Rund 80 Tonnen Heu und Grummet, 50 Tonnen Saftfutter (Maismixsilage, Futterrüben und Karotten), 5 Tonnen Kraftfutter sowie Fleischvorräte für die Luchse und Obst und Gemüse werden alleine im Winter benötigt. Der Wildpark Ferleiten wurde 1980 von Georg Mayr-Reisch auf einer aufgelassenen Landwirtschaft gegründet und ist nach wie vor in Privatbesitz. Die Erhaltungskosten von rund 145.000 Euro sowie die jährlichen Verbesserungen zum Wohle der Tiere werden ausschließlich durch die Eintrittsgelder der durchschnittlich 60 000 Besucher gedeckt.

An die Sommerzeit und die vielen Besucher denkt Hubert Reiter aber nicht. Er schreibt schon an der Einkaufsliste, denn heute wird er nach dem Füttern talauswärts fahren, um frische Vorräte zu besorgen. Denn auch morgen, übermorgen und jeden anderen Tag des Winters ist er allein und mit voller Kraft im Einsatz für seine Schützlinge.

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