Auch wenn das SalzburgerLand (noch) nicht zu den renommiertesten Weinregionen Österreichs zählt, werden auch hierzulande edle Tropfen produziert. Gemeinsam mit zwei Freunden bewirtschaftet Martin Haberl im Stift Michaelbeuern einen halben Hektar Rebfläche und produziert daraus eigenen Wein. Im Gespräch erzählt er, wie es dazu kam und spricht über Herausforderungen und Zukunftschancen für den Weinbau in unserer Region.
Herr Haberl, wie sind Sie ursprünglich zum Weinbau gekommen?
Martin Haberl: Ich habe schon immer gerne Wein getrunken und mich für Weinbau interessiert. Mein Freund Wolfgang Kaiser und ich hatten vor gut 20 Jahren die Idee, selbst Wein zu machen und zu schauen, wie dies im SalzburgerLand funktioniert. Irgendwann sprachen wir also mit der Benediktinerabtei in Michaelbeuern – meinem Heimat- und Wohnort. Dort wurde bereits vor 500 Jahren einige Jahrzehnte lang Weinbau betrieben. Der Abt war begeistert von unserer Idee, und so pachten wir seit 2006 einen halben Hektar Land, das wir für den Weinbau nutzen.
Und wie läuft der Weinbau dort aktuell?
Bei uns geht es vor allem um den Spaß und die Leidenschaft und nicht darum, Gewinn zu erzielen. Es ist ein Projekt von drei Freunden: Wolfgang Kaiser, Otto Dürager und mir. Wir sind alle drei pensioniert und betreiben den Weinbau als Hobby. Zusammen nennen wir uns «Weinfreunde Lielon». Wir haben in den vergangenen Jahren viel Erfahrung gesammelt und wurden und werden dabei professionell vom Weingut Steyrer in Kuffern in Niederösterreich begleitet. Dieses Jahr war aufgrund der vielen Sonnenstunden ausgezeichnet für uns. Hier am Stift haben wir – im Gegensatz zu vielen Weinregionen im Burgenland oder in der Wachau – keine Wasserprobleme.

Welchen Wein produzieren Sie?
Mit unseren ca. 2.000 Reben produzieren wir gewöhnlich zwischen 3.000 und 3.500 Flaschen. Etwa die Hälfte davon ist Grüner Veltliner, der Rest Merlot, Zweigelt und Muskateller. Wir produzieren also sowohl Weiß- als auch Rotwein und stellen zudem Frizzante her.

Wie sind Sie mit der Qualität Ihrer Weine zufrieden?
Ich glaube, dass wir für Salzburg einen sehr guten, etwas anderen Wein herstellen. Er ist nicht so mineralhaltig, dafür aber besonders geschmacksintensiv und er ist jedes Jahr ein bisschen anders. Es ist klar, dass wir betreffend Zuckergrad und Alkoholgehalt nicht mit einem Burgenländer oder Wachauer mithalten können. Dazu haben wir nicht den passenden Boden. Besonders wichtig ist uns, ein Naturprodukt herzustellen: Wir fügen keine Zusätze hinzu und nutzen keine chemischen Spritz- oder Pflanzenschutzmittel.
Was sind für Sie die größten Herausforderungen beim Weinbau?
Vor allem haben wir den hohen Arbeitsaufwand unterschätzt. Zu jeder Jahreszeit fällt viel Arbeit an, und wir erledigen nach wie vor den Großteil von Hand und haben nur einen Traktor als Unterstützung. Die Tätigkeiten reichen vom Rebschnitt und Ausdünnen der Triebe über die Laubarbeit und das Anbinden der Reben bis hin zur Bodenpflege, der Weinbehandlung mit natürlichen Mitteln, der Ernte und der anschließenden Weinproduktion.

Auch die steile Hanglage ist eine Herausforderung. Wir hatten eigentlich geplant, die Weinreben von einem halben auf ein ganzes Hektar zu erweitern. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands haben wir dieses Projekt jedoch wieder zurückgezogen. Weiters ist der Ertrag nicht immer gleich. Vor einigen Jahren hatten wir aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen nur etwa ein Drittel unserer gewöhnlichen Menge.
Wenn wir schon beim Klima sind. Welche Chancen sehen Sie für den Weinbau im SalzburgerLand?
Das Klima arbeitet für Salzburg. Ich glaube, dass der Weinbau hier großes Potenzial hat, denn das Klima wird trockener und heißer, und es gibt viel weniger Schnee. Das sind sehr gute Bedingungen. Daher bin ich überzeugt, dass in den nächsten 20 Jahren in Salzburg einige Weinbauern dazukommen werden.
Wo kann man Ihren Wein trinken?
Nachdem der Wein in unserem Keller fertig gereift und abgefüllt ist, teilen wir drei „Weinfreunde Lielon“ diesen untereinander auf. Jeder von uns vermarktet seinen Anteil dann selbst, etwa über Vereine. Natürlich trinken wir auch selbst gerne unseren Wein und geben ihn an unseren Bekanntenkreis weiter.
Die Pfadfinder stellen am Mönchsberg ebenfalls eine kleine Menge Wein her und betreiben dort ein Weinmuseum, in dem sie auch unseren Wein ausschenken. Weiters besteht die Möglichkeit, bei uns Weingartenführungen zu buchen. Dabei können Gäste den Weinkeller und den Weingarten besichtigen, bevor es eine Weinverkostung mit Jause gibt. Auch beim Herbstfest bei uns im Dorf wird unser Wein ausgeschenkt.
Eine Flasche kostet bei uns 8 Euro, ein Achterl im Ausschank 3,50 Euro. Wir stellen die Freude am edlen Tropfen und nicht den Kommerz in den Vordergrund.
Wie sehen Sie die Zukunft des Weinbaus in Michaelbeuern?
Wir wollen sicher noch zehn Jahre weitermachen. Jetzt, wo wir alle drei in der Pension sind, haben wir auch mehr Zeit dafür. Eine Erweiterung ist derzeit jedoch nicht geplant. Wir wünschen uns, junge Leute mit ins Boot holen zu können und so sicherzustellen, dass der Weinbau in Michaelbeuern längerfristig erhalten bleibt. Dies wäre auch im Interesse der Benediktinerabtei.

Martin Haberl wohnt in Michaelbeuern, ist 65 Jahre alt und pensioniert. Vor seiner Pensionierung führte er einen Schlossereibetrieb. Wer sich für den Wein interessiert, kann Martin Haberl telefonisch unter 0664 320 20 03 oder per E-Mail erreichen.