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Schindeln – eine fast vergessene Handwerkskunst

Bernhard Ponemayr hat schon als Bub Schindeln gemacht. Er stellt sie für das Annaberger Heimatmuseum Denkmalhof Gererhof gemeinsam mit helfenden Händen noch immer her.

Die Wanderung zum rund 400 Jahre alten Denkmalhof Gererhof in Annaberg führt vorbei an satt-grünen Wiesen und dunklen Wäldern. Kühe beobachten neugierig die Vorbeikommenden. Schon von weitem ist der idyllisch gelegene Gererhof mit dem Legschindeldach und dem Glockenturm zu sehen. Rote Blumen schmücken den Balkon. Bernhard Ponemayr (76) sieht im Garten nach dem Rechten. Dann sucht er das geeignete Holz zum Schindel spalten. „Am besten eignet sich die Lärche. Diese Bäume sind bei uns normalerweise so gewachsen, dass sie Wind und Wetter lange standhalten können“, erklärt der ehemalige Bankdirektor. Seit über zehn Jahren ist der Bauernsohn Kustos des Heimatmuseum. Die Handwerkskünste wie Schmieden und Schindelmachen hatte er als Bub von seinem Vater gelernt.

Der kleine Finger zeigt zum Zaun, der Daumen zum Dach
„Das Schindelmachen beginnt beim Aussuchen des Holzes im Wald. Normalerweise passiert das im Winter“, erklärt er. Für das Dach verwendet Ponemayr nur rechtsdrehendes Holz. „Ich lege die Hand auf den Stamm. Wenn sich das Holz dahin dreht wo der Daumen hinzeigt, ist es für das Dach geeignet. Wo der kleine Finger hinzeigt, ist es Zaunholz“, sagt Ponemayr.
Dann beginnt das Spalten. „Es ist wichtig, dass gespalten und nicht gesägt wird. Durch das Spalten wird der natürliche Faserverlauf des Holzes nicht zerstört. Damit kann das Wasser durch die Riefen abrinnen“, erklärt der Schindelmacher. Wenn die Riefen fehlen, sauge sich das Holz mit Wasser voll und es faule schneller. Danach nimmt er den Holzhammer zur Hand. Mit gezielten und kräftigen Schlägen spaltet Ponemayr auf einem Klotz gut 15 Millimeter dicke Schindeln.

Zum Schindel machen braucht’s a Schneid
Dann nimmt er Platz auf der hölzernen Hoanzelbank. Über ein Pedal, das mit dem Fuß betätigt wird, klemmt er die erste Schindel fest. Er bearbeitet diese mit einem scharfen Ziehmesser mit zwei Griffen so flink, dass die Späne nur so fliegen. „Zum Schindelmachen braucht’s a guate Schneid“, betont Ponemayr. Zum Abschluss spranzt (abrunden) er die Schindeln. „Wenn einer gut gearbeitet hat, hat er fünf Quadratmeter Schindeln am Tag gemacht“, erzählt er. Das Heimatmuseum in Annaberg hat noch ein Legschindeldach. Vier bis fünf Jahre bleiben die gut 80 Zentimeter langen Schindeln auf dem Dach. Dann werden sie gedreht und die verwitterte Seite kommt nach unten. „Nach viermal drehen sind die Schindeln am Ende. Dann kann ich sie nicht mehr verwenden“, sagt Ponemayr. Früher legten die Bauern jedes Jahr ein Viertel des Hausdaches neu. Ponemayr und seine Helfer machen das gesamte Dach alle vier Jahre auf einmal.

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