Grandiose Wasserfälle, einsame Wanderwege und stille Waldkapellen: Golling an der Salzach hat neben hervorragender Gastronomie und den Festspielen auf der örtlichen Burg vieles zu bieten. Wir haben davon einige Plätze rund um Golling besucht.
Clemens und Fabian vom Gollinger Tourismusverband haben das E-Bike schon hergerichtet. Auch ein Helm und ein Fahrradschloss sind dabei. Dann erklären die Touristiker auf der Karte welche Touren wunderschön und nicht überlaufen sind. Da die Plätze unweit des Ortszentrums sind, entscheide ich mich, alle an einem Tag zu besuchen. Ein ambitioniertes Ziel. Denn überall ist es wunderschön, Bänke laden zum Verweilen, Cafés und Gasthäuser zum Einkehren und die Natur zum Entdecken ein.
Gute drei Kilometer vom Gollinger Ortszentrum entfernt, rauscht der Gollinger Wasserfall in die Tiefe. Er entspringt aus der Schwarzbachfallhöhle im Gebirgsstock Göll. Ganz in der Nähe thront die Nikolauskirche auf einem Felsen. Die Wallfahrtskirche wurde 1444 erstmals urkundlich erwähnt und ist für mich ein besonderer Kraftplatz. Das fanden auch die Filmemacher des weltberühmten Musicals „Sound of Music“. Im Vorspann des Filmes ist die Kirche kurz zu sehen. Deswegen wurde sie 2025 von Panoramatours als Fotostopp aufgenommen.
Kleine Kapelle mit Quelle
Ich bleibe diesmal nur kurz bei der kleinen Kirche am Fuße des Gölls stehen, denn es zieht mich zur nahen Bartholomäus-Kapelle in den Wald. Während die Straße rechterhand Richtung Gollinger Wasserfall führt, biege ich links ab. Gut beschildert finde ich den Forstweg zu meinem ersten „Hidden Place“ auf Anhieb.

Die Bartholomä-Kapelle ist schnell erreicht. Hier lege ich meine erste Rast auf einer nahe gelegenen Bank ein, lausche dem lebhaften Vogelgezwitscher und beobachte Schmetterlinge. Durch die verschlossene Tür luge ich ins Innere, bewundere Heiligenbilder und die Ruhe. Dann gehe ich zur Bartholomä-Quelle. Sie entspringt hinter der Kapelle aus dem Felsen und ergießt sich in den Bach. Ich fülle meine Flasche mit dem erfrischenden Quellwasser auf. Entlang des Bachufers strahlen Dotterblumen in saftigem Orange mit den zart-weißen Blüten der Buschwindröschen und der lilablau-blühenden Leberblümchen um die Wette.
Der Forstweg ist kinderwagentauglich und das ganze Jahr über zu begehen. Die kleine Kapelle am Wegesrand ist daher das ganze Jahr einen Besuch wert. Vor allem an heißen Sommertagen bietet der Platz angenehmen Schatten und einen Bach zum Spielen. Ich mache mich wieder auf den Weg und gelange auf Waldwegen und Forststraßen nach rund drei Kilometern ins Bluntautal. Die Forststraße und die Wege sind teils privat und nur für Fußgänger erlaubt.
Von Wasser zu Wasser
Das Bluntautal zieht viele Besucherinnen und Besucher an. Am frühen Vormittag ist noch niemand unterwegs und so habe ich den Weg für mich allein. Der Bach – die Torrener Ache – mäandert anfangs in einem breiten Schotterbett. Bachstelzen sausen über die Wasseroberfläche auf der Jagd nach Futter. Ich wähle den Weg rechts der Ache. Die imposanten Felsen und unzähligen Grüntöne der Natur beeindrucken mich immer wieder aufs Neue. Langsam wird der Bach schmaler und bald gelange ich zur gut beschilderten Abzweigung zu meinem zweiten „Hidden Place“ des Tages: Der Bluntauwasserfall. Glasklares Wasser, Alpenglöckchen mit seinen violetten Blüten, Schlüsselblumen und Veilchen blühen und duften. Über eine Brücke führt der Weg steil hinauf zum Wasserfall. Das Tosen wird lauter. Oben angelangt, setze ich mich auf die Bank und bestaune die Wassermassen des Bluntauwasserfalls. Schäumend und tosend stürzen sie in die Tiefe.

Die feinen Wassertröpfchen besprühen mein Gesicht. Vögel sind emsig mit dem Nestbau beschäftigt und Frühlingsblumen recken ihre Köpfchen der Sonne entgegen. Langsam wandere ich zurück, hole das Rad und entdecke bald die Forststraße die in die Jochalmen führt.
Über Stock und Stein
Mit einer sanften Steigung beginnt die gut 10 Kilometer lange Forststraße zu den Jochalmen. Sie schlängelt sich wenig später in engen S-Kurven den Berg hinauf. Die Straße ließ Erzherzog Franz Ferdinand 1907 für jagdliche Zwecke vom Militär errichten. Mich beeindruckt die Straßenbaukunst in diesem schwierigen Gelände. Die Serpentinen der Mountainbike-Strecke werden immer steiler und enger. Zu beiden Seiten ist das enge Bluntautal von steil aufragenden Felswänden von bis zu 2.000 Metern Höhe umgeben. Allein die Straße und die Umgebung sind es wert, genauer begutachtet zu werden.

Auf der Forststraße liegen nach dem Winter kleinere und größere Steine. Rupert Schnöll vom Kuchler Alpenverein trägt die Steine zur Schlucht und lässt sie hinuntersausen. Auch weiter oben wird die Forststraße für die kommende Saison hergerichtet. Ich drehe um und entscheide mich wiederzukommen. Da ich keine erfahrene Mountainbikerin bin, steige ich aufgrund der steilen und engen Schotterstraße lieber zu Fuß zur Unteren und Oberen Jochalm auf. Für diesen dritten „Hidden Place“ reserviere ich einen ganzen Tag, denn bei dieser Tour werde ich eine Höhendifferenz von 507 Metern auf 1.172 Meter (Untere Jochalm) überwinden und insgesamt rund 20 Kilometer in teils steilerem Gelände wandern. Ich freue mich auf die Jochalmen, denn sie sind ein Schmetterlingsparadies mit vielen Blumen und imposanter Bergkulisse.
Tosende Wassermassen in schwindelerregender Tiefe
Mit dem Rad lasse ich das idyllische Bluntautal viel zu schnell hinter mir. Hier könnte ich gut und gerne den ganzen Tag verbringen. Mit kneippen, in der Wiese liegen und die Sonne genießen. Ich fahre aber nach einer kurzen Rast im Gasthof Göllhof weiter zur Lerchenmühle. Der gut sortierte Mühlenladen hat leider um die Mittagszeit geschlossen. So fahre ich zur rund fünf Kilometer entfernten Salzachklamm oder den „Salzachöfen“ am Pass Lueg. Das ist mein nächster „Hidden Place“ an diesem Tag.

Die Salzachöfen bilden den wilden Durchbruch der Salzach durch die nördlichen Kalkhochalpen zwischen Tennen- und Hagengebirge. Die etwa 60 bis 80 Meter tiefe Schlucht erstreckt sich über rund zwei Kilometer. Sie gilt als Naturdenkmal mit hohem wissenschaftlichem Wert und römerzeitlichen Funden. Innerhalb der letzten 10.000 Jahre ist die Salzachklamm entstanden, indem sich der Gebirgsfluss Salzach immer weiter in das kalkhaltige Gestein gegraben hat. Schon seit dem 19. Jahrhundert ist die Salzachklamm mit aufwändigen Wegen und Steigen für den Tourismus erschlossen. Die Felswände weisen zahlreiche, durch Wirbelbildung des fließenden Wassers entstandene riesige Erosionskolke auf. Beim „Dom“ scheinen sich die Felswände völlig zu schließen. Über eine steile, enge Treppe gelange ich hinunter zu diesem Aussichtspunkt.
Wallfahrtskirche und Augenbründl
Nach einer kurzen Rast kehre ich um, bestaune einen Unterstand von steinzeitlichen Jägern und lese auf Schautafeln über die Geschichte der Gegend. Zurück beim Eingang wandere ich zur nahen Wallfahrskirche Maria Brunneck. Leider ist sie Ende April geschlossen. Die kunstvolle Tür aus Bronze fertigte der Kuchler Bildhauer Josef Zenzmaier an. In der Nähe ist ein Brunnen – das „Augenbründl“. Aus ihm soll ein heilkräftiges Wasser für die Augen fließen.

Das Gasthaus Pass Lueg lädt mit seinem Gastgarten zur Rast ein. Da genieße ich den Ausblick und eine Jause. Gestärkt starte ich zu meinem fünften „Hidden Place“ des Tages.
Steinskulpturen, Hühner und Sachertorte
Entlang der Bundesstraße gelange ich auf den Dechlweg. Da schaue ich beim Hofladen des Seiywaldgutes vorbei und radle anschließend über das Freizeitbad Aqua Salza zum Egelsee und weiter nach St. Anton – mein vorletzter „Hidden Place“. Ich habe Glück und die Wirtsleute Gertraud und Hermann Eibl sind da. Hier genieße ich im schattigen Gastgarten ein großes Stück Torte und eine Tasse Kaffee. Einige Radfahrerinnen und Radfahrer sind ebenfalls da. Wir plaudern über die Touren und die schönsten Eindrücke des Tages. Steinskulpturen zieren den Hof des Bauernhauses der Familie Eibl. Sohn, Steinmetz und Bildhauer Hermann Eibl hat sie angefertigt. Die Altbauern Gertraud und Hermann bewirten die Gäste nur bei schönem Wetter. Wer einkehren möchte, fragt unter der Nummer 0660 5049100 nach, ob geöffnet ist.

Gemütlich mache ich mich auf den Rückweg und gebe das Rad beim Tourismusverband wieder ab. Da ich den Abend bei einer kleinen Wanderung ausklingen lassen wollte, spaziere noch auf den Jahreszeitenweg und besuche die kleine Kapelle. Ein kurzer, etwas steilerer Waldweg führt zum Kirchlein hinauf.

Diesen Weg gehen nur wenige Besucher und so habe ich den Platz für mich allein. Von hier genieße ich den wunderschönen Ausblick auf das Salzachtal und auf die umliegenden Berge. Die Vögel zwitschern um diese Zeit um die Wette und feiner Blütenduft weht mir um die Nase. Langsam wandere ich entlang des Jahreszeitenweges zurück ins Ortszentrum von Golling und lasse den Tag bei einem Gläschen Wein ausklingen.