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Der Künstler der geheimnisvollen Zahlen

Es zieht Blicke in seinen Bann, das eindrucksvolle und gewichtige Kunstwerk, hier an einem Kapruner Kreisverkehr. Gewichtig, im wahrsten Sinne des Wortes: Sieben einhalb Meter hoch, drei einhalb Tonnen schwer sind die drei Steine, die so schief aufeinander klotzen, dass man fürchtet, jeden Moment könnte einer herunter fallen. Doch wie von Magie weichen sie keinen Zentimeter und halten aneinander fest. Es handelt sich um eine Plastik des Kapruner Künstler Anton Thuswaldner. Der hat seinen ganz eigenen Stil.

Schockierendes Wirrwarr aus Zahlen und Stein
Zahlen, die scheinbar fern jedes Zusammenhangs auf großen Steintafeln eingemeiselt sind. Anonym, ein wenig unheimlich, verwirrend. Große aufgestellte Steinplatten, wie Mahntafeln. Teils glatt und in schöne Formen geschliffen, teils kantig und kratzig, wie einst Natur es schuf. Thuswaldners Skulpturen wirken massiv und gewaltig. Man wird nicht schlau aus ihnen und doch wirken sie klar und rational, die für alle Zeiten verewigten Ziffern. Es scheint nichts zufällig dort eingemeiselt zu sein, auf dem harten Material. Beim Betrachten wird man das Gefühl nicht los, Ziffern und Nummern könnten eine tiefere Bedeutung in sich tragen. Ganz wie die Steine sprechen auch die Ölgemälde des Kapruners Bände, ohne tatsächlich ein sinnvolles Wort zu ergeben. Buchstaben, Nummern, umgeben von willkürlich wirkenden Schraffierungen und Zeichnungen. Keine Frage: Die Bilder stiften Verwirrung. Neugierig wird man auf den Mann, der diese so fremdartig wirkenden Werke meißelt, malt und aus Holz schnitzt. Anton Thuswaldner wurde am 17. Juli 1929 in Klagenfurt geboren. Nach der Volks- und Hauptschule begab er sich ins SalzburgerLand, um in Hallein bei Jakob Adlhärt und in der Privatschule Fritz Behn in Ehrwald die Kunst des Bildhauens zu erlernen. Seit 1954 und somit seit sage und schreibe 58 Jahren, arbeitet der nun 83-Jährige freischaffend in den Tauernkraftwerken Kaprun.

Ein Künstler, der mit Mystik und Verwirrung wachrüttelt
Als widersprüchlich, zweifelnd und wachrüttelnd bezeichnen Kritiker seine Werke. Etwas Mystisches umgibt die komplexe Kunst des Kapruners. Ganz eigene Welten aus Buchstabencodes, Zahlenwirrwarr und versteckten Geheimissen scheint er um sich gesponnen zu haben. Tatsächlich ist es des öfteren Kritik, Warnung und ein kräftiges Aufrütteln, das der gebürtige Klagenfurter mit seiner Kunst bewirken möchte. Ein großer Trümmerhaufen aus „Zahlensteinen“ am ORF-Gelände ist seine wütende Antwort darauf, dass in Salzburg Werke des Künstlers Thorak stehen. Dieser wurde während der Nazizeit stark von Hitler gefördert. In Thuswaldners Kunst geht es um Freiheit, um Wirklichkeit, um Zeit, um Ruhe. Themen, die damals wie heute von großer Bedeutung für unsere Gesellschaft sind. Sie sind ästhetisch aber nie kitschig, die Skulpturen auf Pfählen, die Bilder, die Statuen. Stehen in der Landschaft und in grünen Wiesen und schmiegen sich teils so hinein, als wären sie schon immer dort gewesen.

Im Laufe seines Lebens hat sich der Künstler bereits in vielen Metiers probiert. Er malte und zeichnete Gras und- Getreidebilder, schoss Fotodokumentationen und, ganz besonders, stiftete Chaos mit Leidenschaft. 1991 staunten Passanten nicht schlecht, als sie Salzburgs Mozartdenkmal kaum wiedererkannten: Mit sage und schreibe siebenhundert Einkaufswagen war es von oben bis unten „zugemauert“. Keines anderen Werk, als das von Thuswaldner. Auch im Ausland war der Künstler fleißig am Werk. Sowohl in Savannah im amerikanischen Georgia, als auch in Havaeverewigt. „DieDreiSteinmänner, aufeinander geschichte Brocken mit drauf tronenden Holzpfählen zieren den Radweg  in St. Martin. Gänsehaut habe ich persönlich bei einem Bild bekommen, das den Kapruner Künstler zeigt, wie er einem nachdenklich in die Augen sieht. In den Händen hält er eine große aus Holz geschnitzte Vier. Ernst, sogar ein wenig weise, blickt er drein und für heute werde ich die Frage nicht mehr vergessen können: Was hat das zu bedeuten?

Weitere Infos zum Künstler Anton Thuswaldner in Kaprun hier.

 Fotocredits: Thuswaldner

Fritz Messner (Foto: Andreas Hauch)

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