In der ehemaligen Saline trifft die industrielle (Salz-) Vergangenheit der Stadt auf beeindruckendes Schauspiel, zeitgenössische Stoffe und Theaterabende, die diese besondere Örtlichkeit immer wieder neu entdecken und beleben.
Die Hofstallgasse mag als pulsierendes Herz der Salzburger Festspiele gelten, doch Freunde des Schauspiels finden auch außerhalb der Salzburger Altstadt einen Ort, der längst zum festen Bestandteil des Festspielsommers gehört. Die Rede ist von der Pernerinsel in Hallein – wo jetzt Theater gespielt wird, wo einst das Salz des SalzburgerLandes verarbeitet wurde.
Wer die Pernerinsel über eine der Brücken betritt, steht mitten in der Salzach und zugleich an einem Ort, an dem sich wesentliche Kapitel der Halleiner Geschichte abspielten. Ihren Namen verdankt die natürliche Flussinsel Christoph Perner zu Rif, der im 16. Jahrhundert Schutzbauten entlang der Salzach errichten ließ. Lange Zeit diente ein großer Teil der Insel als Garten- und Erholungsfläche, ehe hier Mitte des 19. Jahrhunderts eine moderne Salinenanlage entstand.
Bis zum Ende der 1980er-Jahre wurde in den großen Pernerinsel-Hallen Salz vom Dürrnberg verarbeitet. Mit der Schließung der Saline endete eine jahrtausendealte Tradition, die der Stadt Hallein ebenso wie Salzburg ihren Namen gegeben hat. Zurück blieb ein eindrucksvoller Industriekomplex aus Ziegeln, Stahl, Beton und mächtigen Holzkonstruktionen. Und die Frage, welchem Zweck die bestehenden Gebäude nun erfüllen könnten.
Die Antwort kam aus der Salzburger Kulturszene: Auf Initiative engagierter Kulturschaffender wurde die ehemalige Sudhalle innerhalb weniger Wochen für den Theaterbetrieb adaptiert. Seit den frühen 1990er-Jahren gehört die Pernerinsel zu den Spielstätten der Salzburger Festspiele und bildet eine spannende Ergänzung zum Großen Festspielhaus, zur Felsenreitschule, zum Haus für Mozart, dem Domplatz und zum Salzburger Landestheater.
Ein Raum, viele Möglichkeiten
Das Besondere des „Veranstaltungsorts Pernerinsel“ ist seine Vielfältigkeit: Die Aufführungsfläche, die Bestuhlung, das Licht und die Akustik werden für jede Inszenierung neu konzipiert, sodass sich der große Raum der jeweiligen szenischen Inszenierung anpasst.
Diese Möglichkeiten haben die Pernerinsel früh zu einem Eldorado für außergewöhnliche Regieideen gemacht, die andernorts kaum umzusetzen gewesen wären. Produktionen nutzten nicht bloß die Bühne, sondern bezogen ganze Teile des Gebäudes ein, veränderten Blickwinkel und ließen das Publikum die industrielle Architektur immer wieder anders erleben. Besonders in Erinnerung geblieben ist vielen das Stück „Schlachten!“ von 1999: ein zwölfstündiger Theatermarathon von Tom Lanoye und Luk Perceval nach Shakespeares Königsdramen über die Rosenkriege.
Bis heute liegt der Schwerpunkt der Festspielstätte Pernerinsel auf Schauspiel, experimentellen Kunstformen und zeitgenössischer Musik. Die Mauern, die beeindruckende Höhe der Halle und die teilweise gut sichtbaren Spuren ihrer vorherigen Nutzung sind dabei oft aktiv in die Inszenierungen miteingebunden.
Faust und Tiere im Festspielsommer 2026
Im Festspielsommer 2026 zeigt die Pernerinsel erneut, wie unterschiedlich dieser Raum in ein Stück integriert werden kann. Mit Johann Wolfgang von Goethes „Faust I“ zieht einer der bekanntesten Stoffe der deutschen Literatur unter der Regie von Ulrich Rasche in die ehemalige Saline ein.
Einen Blick auf die Gegenwart wirft Elfriede Jelineks „Unter Tieren“: In der Wirtschaftskomödie wird vom Krieg, vom Kapitalismus und von menschlichen Verhältnissen aus der Perspektive von Tieren erzählt. Nicolas Stemann bringt den Text auf die Bühne und führt damit die experimentierfreudige Tradition fort, die mit der Pernerinsel seit ihren ersten Festspieljahren verbunden ist.

Wer für einen Theaterabend nach Hallein kommt, begegnet daher weit mehr als einer weiteren Festspielstätte: Die Pernerinsel erzählt von Salz, von Umbruch und einer neu gedachten Nutzung – und davon, wie ein stillgelegter Industriebau durch die Kunst eine zweite Geschichte erhalten hat.
Adresse:
Festspielbühne Pernerinsel
Mauttorpromenade 7a
5400 Hallein