Mozart als Freund, Genie und besondere Quelle der Freude und des Glücks: Star-Tenor Rolando Villazón, Intendant der Mozartwoche in Salzburg, spricht im Interview über die Mozartwoche 2026, neue Formate, eine besondere Zauberflöte und warum Salzburg der authentischste Ort für Mozart ist.
Sehr geehrter Herr Villazón, Sie gelten als großer Bewunderer der Werke Mozarts. Wie würden Sie das Genie Wolfgang Amadeus Mozarts beschreiben?
Rolando Villazón: Mozart ist eine ganz besondere Quelle der Freude und des Glücks. Ich empfinde seine Musik und ihn als Person als ein großes Geschenk des Lichts in meinem Leben. Ich kenne keinen anderen Komponisten oder andere Komponistinnen, deren Musik alles, was sie erzählen will, nur aus sich heraus erzählt. Es ist eine ganz eigene Welt, aber eine einladendere Welt kann man sich nicht vorstellen. Ich glaube, das liegt daran, dass Mozart eine tiefe Menschlichkeit zeigt – in seiner Musik. Diese Menschlichkeit macht ihn zu einem richtigen Freund, so empfinde ich es jedenfalls. Mozart hat eine unglaubliche Tiefe und es gibt in seinen Werken auch traurige, melancholische Momente – aber bei Mozart gewinnt am Ende immer das Licht. Die künstlerische Leitung der Mozartwoche inne zu haben ist eine wunderbare Verantwortung und die Möglichkeit, aber auch die Verpflichtung, dieses Geschenk weiterzugeben und mit unserem Publikum zu teilen.
Wie gehen Sie es als Intendant der Mozartwoche an, die vielen Facetten seiner Werke in einer „Mozartwoche“ zusammenzuführen?
Rolando Villazón: Ich möchte Mozart als Genie und Mensch mit all seinen Gesichtern, Charaktereigenschaften, in all seinen Stimmungslagen und schillernden Facetten dem Publikum näherbringen. Mozart einerseits als profundes Genie und zugleich als ewiges Kind mit Hang zu Derbheit, Saus und Braus darstellen. Dies gelingt am besten durch intensive Auseinandersetzung mit seinen Kompositionen, seiner Biographie und vor allem mit seinen Briefen. Mir ist wichtig, im Rahmen der Mozartwoche die gesamte Stadt zu bespielen und allen Altersgruppen einen lebendigen Zugang zu Mozart zu ermöglichen durch Etablierung unterschiedlicher Formate – neben szenischen Produktionen und klassischen Formaten wie Orchester- und Kammerkonzerten – insbesondere auch durch innovative Formate unserer Trazom-Reihe. Es gibt unendlich viele Zugänge, um Mozart immer und immer wieder neu zu entdecken bzw. zu beleuchten aus allen möglichen Perspektiven und Himmelsrichtungen. Wir hatten Mozart schon im Kabarett, Tanz, Schauspiel, im Marionettentheater, im Kino, beim Pubquiz, bei einer Lotería – die Ideen gehen nicht aus!

2026 würde Wolfgang Amadeus Mozart seinen 270. Geburtstag feiern. Wie hat Sie dieser runde Geburtstag in der Programmgestaltung beeinflusst?
Rolando Villazón: Wolfgang Amadé Mozart hat 1756 das Licht der Welt erblickt, aber erst 1791 mit seinem allzu frühen Tod, der Vollendung des Kreises, wird er unsterblich. Mozart: lux æterna steht für diese Jubiläums-Mozartwoche, wir feiern das ewige Licht Mozarts. Aus diesem Anlass schenken wir Mozart eine Neuinszenierung seiner vorletzten Oper Die Zauberflöte. Der Zauber und die Phantasie von diesem Meisterwerk werden mit einer subtilen Hommage an den Komponisten und seinem Hinübergleiten in die strahlende Unsterblichkeit verbunden. Magie, sein 270. Geburtstag im Verbund mit dem Jahr 1791, bildet den roten Faden zur Programmierung unserer Konzerte, Bühnenproduktionen und aller weiteren Veranstaltungen.
Nicht nur Mozart feiert ein Jubiläum, auch die Mozartwoche selbst wird 70 Jahre alt. Wie sehen Sie das Standing der Mozartwoche – auch im internationalen Kontext?
Rolando Villazón: Die Mozartwoche eröffnet im Jänner den musikalischen Jahresreigen, sie ist das erste Festival des Jahres! Was die Mozartwoche so besonders macht und abhebt, ist die Expertise, die die Stiftung Mozarteum als Basis mitbringt. Unsere Mozartexperten unterstützen die Programmplanung. Die Mozart-Museen, die Jahr für Jahr Hunderttausende Besucher und Besucherinnen aus aller Welt anziehen, die Original-Instrumente und die größte Sammlung an Briefen und Notenhandschriften sind im Besitz der Stiftung. Salzburg ist die Wiege Mozarts, nirgendwo anders ist man dem beliebtesten Komponisten aller Zeiten so nah, nirgendwo erlebt man Mozart authentischer. Das alles ist bei der Mozartwoche spürbar. Es ist auch für Künstlerinnen und Künstler etwas ganz Besonderes, hier auf der Bühne zu stehen. Für mich ist das jedes Mal Gänsehaut pur, auch weil das Publikum hier ein spezielles ist … echte Mozartkenner eben.
Die „Zauberflöte“ ist das große Highlight der Mozartwoche 2026. Sie werden die Oper selbst inszenieren. Wie gehen Sie diese Neuinszenierung an – haben Sie in Ihrer Inszenierung Überraschungen im Repertoire?
Rolando Villazón: Wir werden uns ganz nah am Original der Zauberflöte bewegen, dafür wird der wissenschaftliche Leiter der Stiftung Mozarteum Ulrich Leisinger als Dramaturg achten. Das Konzept dieser Inszenierung ist voller Magie und dennoch im besten Sinne historisch informiert. Nur die Stiftung Mozarteum kann heute solch einen ganzheitlichen, fundierten Ansatz für Mozarts großes Meisterwerk bieten. Bühnenbild und Kostüme dieser Neuproduktion bewegen sich in der unvergleichlichen Farbenwelt Mark Rothkos, eines großen Bewunderers Mozarts und seiner Zauberflöte. Und Mozart selbst wird auf der Bühne stehen, in einer Rahmenhandlung, die die Zauberflöte umarmt. Diese Zauberflöte atmet den Geist Mozarts, mehr will ich nicht verraten!

Mit Formaten wie „Mozart im Café“ oder dem „Staukonzert“ richten Sie sich verstärkt an ein jüngeres Publikum sowie an Menschen, die sonst nicht in klassische Konzerte gehen. Wie wichtig ist es Ihnen, solche „Grenzen“ durch niederschwellige Angebote zu überwinden?
Rolando Villazón: Oh, sehr, sehr wichtig ist mir das, genau dafür haben wir mit Trazom eine eigene Programmschiene. Mozart liebte Späße, drehte gerne mal seinen Namen um und nannte sich selbst manchmal Trazom. In der Mozartwoche steht Trazom für bunte Crossovers, die den Komponisten und Menschen Mozart in neuem Licht präsentieren. Mit diesem Mozart will ich das Publikum aller Altersstufen erreichen. Dafür gehen wir ins OVAL, ins Mozartkino, ins Caféhaus, in den Braukeller. Wir machen ein Pubquiz, für die Kleinen eine eigene kindgerechte Zauberflöte und fahren mit dem Bus, die Mozartwoche holt die Leute dort ab, wo sie stehen.
Die Mozartwoche 2026 umfasst insgesamt rund 70 Veranstaltungen. Welche Programmpunkte sollte man – abseits der „Zauberflöte“ – auf keinen Fall verpassen?
Rolando Villazón: Keinen! Aber das wird wahrscheinlich doch etwas viel. Aber auf jeden Fall sollte ein Konzert im Großen Saal der Stiftung Mozarteum dabei sein, der kürzlich renoviert wurde. Der Saal zählt zu den schönsten und akustisch besten weltweit. Ich stehe hier selbst unglaublich gerne auf der Bühne. Wir haben den Altmeister des Originalklangs Jordi Savall zu Gast oder Iveta Apkalna, die ein beeindruckendes Konzert an der Orgel mit Mozart, Bach und zeitgenössischen Klängen geben wird. Karim Zech, ein junger Salzburger Komponist, hat für Mozarts 270. Geburtstag eine Kantate komponiert, die ich beim Abschlusskonzert singen werde und, und, und… . Unbedingt empfehle ich im Mozart-Wohnhaus vorbeizuschauen. Dort ist eine Ausstellung zur Zauberflöte zu sehen, hier kann man in die Historie und Erfolgsgeschichte der Zauberflöte eintauchen. Seit der Premiere 1791 gab es kein Jahr, in dem das Singspiel nicht aufgeführt wurde! Die Zauberflöte gehört alljährlich zu den meist gespielten Opern weltweit.