Für Max Riese stand das Rad schon von Jugend an im Mittelpunkt. Zuerst als Leistungssportler auf der Straße, jetzt als Extremradfahrer und Abenteurer auf dem Gravelbike versucht er immer an seine persönlichen Grenzen zu gehen – auf unterschiedlichen Kontinenten aber auch vor der eigenen Haustüre. So wie etwa beim Triple-Everesting am Gaisberg, wo er den Weltrekord aufgestellt hat.
Du hast mit dem Triple Everest ein extremes Projekt umgesetzt. Lass uns aber vorher noch kurz zurückgehen: Wie hat deine sportliche Reise begonnen?
Angefangen hat alles ganz klassisch in der Schulzeit – allerdings noch nicht am Rad, sondern beim Laufen. Da hat sich schnell gezeigt, dass ich ein sportliches Talent habe. Der Wechsel aufs Rad kam dann eher zufällig, als ich das Rad meines Cousins übernommen habe. Ab da ging es ziemlich schnell in Richtung Wettkampfsport.

Du bist nicht in Österreich aufgewachsen, oder?
Nein, ich bin in Dresden geboren. Meine Familie ist dann relativ früh viel herumgezogen – Hamburg, Würzburg und andere Stationen. Nach Salzburg bin ich letztlich über den Sport gekommen, habe hier auch studiert – Recht und Wirtschaft – und bin beim Radsportverein RC ARBÖ gelandet.
Wann hast du gemerkt, dass dich lange Distanzen reizen?
Das hat sich mit der Zeit entwickelt. Ich konnte schon immer auch kürzere, intensive Sachen gut fahren, aber wirklich gereizt haben mich diese langen, abgelegenen Abenteuer. Also Rennen, bei denen es nicht nur ums Treten geht, sondern um Navigation, Planung, Wetter, Selbstversorgung – die ganze Organisation eben.

Was war dann dein Schlüsselmoment?
Definitiv das Silk Road Mountain Race in Kirgisistan. Diese Landschaft, diese Abgeschiedenheit – das hat mich sofort gepackt. Ich bin dort mein erstes Ultrarennen gefahren, ohne zu wissen, ob ich überhaupt ankomme und bin direkt in die Top 20 gefahren. Danach war klar: Davon will ich mehr erleben.
Du hast viele dieser extremen Rennen gemacht – was unterscheidet sie vom Triple Everest?
Ultrarennen sind oft komplexer. Du bist tagelang unterwegs, musst Schlaf, Ernährung und Route komplett selbst managen. Der Triple Everest ist dagegen reduzierter: gleiche Strecke, klare Struktur. Aber körperlich ist er brutal intensiv, weil du über einen relativ kurzen Zeitraum eine extreme Belastung erzeugst.

© M. Belikova
Was reizt dich mehr – das klassische Rad-Rennen oder ein Projekt?
Mittlerweile klar die Ultracycling-Projekte. Rennen sind wichtig, auch für die eigene Entwicklung. Aber Projekte wie der Triple Everest erzählen eine Geschichte, die mehr Menschen verstehen. Sie haben eine andere Wirkung.
Du hast in den letzten Jahren damit begonnen, beruflich etwas aufzubauen. Was steckt hinter der Idee?
Die Idee war, mehr als nur Athlet zu sein. Ich wollte aber nicht in die klassische Influencer-Richtung gehen. Stattdessen baue ich Projekte rund ums Radfahren auf, vor allem mit Fokus auf Europa. Wir haben hier unglaublich viele Möglichkeiten – offene Grenzen, unterschiedliche Kulturen auf engem Raum, gute Infrastruktur. Das will ich stärker sichtbar machen und kommunizieren.
Also auch ein bisschen Mission in Sachen Abenteuer am Rad?
Absolut. Wenn wir es schaffen, eine größere Community aufzubauen, können wir auch etwas bewegen – in Richtung nachhaltiger Tourismus, bessere Bedingungen fürs Radfahren und mehr Sichtbarkeit für den Sport.
Zurück zum Triple Everest: Was hat dich während der gut 37 Stunden am meisten überrascht?
Wie stark die Reaktion in der Community und auch darüber war. Ich habe schon viele härtere Rennen gemacht, aber die Aufmerksamkeit war hier deutlich größer. Wahrscheinlich, weil es so einfach verständlich ist: dreimal Mount Everest, direkt vor der Haustür am Gaisberg.

Du wirkst sehr strukturiert in deiner Planung. Wie viel ist reine Planung, wie viel Gefühl?
Beides. Die Grundlagen sind extrem wissenschaftlich – Training, Ernährung, Belastungssteuerung. Aber im entscheidenden Moment musst du auf deinen Körper hören. Wenn du das ignorierst, funktioniert es nicht.
Wie gehst du mit dem Schlafmangel um?
Sehr bewusst. In längeren Rennen habe ich fixe Schlafstrategien – zum Beispiel Blöcke von eineinhalb bis viereinhalb Stunden. Komplett durchzufahren macht selten Sinn, weil die Leistung massiv einbricht. Beim Triple Everest war es durch die kürzere Dauer anders, aber auch da spielt Müdigkeit eine gewisse Rolle.
Was motiviert dich, immer wieder an deine Grenzen zu gehen?
Die Kombination aus Neugier und Herausforderung. Ich will wissen, was möglich ist – körperlich, aber auch mental. Und ich brauche Ziele, die mich wirklich fordern.
Und wie siehst du deine Zukunft – sportlich und darüber hinaus?
Mir ist klar, dass die aktive Karriere nicht ewig so weitergeht. Deshalb baue ich parallel Strukturen auf. Der Sport bleibt ein wichtiger Teil, aber langfristig geht es darum, Projekte zu entwickeln, wie zum Beispiel den Wossa-Trail, der kürzlich ins Leben gerufen wurde.
Wenn du den Triple Everest in einem Satz beschreiben müsstest, dann würdest du sagen…?
… eine einfache Idee vor der Haustüre, die dich an deine absoluten Grenzen bringt – und genau deshalb so viele Menschen erreicht.
Danke für das Interview!