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Im Rausch des Goldes!

Goldwäscher für einen Tag – Auf der Jagd nach echtem Tauerngold im Rauriser Kolm-Saigurn.

Ganz tief drin im Rauriser Tal, weit hinter den Ortschaften Rauris und Wörth liegt das Gasthaus Bodenhaus. Hier parke ich das Auto, packe meine Gummistiefel unter den Arm und  marschiere los. Auf mich wartet, nach einem kurzen Fußmarsch entlang der Hüttwinkler Ache, ein scheinbar lukratives Erlebnis: Goldwaschen im Nationalpark Hohe Tauern, an einem Originalschauplatz der alten Goldgräber, mit der Aussicht auf echtes Tauerngold! Fantasierend von Jack Londons „Lockruf des Goldes“ und faustgroßen Nuggets betrete ich das wunderschön angelegte Areal des Goldwaschplatzes.

Das Wasserrad der Goldwaschanlage

Theo Huber ist der „Herr der Goldwaschanlage“ und nimmt mich mit einem breiten Lächeln in Empfang. Wahrscheinlich kann er meine Gedanken lesen, denn erst stachelt er meine Goldrausch-Fantasie noch mit einem geschichtlichen Rückblick an: „Zur Blütezeit des Bergbaues  im 16. Jahrhundert wurden 10 Prozent des Gold-Weltvorkommens im Raurisertal geschürft. Aufzeichnungen des Erzbistums belegen Funde von insgesamt 830 Kilogramm Gold und laut geologischen Untersuchungen ist der Großteil des in den Tauern vorhandenen Goldes noch im Berg. Die ‚Goldberg-Gruppe’ wie die Gebirgskette am Ende des Kolm Saigurn auch genannt wird belegt auch mit ihren Gipfeln Goldbergspitze oder Goldzechkopf diese goldene Ära“

Flitter statt Nuggets
Ich dachte immer, ich wäre resistent gegen Gold, Edelstein und Glitzer, doch spätestens jetzt spüre ich es… das steigende Gold-Fieber! Doch der Traum von riesigen Nuggets platzt, als mir Theo erklärt: „Das Gold ist in Adern im harten Gestein verteilt. Wenn das Gestein verwittert führt das Wasser des Baches mit dem Sand und Geröll die freigelegten Goldteilchen, auch Flitter genannt, mit sich. Weil Gold sehr schwer ist, setzt es sich leichter ab und wenn man den Bach als erfahrener Goldwäscher lesen kann und weiß, wie sich das Gold verhält, dann findet man es auch. Nuggets allerdings findest du hier keine, da musst du schon nach Kanada oder Australien.“

hier ist alles Gold, was glänzt

Während ich in meine Gummistiefel schlüpfe und von Theo Goldwaschpfanne und Schaufel bekomme, fügt er mit einem Blick hinauf zum majestätisch über uns thronenden „Hohen Sonnblick“ hinzu: „In rund 2.000 Metern Höhe, oberhalb von Kolm Saigurn, befindet sich eine Bergbau-Ruinenstadt: 130 Kilometer lange Stollen, wasserbetriebene Schrägaufzüge, Berg-Schmieden, Abraumhalden und Knappenhäuser, in denen im 15. und 16. Jahrhundert an die 3000 Bergknappen lebten, die das Gold aus den Tiefen des Berges ans Tageslicht holten. Einer der bekanntesten und letzten Rauriser Goldschürfer war Ignaz Rojacher, der auch sehr früh Elektrizität, das Telefon und Postwesen ins Tal holte. Dieser letzte Gold-Knappe am Hohen Sonnblick war auch der Erbauer des Wetter-Observatoriums am Sonnblick“

Goldwaschen verlangt Geduld und Gefühl
An einem der natürlichen Becken der Anlage bekomme ich meine Einschulung: eine halbe Schaufelladung in die Pfanne, und dann locker aus den Handgelenken die Pfanne unter Wasser durchrütteln. So setzt sich das schwere Gold am Boden ab. Dann die Pfanne im 90 Grad Winkel ins Wasser halten, damit das grobe Material ausgeschwemmt wird und in den Rillen der Seitenwand das feine Material und natürlich das Gold zurück bleibt. „Dann kommt das eigentliche Goldwaschen – und das verlangt viel Geduld und Gefühl! Das restliche Material wird vorsichtig in der Pfanne mit Wasser durchgeschwemmt und das Sediment trennt sich vom Gold, das in der Regel als schweres Material liegen bleibt.“

Gut geschüttelt ist halb gewaschen

 

Theo übergibt mir ein kleines Glasröhrchen und unter seinen prüfenden Blicken absolviere ich die „kleine Goldwäscher-Prüfung“. Die ersten mini-Flitter des Tauerngoldes sind gefunden und landen in meiner gläsernen Schatzkiste. Ich setze mich also an den Bach und lese… den Bach. Wo würde ich mich ablagern, wenn ich ein faules, schweres Goldklümpchen wäre? Den idealen Platz ausgemacht, stapfe ich los durchs eiskalte Bachwasser und beginne konzentriert zu waschen. Pfanne um Pfanne – und wirklich, immer wieder finden sich am Pfannenboden goldglänzende Teilchen, die schwuppdiwupp in meiner Phiole landen. Den anderen Hobby-Goldwäschern geht es genauso und immer wieder hält man sich grinsend das goldgefüllte Röhrchen zum Gruß entgegen.

So grüßen sich Goldwäscher

Es ist nicht alles Gold, was glänzt!
Ein paar besonders große Fundstücke landen in meiner Phiole, und lassen das Goldfieber steigen, doch beim nächsten „Goldklumpen“ der sich zwischen den kleinen Gold-Flittern am Pfannenboden findet, werde ich skeptisch… ist das wirklich alles Gold, was hinter meinem Glastresor glänzt? Ich frage Theo und er grinst: „Ja da darf ich dir gratulieren, das glänzt ganz schön. Die kleinen Flitter sind echtes Tauerngold doch die großen Teile sind leider nur Pyrit – also Katzengold.“

Nach etlichen Waschgängen, stolzen Fundvergleichen mit mitfiebernden Goldjägern und einer glänzend gefüllten Phiole (auch das Katzengold darf mitglänzen) ist mein Goldhunger gestillt und ich verabschiede mich von Theo um mich im Gasthof Bodenhaus zu stärken. Bei einem leckeren Mittagessen fasse ich mein Abenteuer zusammen: Es ist vielleicht nicht alles Gold, was glänzt. Doch vor Begeisterung glänzende Augen beim Goldwaschen in Rauris sind ohnehin nicht mit Gold aufzuwiegen!

 

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