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Grossarltal – Unter Alpinisten

Willkommen im Bergsteigerdorf Hüttschlag“ begrüßt uns ein Schild wenige Kilometer hinter Grossarl. Bergsteigerdorf – ich muss an alte Schwarzweißbilder von den Alpinisten der ersten Stunde denken, von Männern in schweren Bergschuhen und dicken Mänteln, ausgerüstet mit Seilen aus Hanf und Eispickeln. Der Name ruft in mir unwillkürlich diese Alpenromantik hervor, zu der Bilder von Trachten, Gipfelkreuzen und verwinkelten Dorfgassen gehören.

Prädikat „Bergsteigerdorf“
Bei der Ankunft im Dorfkern werden die Bilder Realität. Doch der Beiname der kleinen Gemeinde ist mehr als eine treffende Beschreibung des Charmes, den sie ausstrahlt. Der Österreichische Alpenverein hat 20 Gemeinden und Talschaften das Prädikat „Bergsteigerdorf“ verliehen und dabei strenge Kriterien walten lassen. Die Förderung eines nachhaltigen Tourismus im Einklang mit der Natur, gelebte Traditionen, ein bedeutendes Höhenprofi l und eine starke Alpinkompetenz gehören zu den Voraussetzungen, um den offiziellen Titel tragen zu dürfen. Der Gedanke, diese Eigenschaften besonders hervorzuheben und zu schützen,leuchtet uns sofort ein. In einem Bergsteigerdorf wird man keine Bettenburgen, keinen Massentourismus, nicht einmal Liftanlagen finden. Ein perfekter Wegweiser für alle, die mit Bike, Klettergurt oder Wanderschuhen ausgerüstet, die Abgeschiedenheit in den Bergen suchen.

Perfekte Wanderidylle
Auch wenn das Angebot an geführten Bergtouren groß ist, es mehrere Kletterrouten und -steige gibt, unsere Wahl fällt natürlich auf das Bike. Immerhin, wer die Abwechslung bewusst sucht oder mit Kletterfreunden reist, hätte im Grossarltal den perfekten Kompromiss gefunden – für uns Gleichgesinnte jedoch erübrigen sich solche Diskussionen, wir planen gleich zwei Bike- Genusstouren zu den umliegenden Almen.

Wir befnden uns in einem der Tauerntäler, jene parallel verlaufenden Einschnitte in die Hohen Tauern, durch die das Gletscherund Regenwasser des Hochgebirges in die Salzach abfließt. Je tiefer es ins Tal geht, umso mehr nähert sich die Grenze des Nationalparks Hohe Tauern und mit ihm der Talschluss. Die Ausläufer des 2.884 Meter hohen Keeskogel, höchster Punkt der Gemeinde Hüttschlag, versperren schließlich jede Weiterfahrt. Ab hier geht es nur noch für Alpinisten weiter. Uns verschlägt es an die Flanken des Tals, durch dichten Fichtenwald geht es gemütlich bis zur Hirschgrubenalm. Die Forststraße lässt uns genügend Puste, um die Natur um uns herum ausgiebig wahrzunehmen und um zu diskutieren, schließlich ist Basti studierter Forstwirt und kann uns  stundenlang mit seinem Wissen über die Flora der Berge unterhalten. Wir fallen in einen gemächlichen Trott, in dem wir ganz mit der Regelmäßigkeit unserer Kurbelumdrehungen verschmelzen.

Fehlt nur noch, dass wir ein Lied anstimmen und uns Fasanenfedern an die Helme stecken, schießt es mir durch den Kopf – die Wanderidylle ist einfach zu perfekt. Unter neugierigen Blicken von den echten Wandersleuten schieben wir schließlich unsere Bikes durch das Tor der Alm, es wird gegrüßt, getratscht und über das Wetter gefachsimpelt. Hier oben versteht man sich, Unterschiede verschwinden zwischen jenen, die die gleiche Leidenschaft für die Berge teilen. Erst bei Antreten der Rückreise wird wieder deutlich, was unsere Welten dann doch trennt: Die bergauf erkämpften 500 Höhenmeter verwandeln sich nun für uns in reinen Abfahrtsgenuss. Forststraßen und Wege werden zu unserem Spielplatz. Wandern macht sicher glücklich, aber ob Wanderer auch bis über beide Ohren grinsend im Tal ankommen?

Im Tal der Almen
Nicht umsonst wird das Grossarltal auch ‚Tal der Almen’ genannt – nach einem kurzen Mittagessen starten wir von Grossarl zur zweiten Alm des Tages. Diesmal konditionell fordernder geht es fast 800 Höhenmeter bergauf zur Bichlalm. Wieder empfangen uns ein herzliches „Griaß Eich“ und eine Almjause, wieder sind selbst die Kinder in die Bewirtung der Alm mit eingebunden und helfen beim Servieren der Speisen. Diesmal überraschen wir beim Eintreten in die Alm sogar die ganze Familie, die vom Kleinkind bis zu den Großeltern am gemeinsamen Brotzeittisch sitzt. Gemütlich sieht es aus, und stören lässt sich von uns so schnell keiner – wir werden in die Stube gewunken.

Krampusmasken im Talmuseum
Es ist schon etwas Besonderes, die Verbindung von einzigartiger Bergwelt und der Vielfalt  unterschiedlichster Kulturen, welche die Alpen hervorgebracht hat. Dieser Reichtum wird uns noch bewusster, als wir zum Abschluss des Tages das Talmuseum am Eingang zum Nationalpark besuchen. In einem alten Bauernhaus wurde hier die Vergangenheit konserviert. Zwischen Fotos, Urkunden, Kleidern und Gemälden aus den letzten Jahrhunderten faszinieren uns vor allem die Krampusmasken: Die gruseligen, aus Holz geschnitzten Fratzen können mit Monstern aus modernen Hollywood- Thrillern locker mithalten und werden noch heute anlässlich der Krampusumzüge zur Adventszeit getragen. Hermann Prommegger hat diese alte Schnitzkunst bis zur Perfektion  weiterentwickelt und stellt hier Masken aus, deren Trägern man wirklich nicht alleine im Dunkeln begegnen möchte.

Natürlich sind es die Einsamkeit, das Naturerlebnis, die uns immer wieder in Berge locken – ohne die unterschiedlichsten Traditionen und Kulturgüter, zu denen der Almkäse genauso gehört wie das „Pfiat Di“ zum Abschied, würde uns Reisenden jedoch viel fehlen. Diese Traditionen zu schützen, haben sich die Bergsteigerdörfer zur Aufgabe gemacht, womit ihnen eine Vorreiterrolle für die Umsetzung der Alpenkonvention zukommt. Ein echtes politisches Statement also, unser Tag in Hüttschlag: damit uns Kultur und Natur des Alpenraumes noch für viele Touren erhalten bleiben.

Rund 70 km südlich der Mozartstadt Salzburg liegt das Großarltal auch „Tal der Almen“ genannt. Aufgrund der seinerzeit schwierigen Erreichbarkeit ist das Tal frei geblieben von jeglichem Durchzugsverkehr. Heute erschließe es sich über eine gut ausgebaute Zufahrt hoch oberhalb der weltberühmten Liechtensteinklamm und ist für jedermann gut erreichbar. Etwa in der Mitte des 30 km langen Tales liegt der Hauptort Großarl mit ca. 3.700 Einwohnern. Weitere 8 km taleinwärts befindet sich der Ort Hüttschlag mit rund 920 Einwohner. Durch die Eingliederung des Talschlusses in den Nationalpark Hohe Tauern darf sich Hüttschlag mit Stolz „Nationalparkgemeinde“ nennen und zählt seit 2008 auch zu den nach strengen Kriterien ausgewählten „Bergsteigerdörfern Österreichs“, einem Projekt des Österreichischen Alpenvereines im Rahmen der Umsetzung der Internationalen Alpenkonvention.

Nachfragen
Tourismusverband Großarltal
Markt 1
5611 Großarl
T: +43 6414 281
info@grossarltal.info
www.grossarltal.info

Service & Guiding
Geführte Bike-, Rad- und E-Biketouren inkl. Verleih (ab 3 Personen, Anmeldung am Vortag erforderlich) Weitere geführte Mountainbike- und E-Biketouren laut Sommer-Aktivprogramm im Wochenveranstaltungskalender.

Tipp
Infos, Anmeldung, Touren- und Routenplanung Rad-Shop und Biketreff: 

Intersport Lackner
Unterberg 67
5611 Großarl
T: +43 6414 269
www.sport-lackner.at

Unterkommen
Das Großarltal bietet für jeden Geschmack die passende Unterkunft. Wer Ruhe und Bergverbundenheit sucht ist im Bergsteigerdorf Hüttschlag genau richtig. Wer jedoch großzügige Wellnesshotels bevorzugt dem sei der Hauptort Grossarl empfohlen, wo auch der Ausgangspunkt für die meisten Touren liegt. www.grossarltal.info

Meereshöhe
920 m (Großarl) – 1020 m (Hüttschlag)

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