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Auf den Spuren des Wassers

Wen der Weg Mitte September über den Krauthügel am Fuße des Festungsberges in der Stadt Salzburg führt, fragt sich wahrscheinlich, warum ihm bei schönstem Sonnenschein und helllichtem Tag zahlreiche Menschen in Gummistiefeln und Taschenlampen über den Weg laufen. Die Erklärung ist im uralten, unterirdischen Wasserleitungsstollen der Stadt Salzburg zu finden. Einmal im Jahr, während der sogenannten Almabkehr, der Reinigung des Bachbettes von Sand, Schotter und Unrat, kann dieses einzigartige und wahrscheinlich älteste Wasserleitungssystem Europas besichtigt werden.

Der Almkanal

Der Almkanal, der dann unterirdisch in diesem Stiftsarmstollen weiterfließt, wird bereits auf bayerischer Seite von der Königsseeache abgeleitet. Auf seinem 12 km langen Weg bis in die Innenstadt von Salzburg speist der Almkanal 6 Teiche und betreibt 14 Kraftwerke.

In einer Bauzeit von 7 Jahren wurde der unterirdische Teil bereits im 12. Jahrhundert in den Berg geschlagen. Im Lauf der Zeit mussten Stollenabschnitte aufgrund von Einbrüchen immer wieder erneuert werden. Der Wasser wurde ursprünglich zur Bewässerung der Gärten und Felder verwendet, diente als Löschwasser und betrieb zahlreiche Mühle, Sägen, Schmieden, usw. Das Wasser des Almkanals wurde außerdem für den Betrieb von Bädern, Pferdeschwemmen, Brunnen und Waschhäusern verwendet. So wird auch heute noch der Residenzbrunnen vom Wasser der Alm gespeist. Im Mittelalter lieferte das Wasser einen enorm wichtigen Beitrag als „Müllabfuhr“: Regelmäßig wurde die Stadt geflutet, die Abfälle damit auf kürzestem Weg in die Salzach gespült und somit die Stadt vor dem Ausbruch von Seuchen bewahrt.

Almkanalführung

Welch außerordentliche Leistung der Bau dieses Kanalsystems vor über 800 Jahren war, lässt sich am besten bei einer der jährlich im September angebotenen Führungen durch den Stiftsarmstollen erfassen. Der Andrang ist groß und eine Reservierung unbedingt erforderlich.

Über eine kurze Leiter geht es hinein in den Stollen. Es ist stockdunkel und ohne Taschenlampe würde man nicht 1 m weit kommen. Mit Licht wird ein einzigartiges unterirdisches Bauwerk sichtbar. 370 m lang schlängelt sich der Weg, den normalerweise das Wasser nimmt, durch den Berg. Der Boden ist gepflastert mit Marmorplatten, teilweise Grabplatten von aufgelassenen Gräbern des Friedhofes von St. Peter. Die Bauweise wechselt von Spitzbogen bis Rundbogen und einfachen Steinverkleidungen. Mit einer Breite von durchschnittlich 1,2 Metern in der Weg recht eng und bei einer Höhe von 1,50 – 2,20 m heißt es für Erwachsene großteils Kopf einziehen. Nach gut 30 Minuten kommt man am Friedhof des Klosters St. Peter wieder ans Tageslicht.

Almkanalwanderung

Der Almkanal ist aber auch unterm Jahr und oberirdisch ein lohnendes Ausflugsziel. Am Ufer entlang wandert oder radelt man vorbei an historisch interessanten Gebäuden und reizvoller Landschaft. Einen sportlichen Zwischenstopp bietet die Welle.

Fotocredit © Ulli Hammerl

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