Im ganzen SalzburgerLand üben derzeit viele Brauchtumsgruppen für ihren großen Auftritt. Nach Weihnachten haben nämlich Perchten, Tresterer, Buttenmandl und etliche andere mystische Figuren Hochsaison.
Die Wintergeister wie die Schönperchten, die das Schöne verkörpern und die Schiachperchten mit ihren hässlichen Larven, vertreiben bei ihren Auftritten die bösen Geister, die sich in Ritzen und Ecken eingenistet haben.
Im Pongau gibt es seit 1957 den großen Perchtenlauf, der abwechselnd in den Gemeinden Altenmarkt, Bad Gastein, Bischofshofen und St. Johann im Pongau stattfindet. Hier finden sich unzählig viele erstaunliche Gestalten wie Habergeiß, Bärentreiber, Hexe und Teufel und vieles mehr ein. Insgesamt sind es meist über 30 wirklich sehenswerte Gruppen – vom Märchenwagen bis zu Rößlreiter, von den Schnabel- bis zu Glocken-, Schiach- und Schönperchten, vom Baumweber, dem Lindwurm vom Tappenkar über Bärentreiber, bis zum Henker, die daran teilnehmen. Am 6. Jänner laufen zuerst die furchterregenden Schiachperchten und dann die Schönperchten mit ihrem tafelartigen Kopfputz feierlich durch die Straßen. Die Schönperchten bewegen sich dabei langsam und bedächtig, da ihre Kappen teilweise bis zu 40 kg schwer sind.

Mächtige Gottheit Frau Percht
In den Perchtenläufen des Pongaues hat das mitwinterliche Brauchtum um die „Frau Percht“ – jene mächtige Gottheit aus der germanischen Mythologie – eine ganz spezielle Ausformung gefunden. Keine Larven, sondern Kappen von enormer Höhe (bis zu vier Meter!) sind es hier, welche den Bewohnern übermenschliche Kraft und Gewalt vermitteln. Auf diese Weise hofft man, die fruchtbarkeitsbringenden Dämonen in Boden und Natur zu beschwören. Begleitet werden die Pongauer Schönperchten von der oben erwähnten illustren Gesellschaft, die eben von den zuerst laufenden Schiachperchten über Gestalten wie Wald- und Zapfenmandl bis hin zum Ölträger und zu den Hl. drei Königen reicht. Sie alle stellen den sichtbaren Ausdruck einer sich ständig wandelnden Lebensform dar.
Langjährige Tradition
Der Pongauer Perchtenlauf wurde bereits im 17. Jahrhundert erwähnt und 1867 erstmals urkundlich belegt. Insgesamt umfasst er über 400 Mitwirkende, wobei nur männliche Personen im Perchtenlauf mitwirken dürfen. „Auch die weibliche Gestalten werden von Burschen dargestellt. Ausgenommen sind nur die Mitglieder der Blasmusikkapelle“, so Hans Strobl, der Obmann der Pongauer Heimatvereine. Höhepunkt des Perchtenlaufes sind die Referenzen der Schönperchten, die zu Klängen der Holzmusik tanzen. Auf Kommando des Perchtenhauptmannes werden sie sich wieder am Ende des Laufes zum Segen der Bewohner tief verneigen. Dabei kann man besonders gut ihre einzigartigen Schmuckkappen bewundern. „Die Kappen sind teilweise mit kostbarem Familienerbschmuck bestückt. Bäuerinnen und Bürgerinnen der Orte verleihen zu diesem besonderen Anlass ihre persönlichen Schmuckstücke“, erklärt Strobl. „An Fried, an Reim und an Gsund“ sind dabei die Worte des Pongauer Perchtenhauptmannes Hermann Huber. Mag das Wissen zum Perchtenlauf inzwischen verloren gegangen sein, so weiß doch jeder: „Die Perchten bringen Glück!“

Tresterer und Schnabelperchten im Pinzgau
Im Pinzgau sind es die farbenprächtigen Tresterer und Rauriser Schnabelperchten die am Dreikönigstag etwa in Unken, Stuhlfelden oder Zell am See von Hof zu Hof, von Haus zu Haus ziehen, um den Bewohnern Glück und Segen für das neue Jahr zu wünschen. Die Tresterer tragen kostbare Gewänder mit einer goldverzierten Krone, die mit Hahnenfedern bestückt ist. Tresterer sind ebenfalls „Schönperchten“, die einen Kopfschmuck aus bunten Bändern haben, der auch das Gesicht verhüllt.
Im Mittelpunkt des einzigartigen Brauches steht ihr bezeichnender Sprungtanz, den sie in den Stuben oder wie am Foto oben auf Dorfplätzen aufführen. Über die Bedeutung des geheimnisvollen Tanzes gehen die Meinungen auseinander, einmal wird er mit dem Hereinholen und Stampfen (= Trestern) des Getreides in Verbindung gebracht, zum anderen sollen durch das Trestern Boden und Acker geweckt werden.
Das Wort „Trestern“ leitet sich jedenfalls von Dreschen des Getreides durch das Austreten der Getreideähren ab. Der feierliche und mystisch wirkende „Tresterertanz“ läutet zweifellos das neue Jahr ein. Erhofft werden so reicher Erntesegen sowie Glück, Gesundheit und die Vertreibung der bösen Geister.
Wenn die Rauriser zu Jahresbeginn die Putzwut packt, hat das nichts mit klassischen Neujahrsvorsätzen zu tun. Vielmehr bereiten sie sich auf den Besuch von ganz besonderen Gästen vor: Die Rauriser Schnabelperchten ziehen am Vorabend des Dreikönigstages von Haus zu Haus und halten Ausschau nach jedem Körnchen Dreck. Mit dem Besen, den sie stets bei sich haben, kehren die Schnabelperchten das Böse aus. Vor mehreren Jahrhunderten waren sie aber auch das, was wir heute als Gesundheitspolizei bezeichnen würden. Während der Zeit des Goldbergbaus, als viele Knappen das Tal besiedelten, hielt man es mit der Sauberkeit nicht so genau. Große Familien auf Bauernhöfen, aber auch allein hausende Knappen, bereiteten sich mit einer sauberen Behausung auf die Ankunft der Schnabelperchten vor. So wurde zumindest einmal im Jahr ordentlich geputzt – und dank der Schnabelperchten konnte wohl so mancher Krankheit vorgebeugt werden.

Glöckler
Die Glöckler sind freundliche helle „Lichterperchten“ und gehören zu den Schönperchten. Durch ihr Licht sollen sie die Finsternis und Kälte des zu Ende gegangenen Jahres besiegen. Das rhythmische Stampfen, das Läuten der Schellen und Glocken soll die bösen Dämonen vertreiben. Ebenso sollen die freundlichen guten Geister des neuen Jahres und die Samen und Keime in der gefrorenen Erde zu wiederkehrendem Leben erweckt werden. Seinen Ursprung haben die Glöckler im Salzkammergut, wo sie auch heute noch in vielen Orten Anfang des Jahres ihren Auftritt haben. In der Stadt Salzburg kann man die einzigartigen Perchten am Abend des 5. Jänner erleben, wenn sie durch die Gassen und über die Plätze der Salzburger Altstadt laufen. Halt machen sie dabei etwa am Kajetanerplatz, am Alten Markt und am Residenzplatz.
