Manuel Kramer gehört zu den schnellsten Skifahrern der Welt. Er ist vom klassischen Weltcup-Starter in den Speed-Bereich gewechselt und hat dort mit knapp über 252 km/h einen österreichischen Rekord aufgestellt. Im Gespräch erzählt er über seine Leidenschaft.
Du bist im Wintersportort Flauchau aufgewachsen – wie hat deine Skikarriere begonnen?
Ganz klassisch über den Skiclub. In unserer Region wächst man praktisch mit Skiern auf. Ich bin früh Rennen gefahren, zuerst Nachwuchsserien, später FIS-Rennen, Europacup und schließlich Weltcup.
Die schnellen Disziplinen waren schon immer deine Leidenschaft?
Genau. Dieses Gefühl, immer schneller zu werden, hat mich schon als Jugendlicher gepackt. Beim Speed-Skiing geht es aber nicht mehr um Linienwahl durch die Tore oder Technik in Kurven – es geht um maximale Geschwindigkeit.

Wie unterscheidet sich Speed-Skiing von einer klassischen Abfahrt im Weltcup?
In der Abfahrt fährst du Kurven, musst technisch sehr vielseitig sein. Beim Speed-Ski fährst du im Prinzip geradeaus. Die Ski sind extrem lang und haben kaum Taillierung – sie sind nur für eines gebaut: Tempo. Und die Belastung ist eine ganz andere. Der Lauf ist kurz, aber extrem intensiv. Die Kräfte steigen exponentiell mit der Geschwindigkeit.
Was ist dein persönlicher Geschwindigkeitsrekord?
Der liegt bei exakt 252,84 km/h und ist österreichischer Rekord in dieser Disziplin.
Was bekommt man bei so einer Geschwindigkeit überhaupt noch mit?
Ehrlich gesagt nicht viel im klassischen Sinn. Du bist komplett fokussiert. Da gibt es keinen Platz für Gedanken. Du funktionierst einfach. Alles läuft automatisiert ab. Wenn man mit dem Auto 250 km/h fährt, fühlt sich das schon schnell an – auf Skiern ist es noch einmal eine andere Dimension. Die Kräfte sind enorm. Es ist absolut grenzwertig.

Und was passiert, wenn man stürzt?
Das sollte nicht passieren. Natürlich gibt es Sicherheitszonen und Auslaufbereiche, aber bei diesen Geschwindigkeiten wirken extreme Kräfte. Genau deshalb wird Speed-Skiing wahrscheinlich auch immer eine Randsportart bleiben.
Wie bereitest du dich auf so einen Wettkampf vor? Es gibt ja kaum Trainingsmöglichkeiten.
Das ist tatsächlich schwierig. Spezifisches Training auf einer Strecke ist nur sehr begrenzt möglich. Deshalb liegt der Fokus auf körperlicher Vorbereitung: viel Krafttraining, Stabilisation, Schnellkraft. Außerdem mentale Vorbereitung – weil Kleinigkeiten entscheiden.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Ganz klar: der Weltrekord. Mir fehlen noch 2,5 km/h.
Klingt wenig – ist es das auch?
In diesem Bereich sind 2,5 km/h eine Welt. Je schneller du wirst, desto schwieriger wird jeder weitere Schritt. Aber es ist für mich machbar!
Kann man vom Speed-Skiing leben?
Es ist schwierig. Sponsoren sind rar, es ist eher Leidenschaft als Geschäft. Man macht es, weil man es liebt – nicht wegen des Geldes.
Was macht Speed-Skiing dann für dich am Ende aus?
Dieses Spiel mit dem Limit. Zu wissen, welche Kräfte bei über 250 km/h wirken – und trotzdem die Kontrolle zu behalten. Genau das ist die Faszination.