{"id":399710,"date":"2019-08-29T11:28:53","date_gmt":"2019-08-29T09:28:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/?p=399710"},"modified":"2019-12-12T08:49:09","modified_gmt":"2019-12-12T07:49:09","slug":"wo-die-geier-kreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/wo-die-geier-kreisen\/","title":{"rendered":"Wo die Geier kreisen&#8230;!"},"content":{"rendered":"<p>Das Gewitter der vergangenen Nacht hat Spuren hinterlassen. Regennass gl\u00e4nzen die Steine des Forstweges in der Morgensonne. Von den K\u00fchen steigt Dampf auf, ebenso wie von den Almwiesen, deren intensives Gr\u00fcn fast unwirklich erscheint. Ein kleines Gr\u00fcppchen aus unerschrockenen Wanderern steht am Parkplatz des Krumltals: Einige von uns in ausladenden Regencapes, andere mutig in kurzen \u00c4rmeln. Aber alle in hoffnungsfroher Erwartung, gleich die gr\u00f6\u00dften flugf\u00e4higen V\u00f6gel der Welt zu sehen: die Geier! Kein Wunder also, dass der Blick schon jetzt \u00fcber die Baumwipfel in Richtung Himmel wandert. \u201ePasst trotzdem auf, wo ihr eure F\u00fc\u00dfe hinsetzt\u201c, lacht Nationalpark-Rangerin Mariella Voglreiter. \u201eIch sag euch schon Bescheid, wenn der erste Geier auftaucht.\u201c Und w\u00e4hrend sie ihren Rucksack samt Spektiv und Fernrohr schultert, sch\u00fcrt sie weiter unsere Vorfreude: \u201eWir haben heute ideales Wetter, um Geier zu beobachten. Schon bald wird die Sonne rauskommen: Die gro\u00dfen Tiere sind auf die Thermik angewiesen, fliegen immer nah an den Felsw\u00e4nden. Es wird nicht lang dauern, bis wir die ersten sehen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_399938\" style=\"width: 892px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-399938\" class=\" wp-image-399938\" src=\"https:\/\/cdn.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/img_1113--alpine-management-art-media-gmbh-1170x658.jpeg\" alt=\"\" width=\"882\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/img_1113--alpine-management-art-media-gmbh-1170x658.jpeg 1170w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/img_1113--alpine-management-art-media-gmbh-1200x675.jpeg 1200w\" sizes=\"(max-width: 882px) 100vw, 882px\"><p id=\"caption-attachment-399938\" class=\"wp-caption-text\">Auf den Spuren der Geier \u00a9 Alpine Management Art Media GmbH<\/p><\/div>\n<p>Und w\u00e4hrend unten der Krumlbach rauscht und oben in den feuchten Felsw\u00e4nden noch die letzten Nebelschwaden h\u00e4ngen, machen wir uns auf zu dieser Vogelexpedition der besonderen Art: Gut zwei Stunden wird die Wanderung durchs Krumltal bis zur Br\u00e4ualm dauern. Zehn Tiere \u2013 so wurde uns versprochen \u2013 w\u00fcrden wir bestimmt sehen. An guten Tagen k\u00f6nnen es sogar bis zu f\u00fcnfzig Tiere sein. Die hochaufragenden Felsw\u00e4nde entsprechen so sehr dem idealtypischen Lebensraum der Bartgeier, dass man sich schon in den 1980er Jahren entschlossen hat, die ausgerottete Vogelart wieder anzusiedeln. \u201eDie Bartgeier waren urspr\u00fcnglich in den Alpen beheimatet. 1906 wurde das letzte Exemplar in \u00d6sterreich geschossen. Geier wurden nie sonderlich gesch\u00e4tzt. Aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe, vielleicht auch wegen ihres Aussehens und aufgrund der Tatsache, dass sie Aasfresser sind, haben sich viele Schauerm\u00e4rchen um sie gerankt\u201c, erz\u00e4hlt uns Mariella Voglreiter im Gehen. \u201eSo sagte man ihnen unter anderem nach, sie w\u00fcrden L\u00e4mmer und G\u00e4msen holen und sogar Kinder fressen.\u201c<\/p>\n<p>Die Kinder in der Gruppe machen gro\u00dfe Augen: Nein, nat\u00fcrlich ist nichts davon der Fall! \u201eDie Geier sind sogar die Hygienepolizei in den Alpen\u201c, erz\u00e4hlt Mariella weiter. \u201eSie sorgen daf\u00fcr, dass tote Tiere, die abgest\u00fcrzt und verendet sind, rechtzeitig entsorgt werden. Daf\u00fcr drehen die Geier Erkundungsfl\u00fcge und sobald sie ein totes Tier entdeckt haben, holen sie ihre ganze Sippe zum gro\u00dfen Mahl. Geier sind sehr soziale Tiere: Sie teilen immer! Und auch die Aufteilung zwischen G\u00e4nsegeiern und Bartgeiern ist ideal: W\u00e4hrend die G\u00e4nsegeier das Fleisch verzehren, fressen die Bartgeier vorwiegend Knochen, Sehnen und Muskeln. So haben sie auch ihren Beinamen \u201aKnochenbrecher\u2018 erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Nun werden auch die Augen der Erwachsenen gr\u00f6\u00dfer: Aufgrund der spannenden Geschichten, die sie von Mariella erz\u00e4hlt bekommen, aber auch weil diese schon nach einer halben Stunde stehen bleibt und die Fernrohre auspackt. \u201eSo, da sind sie ja!\u201c, und deutet hinauf in die H\u00f6he. Und richtig: Da kreisen sie! M\u00e4chtige Geier mit zweif\u00e4rbigen Fl\u00fcgeln und einer Spannweite mit bis zu drei Metern. \u201eDas hier sind aber keine Bartgeier, sondern G\u00e4nsegeier\u201c, erkl\u00e4rt Mariella Voglreiter. \u201eDie sind hier nur auf Sommerfrische und kehren im Herbst nach Kroatien zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_399937\" style=\"width: 1180px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-399937\" class=\"size-1170_658 wp-image-399937\" src=\"https:\/\/cdn.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/img_1110--alpine-management-art-media-gmbh-1170x658.jpeg\" alt=\"\" width=\"1170\" height=\"658\" srcset=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/img_1110--alpine-management-art-media-gmbh-1170x658.jpeg 1170w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/img_1110--alpine-management-art-media-gmbh-1200x675.jpeg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1170px) 100vw, 1170px\"><p id=\"caption-attachment-399937\" class=\"wp-caption-text\">Nationalpark-Rangerin Mariella Voglreiter \u00a9 Alpine Management Art Media GmbH<\/p><\/div>\n<p>Imposant gleiten die V\u00f6gel durch die Luft: Zwei, drei und noch einer! Pl\u00f6tzlich versteht man ein wenig, warum die Menschen vor \u00fcber hundert Jahren noch Angst vor den Tieren hatten: Sie wirken riesig, auch aus der Entfernung. Der gro\u00dfe Schnabel leuchtet in der Sonne und die K\u00f6rper der V\u00f6gel werfen dunkle Schatten an die Felsw\u00e4nde. \u201eDie bezeichnet man auch als Schlafw\u00e4nde\u201c, erkl\u00e4rt Mariella Voglreiter. \u201eW\u00e4hrend die Bartgeier gro\u00dfe Horste bauen, ziehen es die G\u00e4nsegeier vor, sich einfach mit dem Gesicht zur Felswand zu stellen und zu schlafen.\u201c Wie praktisch!<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend jeder nach und nach einen Blick durchs Fernrohr wirft und Fotos gemacht werden, schweift der Blick weiter. Hat man zu Beginn gar nichts gesehen, scheint das Auge sich schon bald an die Umgebung zu gew\u00f6hnen. Und so dauert es nicht lange, bis die n\u00e4chsten Tiere ins Blickfeld geflogen kommen: Die ersten Bartgeier! W\u00e4hrend die Murmeltiere l\u00e4ngst in ihre unterirdischen Behausungen verschwunden sind \u2013 es k\u00f6nnte unter den Geiern ja tats\u00e4chlich auch einmal ein Adler sein \u2013 kommen wir nur noch langsam vorw\u00e4rts. Zu gro\u00df sind das Erstaunen und die Neugierde, immer wieder einen Blick durch die Spektive zu werfen.<\/p>\n<p>Am Ende kommen wir dann doch noch bei der Br\u00e4ualm an: Begl\u00fcckt und immer noch wie \u201eHans guck\u2018 in die Luft\u201c. \u201eGria\u00df euch! Und, habt\u2019s die Geier g\u2019sehn?\u201c, werden wir von der Sennerin begr\u00fc\u00dft. Sie kann die Faszination um die Tiere verstehen und verspricht uns: \u201eSetzt\u2019s euch einfach her und esst\u2019s einmal was. Heute sind viele Geier unterwegs: Die werden euch gleich von oben auf die Bretteljausen schauen und euch sp\u00e4ter auch wieder aus dem Tal nach Hause begleiten.\u201c Und sie sollte Recht behalten.<\/p>\n<h2><strong>Mit dem Nationalpark-Ranger ins \u201eTal der Geier\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Wer Bart- und G\u00e4nsegeier in freier Wildbahn und in ihrem eigenen Lebensraum beobachten will, hat den ganzen Sommer M\u00f6glichkeit, sich Exkursionen im Rahmen des \u201eRanger-Sommerprogramms\u201c anzuschlie\u00dfen. Von 10. Juli bis 4. September 2019 werden jeden Mittwoch fachkundige Ranger-F\u00fchrungen ins Krumltal angeboten. Ab 20. Mai ist zus\u00e4tzlich die Erlebnisausstellung \u201eK\u00f6nige der L\u00fcfte\u201c in Rauris-W\u00f6rth wieder ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann das Krumltal auch individuell erwandert werden. Der Schutz der Bartgeierfamilie hat jedoch vor allem im Fr\u00fchsommer oberste Priorit\u00e4t. Die Wege in der Umgebung des Horstes d\u00fcrfen nicht verlassen werden, Filmen und Fotografieren im Nestbereich ist ebenso verboten. Wanderer werden dringend ersucht, Beobachtungstouren auf \u201eeigene Faust\u201c zu unterlassen.<\/p>\n<p>Das Sommerprogramm und weitere Infos zum Nationalpark Hohe Tauern: <a href=\"http:\/\/www.nationalpark.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.nationalpark.at<\/a><\/p>\n<h2><strong>Bereit zum Abflug: Die Bartgeier und ihre Reise durch die Alpen<\/strong><\/h2>\n<p>Ausgewilderte bzw. im Nationalpark Hohe Tauern geschl\u00fcpfte Bartgeier sind mit GPS-Sendern ausgestattet, sodass man ihre Flugrouten und \u2013aktivit\u00e4ten online mitverfolgen kann. Sehr spannend! <a href=\"https:\/\/hohetauern.at\/de\/forschung\/greifvogelmonitoring\/bartgeier-online.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/hohetauern.at\/de\/forschung\/greifvogelmonitoring\/bartgeier-online.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gewitter der vergangenen Nacht hat Spuren hinterlassen. Regennass gl\u00e4nzen die Steine des Forstweges in der Morgensonne. Von den K\u00fchen steigt Dampf auf, ebenso wie von den Almwiesen, deren intensives Gr\u00fcn fast unwirklich erscheint. 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