{"id":156878,"date":"2017-06-14T12:02:43","date_gmt":"2017-06-14T10:02:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/?p=156878"},"modified":"2021-01-19T11:08:56","modified_gmt":"2021-01-19T10:08:56","slug":"die-sanfte-medizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/die-sanfte-medizin\/","title":{"rendered":"Die sanfte Medizin"},"content":{"rendered":"<p>Gerne f\u00fchrt Flora L\u00f6cker interessierte G\u00e4ste durch den wundersch\u00f6nen Garten des L\u00f6ckerwirts: Eine Rosskastanie breitet ihre \u00c4ste mit den dichten, gr\u00fcnen Bl\u00e4ttern \u00fcber den Tischen aus und spendet im Sommer wohltuenden Schatten. Doch nicht nur das: Flora L\u00f6cker ist ausgebildete TEH-Praktikerin (Traditionelle Europ\u00e4ische Heilkunde) und hat ihre Diplomarbeit \u00fcber die Heilwirkung der Rosskastanie verfasst. \u201eVon den Knospen \u00fcber die Bl\u00e4tter und Bl\u00fcten bis hin zu den Fr\u00fcchten und der Rinde kann von dem Baum alles verwendet werden\u201c, erkl\u00e4rt die L\u00f6ckerwirtin fachkundig. \u201e\u00c4hnlich ist es bei der Balsampappel, auf die ich wirklich erst zuf\u00e4llig gesto\u00dfen bin. Eines Tages bin ich im Fr\u00fchsommer durch den Garten spaziert und hatte pl\u00f6tzlich diesen einzigartigen, s\u00fc\u00dfen, balsamischen Duft in der Nase, der mich schlagartig an meine Kindheit erinnerte. Da wusste ich: Irgendwo muss eine Balsampappel stehen und genauso war es.\u201c<\/p>\n<h2>Baumrarit\u00e4t \u201eLungauer Balsampappel\u201c f\u00fcr die \u201egute Haussalbe\u201c<\/h2>\n<p>Die Lungauer Balsampappel (Populus trichocarpa \u201aLungau\u2018) ist ein besonderer und seltener Baum: Er kommt in den heimischen W\u00e4ldern so gut wie nicht vor, im Salzburger Lungau gilt er hingegen als \u201eHausbaum\u201c und w\u00e4chst auf Bauernh\u00f6fen und Weilern. \u201eAus den Knospen wird \u00d6l hergestellt und daraus wiederum die \u201agute Haussalbe\u2018, wie die alten Lungauer sagen\u201c, erz\u00e4hlt Flora L\u00f6cker. \u201eDie Heilwirkung der Balsampappel wurde ebenso wie die der Rosskastanie von der deutschen \u201aKommission E\u2018 best\u00e4tigt und findet in der Schulmedizin und in der Hom\u00f6opathie Verwendung.\u201c Woher die Lungauer Balsampappel jedoch stammt, darin scheiden sich sogar die Geister kr\u00e4uterkundiger Frauen: Flora L\u00f6cker geht von einem Ursprung in Nordamerika aus, Rosalie H\u00f6tzer vom Trimmingerhof und Autorin des Buches \u201ePflanzenreich\u201c glaubt eher, dass die Balsampappel mit den T\u00fcrkenkriegen aus Kleinasien in den Lungau kam. Woher auch immer, eines ist sicher: Die vielf\u00e4ltige Wirkung der Balsampappel ist schon lange bekannt.<\/p>\n<div id=\"attachment_156882\" style=\"width: 1180px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-156882\" class=\"size-1170_658 wp-image-156882\" src=\"https:\/\/cdn.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/frische-triebe-1170x658.jpg\" alt=\"\" width=\"1170\" height=\"658\"><p id=\"caption-attachment-156882\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Michael Gr\u00f6ssinger<\/p><\/div>\n<h2>Ein Hausbaum f\u00fcr Hausapotheke und die feine K\u00fcche<\/h2>\n<p>Flora L\u00f6cker pfl\u00fcckt im Fr\u00fchling die harzreichen und klebrigen Knospen der Pappel und legt sie f\u00fcr vier bis sechs Wochen in kaltgepresstem Oliven\u00f6l ein. Dieses \u00d6l filtriert sie anschlie\u00dfend und verarbeitet es zur Salbe. Von den Knospen kann man auch eine Tinktur herstellen und in die Salbe einarbeiten. \u201eDie Balsampappel ist fiebersenkend, harntreibend, abschwellend, hautpflegend und entz\u00fcndungshemmend. Ich verwende sie bei Wunden und Narben genauso wie bei Fieberblasen und blauen Flecken, Verbrennungen, aber auch bei Knochenbr\u00fcchen, Rheuma oder Gicht\u201c, erl\u00e4utert Flora L\u00f6cker, die als Wirtin aber auch die kulinarischen Vorz\u00fcge der Balsampappel kennt.<\/p>\n<h3><strong>So k\u00f6stlich schmecken die Bl\u00e4tter der B\u00e4ume \u2013 kleine Anleitung<\/strong><\/h3>\n<p>Bevor sie die gro\u00dfen, samtigen Bl\u00e4tter jedoch f\u00fcr ihre G\u00e4ste weiterverarbeitet, l\u00e4sst sie uns riechen: Ein Hauch von Weihnachten oder Zimt umspielt die Nase \u2013 ein eigenartiger, fast heiliger Geruch, den man immer und immer wieder schnuppern m\u00f6chte. Doch Flora L\u00f6cker hat heute besseres damit vor: Gemeinsam mit Esel Jonas haben wir auf einer kleinen, anregenden Kr\u00e4uterwanderung durch St. Margarethen wildes und kultiviertes Gr\u00fcn gesucht und gefunden. Zu unseren Sch\u00e4tzen geh\u00f6ren G\u00e4nsebl\u00fcmchen, Lungenkraut, Schnittlauch, Petersilie, Gundelrebe, Oregano, Schafgarbe und L\u00f6wenzahnbl\u00e4tter. Esel Jonas hat bereits seine Portion bekommen, bevor nun die restlichen Kr\u00e4uter gehackt werden. Vorsichtig streicht Flora L\u00f6cker die gro\u00dfen Bl\u00e4tter der Balsampappel glatt, belegt sie mit feinstem Lungauer Schinken und streicht eine Schicht cremigen Topfen (Quark) drauf, den sie zuvor mit den Kr\u00e4uter vermischt hat. Geschickt rollt sie das Blatt ein und schneidet es in feine Scheibchen. Schon beim ersten Bissen wird klar: Kr\u00e4uter und B\u00e4ume erg\u00e4nzen sich perfekt. Wer nun ein erstauntes Gesicht macht, den kl\u00e4rt Flora L\u00f6cker gerne auf: \u201eViele wissen nicht, dass man die Bl\u00e4tter von B\u00e4umen essen kann. Am besten schmecken sie ganz jung und frisch im Fr\u00fchling. Aber es lohnt sich in jedem Fall, ein Birken-, Linden- oder Kastanienblatt genussvoll zu kauen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_156883\" style=\"width: 1180px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-156883\" class=\"size-1170_658 wp-image-156883\" src=\"https:\/\/cdn.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/wald-2-1170x658.jpg\" alt=\"\" width=\"1170\" height=\"658\"><p id=\"caption-attachment-156883\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Michael Gr\u00f6ssinger \u2013 TEH Praktikerin Flora L\u00f6cker<\/p><\/div>\n<h2>Die regenerierende Wirkung der Zirbe<\/h2>\n<p>Doch es sind nicht nur Laubb\u00e4ume, sondern auch Nadelb\u00e4ume, die f\u00fcr ihre heilsame Wirkung auf K\u00f6rper, Geist und Seele bekannt sind. Unweit von St. Margarethen, am Fu\u00dfe des Ainecks, beginnt der gr\u00f6\u00dfte, zusammenh\u00e4ngende Zirbenwald Europas: Er zieht sich vom Salzburger Lungau \u00fcber hundert Kilometer bis nach Judenburg im Osten und an den Millst\u00e4tter See im S\u00fcdwesten. Im ALMGUT \u2013 das Vital- und Relaxhotel in St. Margarethen hat man sich ganz den Vorz\u00fcgen dieses alpinen Naturheilmittels verschrieben: L\u00e4ngst ist wissenschaftlich erwiesen, dass Zirbenholz, aber auch andere Nadelh\u00f6lzer das Herz langsamer schlagen lassen und sich regenerierend auf den K\u00f6rper auswirken. Die Zirbe (Zirbelkiefer, Arve) ist ein typisch alpiner Baum: Sie w\u00e4chst erst ab einer Seeh\u00f6he von etwa 1.300 Metern und ist im Lungau weit verbreitet. Im Hotel ALMGUT genie\u00dfen G\u00e4ste Massagen mit Zirbenstempel, im Rahmen der Aromatherapie, in der Zirbensauna oder bei einem Zirben-Honig-Bad.<\/p>\n<h2>Gl\u00fcck hat, wer das Pech der Nadelb\u00e4ume sammelt<\/h2>\n<p>Ein uraltes Lungauer Hausmittel ist die Pechsalbe, die aus dem Harz von Nadelb\u00e4umen hergestellt wird. Fichten, L\u00e4rchen, Kiefern, F\u00f6hren und Tannen bilden das Harz (Pech) bei kleineren Wunden, wie sie bei Holzernten oder durch Spechtl\u00f6cher entstehen. Die golden schimmernden Perlen werden mithilfe eines Messers vorsichtig und oberfl\u00e4chlich von der Rinde geschabt, sodass keine neuen Verletzungen am Baum entstehen. \u201ePech darf in kleinen Mengen und f\u00fcr den Eigenbedarf gesammelt werden, bei gr\u00f6\u00dferen Mengen am besten mit dem Einverst\u00e4ndnis des Waldbesitzers\u201c, erl\u00e4utert Flora L\u00f6cker. In Norwegen wurde die Pechsalbe sogar schon klinisch getestet \u2013 mit besten Ergebnissen. Das Pech ist ein Allheilmittel. Es wirkt keimt\u00f6tend, ist antibakteriell, entz\u00fcndungshemmend und zusammenziehend, wodurch sich auch die gute Wirkung des Wunderverschlusses, \u00e4hnlich wie beim Baum, erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Die Salbe kann f\u00fcr tiefer liegende Beschwerden wie Rheuma, Gicht oder Husten eingesetzt werden. Das Pech wirkt wie eine Zugsalbe, kann aber auch auf Fieberblasen aufgetragen werden. Fr\u00fcher kauten die Holzf\u00e4ller das Pech und hatten damit immer strahlend wei\u00dfe Z\u00e4hne.<\/p>\n<p><strong>Rezept zur Herstellung von Pechsalbe<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zutaten:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>80 g Oliven- oder Sonnenblumen\u00f6l<\/li>\n<li>30 g Harz (Pech)<\/li>\n<li>20 g Bienenwachs<\/li>\n<li>\u00a0eventuell eine Hand voll Wild- oder Heilkr\u00e4uter<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Zubereitung<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Pech und \u00d6l im Topf vermischen und langsam auf dem Herd erw\u00e4rmen. Falls das Pech viele Rindenteilchen aufweist, die Harzmenge etwas erh\u00f6hen.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend des Schmelzvorgangs k\u00f6nnen die Kr\u00e4uter mit einger\u00fchrt werden, diese eine Viertelstunde ziehen lassen.<\/li>\n<li>Ist das Pech vollst\u00e4ndig geschmolzen, Kr\u00e4uter und Rindenr\u00fcckst\u00e4nde abseihen.<\/li>\n<li>In das klare \u00d6l-Pech-Gemisch Bienenwachs einr\u00fchren und schmelzen lassen. Das Wachs macht die Salbe sch\u00f6n geschmeidig.<\/li>\n<li>Die noch fl\u00fcssige Salbe hei\u00df in Gl\u00e4ser abf\u00fcllen und gut ausk\u00fchlen lassen. Dann erst verschlie\u00dfen.<\/li>\n<\/ul>\n<div id=\"attachment_156885\" style=\"width: 1180px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-156885\" class=\"size-1170_658 wp-image-156885\" src=\"https:\/\/cdn.salzburgerland.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/wald-4-1170x658.jpg\" alt=\"\" width=\"1170\" height=\"658\"><p id=\"caption-attachment-156885\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Michael Gr\u00f6ssinger \u2013 Flora L\u00f6cker beim Abf\u00fcllen ihrer Naturmedizin<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerne f\u00fchrt Flora L\u00f6cker interessierte G\u00e4ste durch den wundersch\u00f6nen Garten des L\u00f6ckerwirts: Eine Rosskastanie breitet ihre \u00c4ste mit den dichten, gr\u00fcnen Bl\u00e4ttern \u00fcber den Tischen aus und spendet im Sommer wohltuenden Schatten. 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