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Zwei Kästen Evian

3 Tage vorher

Der große Moment. Ich packe all die Sachen, die ich über Wochen hinweg in einer Ecke gehortet habe, in meinen Rucksack. Das Positive: Sie passen wider Erwarten alle rein. Das Negative: Ich kippe beinahe nach hinten um, als ich den Rucksack erstmals auf meinen Rücken wuchte. 18,5 Kilogramm plus zu meinem Körpergewicht von 76 Kilo zeigt die Waage im Bad, als ich mich mit Rucksack darauf stelle. Und das, obwohl die Trinkflaschen mit dem Volumen von 0,5 und 1,5 Litern noch nicht gefüllt sind. Es kommen also nochmals 2 Kilo dazu. „Das ist doch Wahnsinn, das schaffst du nie“ sagt meine Frau, mit dem ihr eigenen Unverständnis von männlichem Masochismus im Sportbereich.

20,5 Kilo. Das sind mehr als zwei Evian-Kästen auf meinen Schultern. Zwei Evian-Kästen, die ich ständig mit mir rumschleppe. Ich denke daran, dass ich manchmal schon damit zu kämpfen habe, zwei Evian-Kästen in unsere Wohnung im dritten Stock zu tragen. Andererseits packen sich Sherpas locker mal 35 Kilo auf den Rücken. Und bei der Bundeswehr gab es früher auch Gewaltmärsche mit 30-Kilo-Gepäck. Gut, das war vor 30 Jahren. Ich wüsste aber nicht, auf was ich noch verzichten könnte. Nur vier statt der sowieso knapp kalkulierten sieben Unterhosen? Das ist wohl gewichtsmäßig auch nicht die Megaerleichterung. Ich fürchte: Da muss ich durch! Das ist mein Bündel, das ich die nächsten zwei Wochen zu tragen habe. Weniger geht nicht! Bei der Schuhwahl habe ich mich dafür entschieden, Bergstiefel und Joggingschuhe mitzunehmen. Die Bergstiefel sind unverzichtbar für die schwierigeren Passagen der Tour.

Gerade, wenn man müde ist, knickt man dort sonst leicht mal um. Meine Laufschuhe nehme ich mit, weil ich sie bereits seit einem Jahr trage. Sie sind also inzwischen Teil meines Fußes „einzutragen“. Da verlasse ich mich auf das Altbewährte. Auch, wenn die Laufschuhe keine berggerechte Sohle haben. Die Bequemlichkeit geht vor. Und ich kann die Joggingschuhe auch mal am Abend in der Hütte tragen. Aber zumindest bin ich nicht unvorbereitet. Ich komme gerade von einer Art Trainingslager in Südtirol, wo ich meine Eltern besucht habe. Sie machen traditionell im frühen Sommer, wenn die Bergwiesen noch nicht gemäht sind, eine Woche lang Urlaub in Wolkenstein. Und mein Vater lässt es sich auch mit seinen 79 Jahren nicht nehmen, noch 4-Stunden-Touren zu machen. Dort bin ich einmal 8 Stunden gestiegen, ein anderes Mal sogar 10. Allerdings mit leichterem Rucksack.

Die Generalprobe ist also gelungen. Nur die Reaktion meines Vaters ist etwas verwunderlich. Von ihm hätte ich doch etwas mehr Euphorie erwartet. Er, der in seiner Jugend keinen noch so gefährlichen Berg ausließ und wie Louis Trenker in Kniebundhosen, mit dickem Wollpulli und Hanfseil unterwegs war, meint zu meiner geplanten Expedition in den Salzburger Bergen nur: „Was soll das denn für einen Sinn haben, so durch die Berge zu rasen?“ Der Sinn? Ich denke, der erschließt sich von selbst, wenn ich erst mal unterwegs bin.

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