{"id":92052,"date":"2014-11-05T08:00:58","date_gmt":"2014-11-05T07:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/magazin.salzburgerland.com\/?p=92052"},"modified":"2023-06-28T11:08:58","modified_gmt":"2023-06-28T09:08:58","slug":"lotte-ranft-praegte-das-salzburger-stadtbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/lotte-ranft-praegte-das-salzburger-stadtbild\/","title":{"rendered":"Lotte Ranft: Pr\u00e4gte das Salzburger Stadtbild"},"content":{"rendered":"<p>Jeden Tag laufen viele viele Menschen am Makartsteg im Zentrum Salzburgs vorbei. Zu Festspielzeiten sind es wohl mehrere tausend. Was sie alle dort sehen: Einen Radfahrer. Nicht aus Fleisch und Blut, sondern in Bronze gegossen, gr\u00f6\u00dfer als ein Mensch, extrem schlaksig und in sich ruhend. Gedankenverloren betrachtet diese Person den Himmel, den Mund leicht ge\u00f6ffnet und lehnt sich vertr\u00e4umt mit seinen langen d\u00fcnnen Armen an sein Fahrrad.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig sieht man, wie Touristen sie fotografieren, jene mit Fahrrad die Pose sogar nachstellen. Doch nun kommt die gro\u00dfe Frage: Woher stammt die Figur, wer hat sie kreiert? Das war Lotte Ranft. 1938 als das Kind von Tiroler Eltern in Berlin geboren, lebt die K\u00fcnstlerin seit \u00fcber f\u00fcnfzigJahren in Salzburg. Zu ihren Werken z\u00e4hlt nicht nur der ber\u00fchmte &#8222;Radfahrer&#8220;, der dort bereits seit dem Jahre 1992 steht, sondern auch viele andere Plastiken, die \u00fcberall im \u00f6ffentlichen Raum verteilt sind.<\/p>\n<p><strong>Vom menschlichen K\u00f6rper inspiriert<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Wenn ich eine Plastik forme, versinke ich ganz in meiner Arbeit. Nat\u00fcrlich entwerfe ich vorher die Pl\u00e4ne, wie die Figur am Ende ausschauen sollte. Aber letztlich ist es ein Zusammenspiel aus dem Formen und Begreifen mit meinen H\u00e4nden und meinem Atmen. Die Figuren spiegeln quasi den nat\u00fcrlichen Lebensrhythmus wieder.&#8220; Fast immer stellen die Figuren den Menschen dar. &#8222;Der menschliche K\u00f6rper inspiriert mich einfach, ich setze mich mit ihm in meiner Kunst auseinander \u2013 oftmals in un\u00fcblichen Positionen, sehr volumin\u00f6s oder auch sehr d\u00fcnn.&#8220;<\/p>\n<figure id=\"attachment_92216\" aria-describedby=\"caption-attachment-92216\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/ranft21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-singlePost wp-image-92216\" alt=\"ranft2\" src=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/ranft21-650x435.jpg\" width=\"650\" height=\"435\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-92216\" class=\"wp-caption-text\">Die Fahrradfahrerstatue ist eines der bekanntesten Werke Ranfts<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Kunst nahm schon fr\u00fch eine wichtige Rolle im Leben Lotte Ranfts ein. Als Kind sah sie bewundernd zu ihrem Gro\u00dfvater auf, dem Autor und Maler Karl Berger , der zwar schon verstorben war, seine vielen Bilder der Familie jedoch hinterlassen hatte. &#8222;Ich habe mir damals gedacht: Sei nicht traurig, Gro\u00dfvater, ich f\u00fchre dein Werk weiter. Dabei habe ich damals noch gar nicht gemalt \u2013 ich dachte mir einfach, ich schaffe das schon!&#8220; Gesagt getan nahm ihre Mutter sie schon als junges M\u00e4dchen mit zum Zeichenkurs. Und tats\u00e4chlich: Die damals 14-J\u00e4hrige bewies Talent.<\/p>\n<p><strong>Von der Konstrukteurin zur Bildhauerin<\/strong><\/p>\n<p>Schon in ihren ersten Lebensjahren war die Familie wieder zur\u00fcck in die Heimat nach Innsbruck gezogen. Die junge Ranft-Berger lernte die Kunst mit den Jahren immer mehr kennen und lieben. &#8222;Ich habe Naturmaterialien verwendet, um mir selbst Puppen zu basteln, habe viel gemalt und alles geformt, was ich finden konnte.&#8220; Nach der Matura entschied sich die damals 17-J\u00e4hrige dennoch f\u00fcr einen technischen Beruf und begann das Studium f\u00fcr Maschinenbau an der TU Wien \u2013 als einziges M\u00e4dchen unter 500 Burschen.<\/p>\n<p>&#8222;Die technische Ausbildung hat mir f\u00fcr mein Schaffen als K\u00fcnstlerin enorme Auswirkungen . Ich habe damals alles \u00fcber Konstruktion, Mechanik und Materialien gelernt, was ich f\u00fcr meine Figuren wissen musste.&#8220; Nach einer wilden Zeit, in der sie viel nach Italien und Frankreich reiste und als technische Zeichnerin quasi ihre &#8222;Wander- und Lehrjahre&#8220; verbrachte (&#8222;Eine tolle Zeit damals. Ich erinnere mich so gerne an die Ballonr\u00f6cke, die damals gerade modern waren.&#8220;) , heiratete Ranft jung, bekam eine Tochter.<\/p>\n<p>Dann der Schicksalsschlag: Ihr Ehemann verstarb pl\u00f6tzlich. Die einstige Arztgattin im Kurhaus in Bad Gastein, musste sie sich auf einmal Gedanken machen, wie Sie sich und ihr Kind alleine ern\u00e4hren sollte.&nbsp;&#8222;Ich wollte viel Zeit mit meiner Tochter verbringen aber ich musste nat\u00fcrlich auch Geld verdienen.&#8220; Die L\u00f6sung: Sie wurde Lehrerin, sp\u00e4ter Lehrbeauftragte am Mozarteum. &#8222;Tags\u00fcber unterrichtete ich im Kunst- und Werkenunterricht, nachts lernte ich f\u00fcr die Pr\u00fcfungen, die ich f\u00fcr das Lehramt nachzumachen versprochen hatte. Aber bei all dem konnte ich meiner Tochter immer nahe sein.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Es regnet Preise<\/strong><\/p>\n<p>Freischaffende K\u00fcnstlerin \u2013 diese Bezeichnung hat f\u00fcr Lotte Ranft einen besonders hohen Stellenwert. &#8222;Es birgt das Gef\u00fchl von Freiheit in sich. Ich kann gestalten, was ich m\u00f6chte.&#8220; Und die K\u00fcnstlerin hat Erfolg damit. Ihre Gro\u00dfplastiken stehen im Salzburg Museum, im Landeskrankenhaus, in der Universit\u00e4t, am Flughafen und vielen weiteren Pl\u00e4tzen. Auszeichnungen wurden ihr in H\u00fclle und F\u00fclle verliehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_92218\" aria-describedby=\"caption-attachment-92218\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/ranft1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-singlePost wp-image-92218\" alt=\"DCF 1.0\" src=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/ranft1-650x435.jpg\" width=\"650\" height=\"435\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-92218\" class=\"wp-caption-text\">Lotte Ranft mit einem ihrer Werke.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Salzburger Kunstverein zeichnete sie 1972 f\u00fcr ihre beeindruckenden Gro\u00dfplastiken mit einem Ehrenpreis aus, auch f\u00fcr ihre Leistungen an der Internationalen Sommerakademie Salzburg 1969 und f\u00fcr ihre Aquarelle, die sie 1984 beim \u00d6sterreichischen Grafikwettbewerb einreichte, wurde die K\u00fcnstlerin mit Preisen geehrt. Ja, Aquarell: Ranfts gro\u00dfe Liebe geh\u00f6rt zwar den Skulpturen \u2013 doch auch die Malerei geh\u00f6rt zu ihrem Repertoire. Besonders in den 80ern verbrachte die K\u00fcnstlerin viele Jahre, in denen sie sich rein auf die Aquarell-Malerei konzentrierte.<\/p>\n<p>Das Bundesministerium w\u00fcrdigte die Arbeiten der K\u00fcnstlerin nicht nur einmal: So wurde ihr nach Ehrungen und Preisen f\u00fcr ihre &#8222;Besondere k\u00fcnstlerische Leistung&#8220; und f\u00fcr ihre Plastiken schlie\u00dflich der Titel des Professors zu Teil, verliehen durch den Bundespr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p><strong>Ranfts Reise durch die ganze Welt<\/strong><\/p>\n<p>Bevor Ranft selbst unterrichtete und dozierte, hatte sie als Studentin freilich einiges an akademischer Erfahrung gesammelt. Sie besuchte&nbsp;die Universit\u00e4t Innsbruck und die TU Wien, absolvierte ein Akt-Studium an der Wiener Akademie der bildenden K\u00fcnste und eine Ausbildung an der Internationalen Sommerakademie \u2013 bis Sie ans Salzburger Mozarteum kam, an dem sie nach dem Diplom f\u00fcr B\u00fchnenbild auch als Lehrbeauftragte t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Mit ihren Werken f\u00fcllte die K\u00fcnstlerin nicht nur die Museen und Ausstellungshallen in Innsbruck, Salzburg und Wien, sondern auch in der Rich-Perlow-Gallery am Broadway in New York, in Florida, in der T\u00fcrkei, in Rom, Triest und Bozen sowie in M\u00fcnchen und Wiesbaden. Mit ihrem Stil, der sich irgendwo zwischen Klassik und Moderne einordnen l\u00e4sst und zumeist sehr abstrakte Formen und Figuren zum Ausdruck bringt, feierte Ranft \u00fcberall Erfolge.<\/p>\n<p>&#8222;Die einen sagen, es sieht aus wie Picasso, die anderen vergleichen mich mit Matisse oder anderen: Doch es ist einfach nur mein Stil, meine Sprache. Ich arbeite aus meinem K\u00f6rpergef\u00fchl heraus, verarbeite das, was ich gesehen und erlebt habe, schaffe Neues und Eigenes.&#8220; Ein Problem qu\u00e4lt die K\u00fcnstlerin: Die Kosten einer Skulptur. &#8222;Ich w\u00fcrde gerne so viel mehr schaffen, aber das kann ich mir nicht leisten. Das Bronzematerial kostet ein Verm\u00f6gen. Fr\u00fcher wurden die Pl\u00e4tze in der Stadt bei Ausschreibungen vergeben und so hatte jeder eine Chance \u2013 nun wird oftmals einfach bestimmt. Dann d\u00fcrfen meist nur K\u00fcnstler von &#8218;au\u00dferhalb&#8216; in unserer Stadt ausstellen.&#8220;<\/p>\n<p>Ranft m\u00f6chte wieder bildhauen, formen, ihre Berufung ausleben. Damit wieder ein ganz neue Skulptur, ein neuer fast lebendig wirkender K\u00f6rper entstehen kann \u2013 mit den H\u00e4nden und mit dem Atem.<\/p>\n<p>Besuchen k\u00f6nnen Sie die K\u00fcnstlerin zu unregelm\u00e4\u00dfigen Zeiten in ihrem Atelier, das sie mit drei anderen Bildhauerinnen und Malerinnen teilt:<\/p>\n<p><em>Atelier Galerie Nonntal Lotte Ranft<\/em><br \/>\n<em>Nonntaler Hauptstra\u00dfe 23<\/em><br \/>\n<em>A \u2013 5020 Salzburg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeden Tag laufen viele viele Menschen am Makartsteg im Zentrum Salzburgs vorbei. Zu Festspielzeiten sind es wohl mehrere tausend. Was sie alle dort sehen: Einen Radfahrer. Nicht aus Fleisch und Blut, sondern in Bronze gegossen, gr\u00f6\u00dfer als ein Mensch, extrem schlaksig und in sich ruhend. 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In ihrer Freizeit ist sie gern immer im Trubel des Geschehens und verbringt viel Zeit mit Sport und Wandern in der heilsamen Atmosph\u00e4re vom Salzburger M\u00f6nchs- und Kapuzinerberg. Das Schreiben ist sowohl Beruf als auch Hobby: Auch Gedichte, Kurzgeschichten und Romane z\u00e4hlen zum Repertoire der 22-j\u00e4hrigen Journalistin und Schrifstellerin. Um den eigenen Horrizont zu erweitern, begibt sie sich regelm\u00e4\u00dfig auf abenteuerliche Rucksackreisen durch aller Herren L\u00e4nder. Lebensmotto: Leb den Moment! Fragen mit Antworten von Christine Gnahn Morgen- oder Abendmensch? Wenn Morgens die Sonne aufgeht bin ich putzmunter und hab Riesenhunger auf Fr\u00fchst\u00fcck und Leben! Ich wei\u00df ich geh\u00f6re einer aussterbenden Rasse an aber ich f\u00fchle mich pudelwohl damit! Im Morgen liegt einfach eine besondere Kraft: Die Kraft des Neubeginns. Wellnessurlaub oder Rucksackreise? Rucksackreise, ruhig auch ohne jeglichen Komfort. Ich gehe auf Reisen, um Menschen, Land und Lebensgef\u00fchl zu sp\u00fcren. Dazu braucht es weder h\u00fcbsches Hotelzimmer noch edle Buffets. Alles Hab und Gut auf den R\u00fccken und bereit f\u00fcr jedes Abenteuer, das ist doch die wahre Freiheit! Berge oder Meer? Obwohl ich die Berge sehr liebe, w\u00fcrde ich wohl meist das Meer bevorzugen. Schon als Kind Stunden und Tage an der Adria verbracht, ist es mit seinen Wellen, Str\u00f6mung, Flut und Ebbe f\u00fcr mich Sinnbild der Energie und der Ruhe zugleich. Wandern oder Laufen? Ich bin ein Sportfreak. Erst morgens Laufen, dann Wandern! Turnschuhe oder High Heels? Ich besitze ein paar High Heels und die trage ich ungef\u00e4hr einmal in zwei Jahren. Im \u00fcbrigen ist High Heel wohl auch ein klarer Euphemismus f\u00fcr drei Zentimeter Absatz. Gmiadlich soll's sein und ich will mich wohlf\u00fchlen, daher: Turnschuhe! Fr\u00fchling, Sommer, Herbst oder Winter? Ich mag eigentlich jede Jahreszeit. 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In ihrer Freizeit ist sie gern immer im Trubel des Geschehens und verbringt viel Zeit mit Sport und Wandern in der heilsamen Atmosph\u00e4re vom Salzburger M\u00f6nchs- und Kapuzinerberg. Das Schreiben ist sowohl Beruf als auch Hobby: Auch Gedichte, Kurzgeschichten und Romane z\u00e4hlen zum Repertoire der 22-j\u00e4hrigen Journalistin und Schrifstellerin. Um den eigenen Horrizont zu erweitern, begibt sie sich regelm\u00e4\u00dfig auf abenteuerliche Rucksackreisen durch aller Herren L\u00e4nder. Lebensmotto: Leb den Moment! Fragen mit Antworten von Christine Gnahn Morgen- oder Abendmensch? Wenn Morgens die Sonne aufgeht bin ich putzmunter und hab Riesenhunger auf Fr\u00fchst\u00fcck und Leben! Ich wei\u00df ich geh\u00f6re einer aussterbenden Rasse an aber ich f\u00fchle mich pudelwohl damit! Im Morgen liegt einfach eine besondere Kraft: Die Kraft des Neubeginns. Wellnessurlaub oder Rucksackreise? Rucksackreise, ruhig auch ohne jeglichen Komfort. 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