{"id":137291,"date":"2019-09-04T08:00:37","date_gmt":"2019-09-04T06:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/?p=137291"},"modified":"2019-11-25T07:29:59","modified_gmt":"2019-11-25T06:29:59","slug":"auf-den-spuren-von-josef-stoitzer-in-bramberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/auf-den-spuren-von-josef-stoitzer-in-bramberg\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren von Josef Stoitzer in Bramberg"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-slt-top topBlocks\">\n<h2 class=\"wp-block-slt-subtitle\"><strong>Malen f\u00fcr eine warme Mahlzeit<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-slt-intro\">Josef Stoitzner und Bramberg \u2013 das war eine Liaison, die von Liebe, Inspiration und Leutseligkeit gepr\u00e4gt war. Doch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ging es auch ums nackte \u00dcberleben. Der Wiener Maler Josef Stoitzner \u00fcbernahm Auftragsarbeiten und tauschte Gem\u00e4lde gegen Tabak, Brennholz und Lebensmittel. Auch im Weyerhof in Bramberg h\u00e4ngen einige Originale von ihm. Im Gegenzug dazu wurden Fritattensuppe, Zwiebelrostbraten und Kaiserschmarrn aufgetischt. Das waren nachweislich die Leibspeisen des Malers, die er am liebsten mit einem Stamperl Birnenschnaps kr\u00f6nte<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Kunst n\u00e4hrt die Seele, die Kulinarik den Leib.<\/h2>\n\n\n\n<p>Doch nicht selten waren es vor allem die K\u00fcnstler selbst, die nicht wussten, woraus ihre n\u00e4chste Mahlzeit bestehen w\u00fcrde. Auch in Josef Stoitzners Leben (1884 \u2013 1951) gab es Tage, an denen er am Morgen nicht wusste, womit er die Wohnstube in seinem Bramberger Haus heizen und seine Familie ern\u00e4hren sollte. Es waren die kargen Nachkriegsjahre, in denen es den Bauern droben im Oberpinzgau noch am besten ging: Sie hatten zumindest etwas Mehl, Gem\u00fcse und Kartoffeln, Eier, Milch und Butter sowie Speck vom Hausschwein. Josef Stoitzner hingegen hatte nur sein Talent, sein K\u00f6nnen und seinen ungebrochenen Arbeitswillen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"854\" src=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/StillesStubeWeyer.jpg\" alt=\"Ein rustikaler Speisesaal mit Holztisch, verzierten St\u00fchlen und Sonnenlicht, das durch gew\u00f6lbte Fenster f\u00e4llt.\" class=\"wp-image-137293\" srcset=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/StillesStubeWeyer.jpg 1280w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/StillesStubeWeyer-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/StillesStubeWeyer-824x550.jpg 824w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/StillesStubeWeyer-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>59 Jahre war der Maler alt, als er 1943 von Wien nach Bramberg \u00fcbersiedelte. In den Ort, den er seit seiner Jugend kannte, wo er unz\u00e4hlige Male auf Sommerfrische war und wo er die Liebe zur Natur und zur hiesigen Arzttochter entdeckte. In Bramberg erz\u00e4hlt man sich bis heute die Geschichte, dass die Stoitzners eigentlich gar nicht hierher wollten. \u201eAls die Familie Stoitzner 1902 zum ersten Mal in den Pinzgau reiste, war ihr geplantes Urlaubsziel Krimml. Doch die Stoitzners stiegen irrt\u00fcmlich bereits in Bramberg aus dem Zug aus. Da ihnen der Ort so gut gefiel, entschlossen sie sich, ihren ersten und in Folge alle weiteren Urlaube hier zu verbringen\u201c, wirdSusanne Diefenbach-Stoitzner, K\u00fcnstlerin und Enkelin von Josef Stoitzner zitiert. Ob so geschehen oder anders: In jedem Fall blieben die Stoitzners und 1909 heiratete der junge Josef \u2013 gerade einmal 25 Jahre alt \u2013 die h\u00fcbsche Anna Millinger und holte sie zu sich nach Wien. Im selben Jahr absolvierte er die Lehramtspr\u00fcfung, wurde Fachinspektor an diversen Schulen in Wien und Umgebung und Mitglied der Wiener Secession. Bald schon wuchs die Familie: 1911 wurde Sohn Josef, 1913 Tochter Anna geboren. Dann kam der Erste Weltkrieg: Josef Stoitzner wurde eingezogen und kehrte als Kriegsinvalide zur\u00fcck. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Zwischenkriegsjahre waren \u00e4u\u00dferst produktiv: Josef Stoitzner reiste viel und seine Eindr\u00fccke spiegeln sich in seinem Werk wider. Doch immer schon war es auch seine zweite Heimat \u2013 der Pinzgau und vor allem Bramberg \u2013 die sich in seinen Bildern findet: Die Natur wurde ihm zur wichtigsten Inspirationsquelle. Es waren die Berge, die Jahreszeiten, die Bauerng\u00e4rten, die sch\u00f6n dekorierten Stuben, die Blumen, der Schnee, die Gletscher und die B\u00e4ume, die Josef Stoitzner faszinierten. Seine Motive fand er \u00fcberall im Ort, wissen Waltraud Moser-Schmidl, Obfrau des Museum Bramberg und Franz Meilinger vom Weyerhof: \u201eDer Pepo, wie er hier genannt wurde, war bei den Einheimischen sehr beliebt: Er galt als gesellig und leutselig. Aufgrund seiner Kriegsverletzung war er meistens mit dem Moped unterwegs und wenn man ihn in der Ferne h\u00f6rte, riefen die Leute schon: \u201aDa Maler kommt.\u2018 Nicht selten kam der Josef Stoitzner auch, um ein Kunstwerk zu tauschen: Gegen Brennholz, Lebensmittel oder eine warme Mahlzeit, wie das damals so Brauch war. Sogar f\u00fcr Tabak soll er kleine Bilder gemalt haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wegzug aus der Stadt \u2013 noch w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges \u2013 geschah aus purer Not. Das Atelier war ausgebombt, zahlreiche seiner wertvollen Holzschnitte und Lithographien unwiederbringlich verloren. Es war ein Abschied f\u00fcr immer. Anna Millinger kam gern nach Bramberg zur\u00fcck, denn so richtig wohl hat sie sich in der gro\u00dfen Stadt nie gef\u00fchlt. F\u00fcr Josef Stoitzner war der Wegzug letztendlich auch ein Ankommen: An dem Ort, wo er seinen Lebensabend verbringen w\u00fcrde. Aber auch an dem Ort, der ihm Inspiration war und den er seit Jahrzehnten liebte. \u201eJosef Stoitzner galt nicht als Zugereister. Man mochte ihn und auch seine Bilder wurden hochgesch\u00e4tzt. Er hat viele Auftragsarbeiten f\u00fcr gut situierte Familien \u00fcbernommen: Das Malen war sein Brotberuf. In zahlreichen Bauernh\u00e4usern und Gasth\u00f6fen finden sich noch originale Stoitzner-Bilder. Generationen von Brambergern wuchsen mit diesen gro\u00dfen \u00d6lbildern auf. Viele haben ihren Wert erst sehr sp\u00e4t erkannt\u201c, erz\u00e4hlt Waltraud Moser-Schmidl bei einem Bummel durch die Nationalparkgemeinde Bramberg. Josef Stoitzner wurde in der Fachwelt lange Zeit nur wenig beachtet. Und das obwohl er in New York ausstellte und 1939 Mitglied des Wiener K\u00fcnstlerhauses wurde. Das Salzburg Museum beispielsweise erwarb erst 1983 die ersten Bilder von ihm. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hochbegehrt &#8211; die Stoitznerbilder<\/h2>\n\n\n\n<p>Heute werden Stoitzner-Bilder hoch gehandelt und wer sich im Museum Bramberg umsieht, wei\u00df warum: die gro\u00dfformativen \u00d6lbilder verf\u00fcgen \u00fcber eine enorme Tiefe, sind detailgetreu und \u00fcberraschen mit ungewohnten Perspektiven. \u201eDie j\u00e4hrlich wechselnden Sonderausstellungen best\u00fccken wir mit Leihgaben. Viele davon stammen von Familien aus dem Ort\u201c, erkl\u00e4rt Waltraud Moser-Schmidl stolz. \u201eJosef Stoitzner war aber nicht nur ein Chronist, sondern auch ein \u00c4sthet. Er hat Details ver\u00e4ndert, nicht alles war so, wie es seine Bilder zeigen.\u201c Aber dennoch hat er monumentale Erinnerungen geschaffen. Die \u201eT\u00fcrkische Zeltstadt\u201c beispielsweise \u2013 ein Gletscher im Obersulzbachtal \u2013 gibt es schon lange nicht mehr: Josef Stoitzner hat sie in \u00d6l festgehalten und so f\u00fcr die Nachwelt erhalten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/museum-bramberg_stoitzner.jpg\" alt=\"Gerahmte Landschaftsgem\u00e4lde und Portr\u00e4ts an einer gut beleuchteten Galeriewand mit einem Informationsschild.\" class=\"wp-image-137294\" srcset=\"https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/museum-bramberg_stoitzner.jpg 1920w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/museum-bramberg_stoitzner-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/museum-bramberg_stoitzner-825x550.jpg 825w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/museum-bramberg_stoitzner-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.salzburgerland.com\/de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/museum-bramberg_stoitzner-1320x880.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bramberger Genuss-Spazierg\u00e4nge<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nach einem Besuch im<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" Museum Bramberg (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.museumbramberg.at\" target=\"_blank\"> Museum Bramberg<\/a> und einem Spaziergang zum ehemaligen Stoitzner-Wohnhaus besteht im Rahmen der \u201eBramberger Genussspazierg\u00e4nge\u201c die M\u00f6glichkeit, ausgew\u00e4hlte \u201eGenuss-Orte\u201c zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MUSEUM BRAMBERG \u2013 TANZLEHENSTALL<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4lle, Geh\u00f6fte und Werkst\u00e4tten waren immer ein beliebtes Motiv von Josef Stoitzner. Auch das Tanzlehengut wurde vom ihm verewigt. Heute sind in den alten St\u00e4llen Haflinger untergebracht, dar\u00fcber hinaus wird Kunst und Kulinarik pr\u00e4sentiert: Besonders beliebt bei Besuchern sind die \u201eApfelradl\u201c aus alten Apfelsorten des Obstgartens.<\/p>\n\n\n\n<p>MU<strong>SEUM BRAMBERG \u2013 SAMPLHAUS<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Samplhaus bietet Raum f\u00fcr althergebrachtes Wissen. Entlang von \u201eStoitzner-Motiven\u201c und durch die Stoitzner-Gasse mit dem Wohnhaus der Familie gelangt man zum Samplhaus. Ein wunderbarer Bauerngarten bildet die Kulisse f\u00fcr den Wochenmarkt und es besteht die M\u00f6glichkeit, Krapfen mit Sauerkraut zu kosten. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einkehr im Weyerhof<\/h2>\n\n\n\n<p>Und danach empfiehlt sich eine Einkehr im wundersch\u00f6n gelegenen <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Weyerhof (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.weyerhof.at \" target=\"_blank\">Weyerhof<\/a>, in dem auch Josef Stoitzner gerne zu Gast war. K\u00fcchenchef Franz Meilinger hat in Gedenken an den ber\u00fchmten Gast ein spezielles Men\u00fc kreiert. <em>\u201eBei uns gibt es nach wie vor die ehrliche und echte K\u00fcche, wie sie schon Josef Stoitzner gesch\u00e4tzt hat. Bei unseren Nachforschungen haben wir erfahren, dass er vor allem Zwiebelrostbraten geliebt hat. Und den Birnenschnaps hat er nicht nur gerne getrunken, sondern auch immer wieder gemalt\u201c,<\/em> so Franz Meilinger. <\/p>\n\n\n\n<p>Und so n\u00e4hrt die Kunst heute immer noch die Seele und die Kulinarik den Leib: In Bramberg eine wunderbare Kombination in Gedenken an einen gro\u00dfen Maler, der dieser Empfehlung bestimmt zugestimmt und am Ende ein zweites Stamperl Birnenschnaps geordert h\u00e4tte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kunst n\u00e4hrt die Seele, die Kulinarik den Leib. Doch nicht selten waren es vor allem die K\u00fcnstler selbst, die nicht wussten, woraus ihre n\u00e4chste Mahlzeit bestehen w\u00fcrde. 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Privat ist sie am allerliebsten drau\u00dfen in der Natur unterwegs: Zu Fu\u00df, mit dem Mountainbiker oder mit Ski. Hauptsache der Rucksack ist mit dabei und viel Zeit. Gerne in Begleitung, aber ebenso gerne auch allein: Denn es gibt keinen besseren Gespr\u00e4chspartner als die Natur selbst. Was ihre beiden Lebensbereiche \u2013 das Berufliche und das Private \u2013 verbindet, ist ihre Vorliebe f\u00fcr Geschichten. Die Salzburgerin liebt es einerseits, Menschen zuzuh\u00f6ren, die eine Geschichte zu erz\u00e4hlen haben. Andererseits ist sie selbst eine passionierte Geschichtenerz\u00e4hlerin. Franziska Lipp betreute als Chefredakteurin \u00fcber zehn Jahre lang das G\u00e4stemagazin \u201eSommerzeit\u201c und \u201eWinterzeit\u201c der SalzburgerLand Tourismus und begleitet das Unternehmen bei zahlreichen Projekten wie etwa bei der Neu-Konzeption des \u201eSalzburger Almenwegs\u201c. Die studierte Tourismussoziologin h\u00e4lt Schreib- und Storytelling-Workshops f\u00fcr touristische Unternehmen und Verb\u00e4nde und begleitet als Konzepterin touristische Projekte wie das \u201eSalzburger Gipfelspiel\u201c in der Salzburger Sportwelt. Im Februar 2023 erschien ihr Buch \u201eLieblingspl\u00e4tze im Salzburger Land\u201c im Gmeiner Verlag mit 84 besonderen Orten in der Stadt Salzburg und in allen Ferienregionen. Bisher erschienene B\u00fccher von Franziska Lipp: \u2022 \u201eLieblingspl\u00e4tze im Salzburger Land\u201c \u2013 2023 (Gmeiner Verlag) \u2022 \u201eK\u00f6stliches von der M\u00fcllerin\u201c \u2013 2021 (Hg. Monika Drax, Drax-M\u00fchle) \u2022 \u201eGesundheit im Zentrum\u201c \u2013 Richtig gut leben mit der Modernen-Mayr-Medizin \u2013 2021 (Hg. Park Igls) \u2022 \u201eDas kleine Buch: Stille Nacht! 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