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Traditions-Handwerk vom jungen Meisterschuhmacher

Eine Werkstatt. Ein Ofen. Nägel, Leder und einfach extrem viele Schuhe. Nicht irgendwelche Schuhe, sondern traditionelle und handgemachte, originale sowie originelle „Goiserer“. Der 26-jährige Schuster Philipp Schwarz – in Strobl am Wolfgangsee geboren – hat eine lange Tradition im Salzkammergut wiederbelebt und möchte sie längerfristig auch am Leben erhalten. In Zukunft zudem gerne im Team.

Philipp packt ein Bündel Spreißel: „Ich heiz’ die Werkstatt a bissl ein, dann ist es gemütlicher.“ Der Hocker, auf dem er Platz nimmt, ist mit Leder bezogen. Natürlich hat er den Hocker auch selbst bezogen, selbst gemacht also. So wie die Halbschuhe, Bergschuhe oder die nach seiner Idee entworfenen und gefertigten „Zehan Goiserer“ (= Flip Flops). Der Schuster, der dieses seit dem Jahr 1875 bestehende Traditions-Handwerk wieder aufgenommen hat und die Marke nicht nur am Leben erhält, sondern revolutioniert hat. Dabei näht er immer noch mit einer der ältesten Nähmaschinen, die eigentlich schon im Museum stehen könnte. 

Selber gemacht hat Philipp Schwarz auch logischerweise seine Ausbildung zum Schuhmacher. Nach der Matura im Jahr 2009 in der Tourismusschule in Bad Ischl war er bei einer österreichischen Wintersportartikel-Firma im Marketing tätig. Schon damals hat er sich besonders für die Entwicklung von (Langlauf-)Schuhen und die Anatomie des Fußes interessiert.

© Marc Schwarz / www.marcschwarz.at

 

„Der Goiserer ist vom Handwerk her sehr attraktiv für mich. Mich interessiert dieses traditionelle Handwerk – und vom Schuh her gibt es Möglichkeiten, ihn entweder konservativ oder modern zu gestalten“, betont Philipp dabei sein Schaffen. Zu schaffen hat er momentan einige Schuhe – und auch die Reparaturen beschäftigen ihn: Während des Interviews mit dem SalzburgerLand-Magazin kommen zwei Damen, ein Herr und ein Bub mit Fragen bezüglich „Schuh-flickens“ in die Werkstatt. Dass an einem Donnerstag am frühen Nachmittag so viel los ist, sei ganz normal, schildert er – auch wenn von zwölf bis 15 Uhr die Werkstatt eigentlich geschlossen ist (Philipp arbeitet dann eben in Ruhe an den Schuhen).

Mittlerweile ist Philipp Schwarz seit Februar „Meisterschuhmacher“: „Das war von Anfang an ein großes Ziel von mir. Ich wollte dieses alte Handwerk so perfekt wie möglich lernen.“ Streng genommen wären erst im Oktober 2017 seine drei Jahre Lehrzeit zu Ende. Philipp durfte zudem auch bereits nach eineinhalb Jahren zur Lehrabschlussprüfung antreten. Einen Lehrbetrieb zu finden, war aber alles andere als leicht – von zwölf Betrieben bekam er elf Absagen. Zusätzlich hatte er Glück und erhielt durch eine Stiftung finanzielle Unterstützung während seiner Lehre.

© Marc Schwarz / www.marcschwarz.at

 

Philipp betont zudem, dass sich vom „Handwerk und der Technik nichts verändern wird. Ich will die Tradition aufrechterhalten, vor allem die Machart, die Zwienähte und die Herstellungstradition. Im besten Fall Mitarbeiter anstellen und ausbilden – der Lehrling ist auch recht wichtig für mich.“ Denn laut seiner Aussage tragen die jungen Leute die Tradition weiter. Philipp ist zudem auch ein Teamplayer, ihm würde es gefallen, wenn er Gesellschaft bei der Schusterei in seiner Werkstatt hätte. 

Gesellschaft hat der engagierte Unternehmer und Schuhmacher zumindest privat: Seine Ehefrau Stefanie Schwarz, mit der er in Strobl lebt, hat ihn bezüglich seines Traums immer unterstützt (und tut dies noch). Philipp hat seine Lehre beim damals letzten Goiserer Schuhmacher gemacht. Die Firma musste aber schlussendlich Konkurs anmelden und Philipp hat daraufhin den Sprung ins kalte Wasser gewagt und sich selbstständig gemacht. Am Wochenende vor der Hochzeit mit Stefanie haben die beiden Liebenden mit Unterstützung von Familie und Freunden die Werkstatt fertig eingerichtet – und dabei haben sie Schaukasten, Hocker, „Geschäfts-Budl“ (= Tresen), Regale oder etwa die Arbeitstische selber gefertigt (!).

© Marc Schwarz / www.marcschwarz.at

 

„Ich habe mir mein langjähriges Ziel erfüllt“, strahlt Philipp. Am Anfang seiner Tätigkeit im August 2016 ist er aber für seinen Traum etwa 70 – 80 Stunden in seiner Werkstatt gestanden und hat gearbeitet: „Sowas ist natürlich für eine junge Ehe eine Herausforderung. Nachdem ich Steffi aber mit Schuhen, Handtaschen und Gürteln versorge, lässt sich der zwischenzeitliche Trennungsschmerz etwas kompensieren“, grinst er. Abgesehen von seiner Ehefrau ist ihm vor allem das beste Material für seine kunstvollen Schuhe wichtig – denn er könnte etwa in Indien um 80 Prozent billiger einkaufen, „aber die Art, wie das Leder dort hergestellt wird, entspricht nicht meiner Philosophie.“

„Der Goiserer“ Philipp Schwarz lebt aber für gesunde Füße, traditionelles Schuhwerk, die Zufriedenheit und den sogenannten Wow-Effekt beim Kunden. Zudem hat die Beständigkeit seines Schaffens einen irrsinnig hohen Stellenwert für ihn. Dementsprechend lang ist auch für die Kunden die Wartezeit auf einen Maßschuh beim „Meisterschuhmacher“: Völlig gleichgültig, ob man Haferl- oder Bergschuh haben möchte – die Wartezeit beträgt derzeit zirka die Dauer einer menschlichen Schwangerschaft. Also besser heute als morgen einen Termin ausmachen und vorbeikommen.

Zum Abschluss stand der innovative Schuster freilich noch den „short questions, short answers“ von Autor Raphael Auer Rede und Antwort – exklusiv für das SalzburgerLand-Magazin:

SalzburgerLand-Magazin: Brünett, schwarz oder blond?

Philipp: Schwarz.

SL Mag: Bier oder Red Bull?
P: Bier.
 
SL Mag: Leder oder Kunststoff?
P: Leder.
 
SL Mag: Rock oder Hip Hop?
P: Rock. Aaaaaah….i hau’s scho g’sogt, 50-50.
 
SL Mag: Hammer oder Nagel?
P: Hammer.
 
SL Mag: Kino oder streamen (VOD)?
P: Kino.
 
SL Mag: Strobl oder Goisern?
P: Strobl.
 
SL Mag: Wolfgangsee oder Fuchlsee?
P: Wolfgangsee.
 
SL Mag: Berg oder Strand?
P: Berg.
 
SL Mag: Himmel oder Nirvana?
P: Himmel.
 
 
Fotocredit Titelbild: © Marc Schwarz / www.marcschwarz.at

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