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Kochen mit der Wunderkiste

Alles begann mit einem verregneten Nachmittag auf einer Hütte irgendwo in den Bergen um den Wolfgangsee. Gerlinde Egger und Alois Eisl, eigentlich zum Wandern hergekommen, zog es bei diesem Wetter nicht hinaus. Stattdessen machten sie es sich im Stüberl gemütlich, studierten jeder für sich Zeitschriften – bis Alois Eisl eine Entdeckung machte.

„Hast du das schon mal gesehen, Gerlinde?“, fragte er. Hatte sie nicht. Abgebildet auf dem Foto war eine große Kiste aus Holz. „Mit dieser“, so hieß es im dazugehörigen Artikel, „kann man kochen ohne Energieaufwand!“ Zu schön um wahr zu sein, war der erste Gedanke. Doch die Neugierde siegte. „Ich bin Elektrotechniker, verfüge also schon über Grundkenntnisse der Physik. Das, was in dem Artikel geschildert wurde, hörte sich nicht nach Hokuspokus an sondern nach einem logischen Prinzip, das wirklich funktionieren könnte.“

Eine Idee war geboren
Am selben Tag noch machte sich Alois ans Werk, suchte sich Holz, sägte sich notdürftig ein paar Bretter und baute die Kiste wie in der Illustrierten beschrieben nach. Hinein kam der erhitzte Kochtopf mit bereits dampfendem Inhalt und noch etwas Zeitungspapier zur Dämmung. Das Experiment war fertig. „Ich habe erstmal nur Wasser reingefüllt, wollte nur spaßeshalber prüfen: Ist das Wasser am nächsten Morgen tatsächlich noch warm?

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Alois und Gerlinde mit ihrer heißgeliebten Garkiste – inklusive Topf und Kissen zum Zudecken

Es war. Gerlinde Egger und Alois Eisl waren begeistert. Die Geschäftsidee der beiden, die sie heute mit Leib und Seele verkörpern, war geboren: Die Garkiste. „Man erhitzt eine Mahlzeit, zum Beispiel Kartoffeln oder einen Braten, für zwei Minuten auf dem Herd – und gibt den Kochtopf dann an die Kiste hinein. Dort behält es sich alle bereits aufgewandte Energie für Stunden, sogar Tage und lässt den Inhalt schmoren“, erzählt Gerlinde.

„Wir gehen gerne und viel in den Bergen wandern. Wenn wir heimkehren, sind wir nicht nur müde sondern haben natürlich einen Bärenhunger. Dann ist es wie nach Hause zur Mama kommen: Köstlich dampfendes Essen, bereits warm, wartet nur darauf, gegessen zu werden.“

„Man spart nicht nur Energie, sondern auch Zeit!“
Früher, so erinnert sich die leidenschaftliche Hobbyköchin, habe sie stundenlang am Herd gestanden, um einen guten Braten oder Gulasch zu zaubern. „Heute kann ich die Zeit für alles nutzen, was ich sonst gerne mit meiner Freizeit anstelle. Nähen, lesen, spazieren, wandern – der Nachmittag gehört mir.“ Die Kiste erledige einen großen Haufen Arbeit. „Den Herd, auf dem etwas brodelt, könnte man ja auf keinen Fall unbeaufsichtigt lassen. Da fängt’s ja sonst am Ende an zu brennen!“

Die Kiste speichert nur Energie, erzeugt keine und ist somit absolut ungefährlich. Einen riesigen Pluspunkt spricht Alois an: „Geld und Kraft. Man kann sich soviel an Kosten sparen, wenn man nicht den Herd für Stunden aktiviert lässt und jede Menge Energie verpulvert.“ Der Elektrotechniker überzeugt gerne mit Rechnungen. „Wenn beispielsweise jeder österreichische Familienhaushalt dreimal die Woche mit der Kiste statt mit dem Herd kochen würde: Wir könnten uns ein mittelgroßes Kraftwerk komplett sparen.“

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Das Kissen gibt es bislang in vier verschiedenen Farben. Gerlinde näht sie alle selbst.

Eine Technik, die verloren ging
„Kartoffeln, Kürbis, Broccoli, rote Rüben, Fleisch, Fisch, Bohnen, Linsen: Die Liste ist endlos. Einfach reingeben in den Topf und fünf Stunden später wieder hineinschauen. Voilà, fertig ist das Essen!“, berichtet Gerlinde. Dass sie selbst noch immer begeistert wie verblüfft von der wiederentdeckten Garkiste ist, sieht man ihr an.

Ja: Wiederentdeckt. Denn das Prinzip der Garkiste ist möglicherweise bereits mehrere Jahrhunderte alt. Überliefert ist, dass es bereits vor hundert Jahren seine Anwendung fand. „Nicht etwa im bäuerlichen Milieu, wie viele dann vermuten – sondern in den wohlhabenden Städtehaushalten“, weiß Alois. Der Grund ist einfach: Während Bauern und Handwerker auf dem Land zumeist noch am offenen Feuer kochten, verfügte die reiche Oberschicht bereits über die Vorläufer unserer heutigen Herde. Für diese erst gab es die Behälter in Topfform mit glatter Unterseite, die sich in die Kiste stellen ließen.

Seit Gerlinde und Alois ihre „Garwerkstatt“ in Fuschl am See (wo sie auch wohnen) eröffnet haben und auf ihrer Homepage offiziell die Kisten mitsamt Topf und mehreren Utensilien verkaufen, bekommen sie viel Feedback. Ganz besonders auch von älteren Menschen. „Die sind hingerissen, euphorisch, gerührt, alles auf einmal“, erzählt Gerlinde lachend, „weil sie das noch aus ihrer Kindheit kennen.“

Wie, so fragt man sich, konnte das Wissen um diese energiesparende und nährstofferhaltende Kochtechnik verloren gehen? „Die Elektroherde kamen nach dem zweiten Weltkrieg. Jeder wollte so ein Ding haben, es wurde zum Prestigeobjekt. Die Kiste kam einfach aus der Mode und dann vergaßen die Menschen um sie.“

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Der Topf ist aus Emaille – „da schmeckt Gemüse gleich viel besser!“

Packerl voll mit guten Sachen
Bestellt man eine Garkiste bei Gerlinde und Alois, ist im Paket mehr drinnen als „nur“ eine schicke Holzkiste mit Emaille-Siegel und Ledergriffen zum Tragen. Auch ein schicker weißer Kochtopf, ebenfalls aus Emaille, ein flauschiges Kissen und eine Broschüre sind im Packerl mit drinnen. „Das Kissen, um es auf den Topf hinauf zu geben und die Wärme quasi zu stauen. Die Broschüre, damit man am Anfang nicht nur eine Anleitung sondern auch Tipps und ein paar sehr feine Rezepte zur Hand hat“, erklärt Gerlinde.

Das, was die Käufer finden, sobald sie die sorgsam verpackte Fracht öffnen, ist zu hundert Prozent österreichisches Produkt. Und zu einem Großteil selbst fabriziert. Mit seinem Cousin, einem gelernten Tischler, baut Alois die Kisten selbst zusammen. Die Kissen näht Gerlinde in liebevoller Handarbeit. Der letzte Schliff: Der Knopf, der jedes Kissen ziert. „Das ist immer ein Unikat. Ich sammle seit jeher Knöpfe von überallher und die kommen nun auf den Stoff. Welche Geschichten die wohl alle in sich tragen?“

Nur den Topf und die Prägung auf dem Kistendeckel bestellen Alois und Gerlinde beim einzigen überbleibenden Töpfehersteller in Österreich. „Der Herr Riess ist selbst schon begeisterter Garkisten-Kocher!“

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„Und so muss man das dann drauf legen…“

Blog mit Rezepten und Ideen
Eine ganz besondere Serviceleistung für alle, die sich im Besitze einer Garkiste befinden, bieten Gerlinde und Alois mit ihrem Blog an. Woche für Woche veröffentlichen die beiden dort neue  Ideen und Rezepte – stets illustriert mit den handgezeichneten Bildern von Gerlinde. „Ich kann da alle meine Leidenschaften in Einsatz bringen. Kochen, malen, nähen – einfach genial!“

Beide, Gerlinde und Alois experimentieren gerne. So auch Gerlindes Mutter. „Wir sind jetzt auf so viele Sachen gekommen, der Wahnsinn! Wer hätte gedacht, dass man sogar Joghurt selbst machen kann?“ Milch frisch vom Bauern, einen Löffel Joghurt hinzugeben, das Ganze auf 7o Grad erhitzen, auf 40 abkühlen lassen und ab in den Gartopf. „Am nächsten Tag hat man feines Joghurt. Ganz anders, als alles was ich aus dem Supermarkt kannte. Besser.“

Überhaupt schmeckt dem Paar das, was der Supermarkt an fertigen Produkten liefert, heute nicht mehr. „Wenn man das einmal selbst gekocht hat aus Obst, Gemüse, Fleisch – will man nichts mehr fertiges“, ist Gerlinde überzeugt. Kochen so wie früher, nur ohne den Zeitaufwand. Weil die Kiste die Arbeit erledigt und nicht beaufsichtigt werden braucht.

Man könnte sagen: Ein kleines Paradies in Kistenform.


Besuchen Sie die Website von Gerlinde Egger und Alois Eisl.

Alois Eisl & Gerlinde Egger
Garwerkstatt®
Winklweg 3
5330 Fuschl am See

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