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Kleine Kunstwerke der Herbergsuche

Wer hier anklopft, findet Aufnahme. Ein Daheim. Großes kann man in diesen winzigen Szenarien entdecken.

Johann Wörndl-Aichriedler aus Thalgau hat ihn, den Heiland, schon viele Male hineingebeten in Wärme und Geborgenheit: in Ställe und Felsgrotten, große und kleine Krippenlandschaften, in Spanschachteln, Wand- und Flügelkrippen. Das „große Erlebnis im Stall von Bethlehem“ beschäftigt ihn das ganze Jahr über.

Johann Wörndl-Aichriedler aus Thalgau haucht diesem Mikrokosmos quirliges Leben ein.

Der Krippenbauer vom Thalgauberg trägt unablässig Material für seine Landschaften zusammen – Hölzer, Rinden, Teppichrollen, Kork. Er konstruiert dreifach verleimte Unterböden aus Weichfaserplatten und Fichtenholz, baut aus abgestorbenen Buchenstöcken Gebirgsmassive auf, schnitzt Säulen und Zinnen, fertigt Schindeln für Almhütten, formt aus Sägespänen, Kalk und Leim Kügelchen zu „steinernen“ Türmen. Quirliges Leben haucht er diesem Mikrokosmos ein: Figuren, die aus Modeln gepresst sind, eilen zum Christuskind. Vorbei an zinnenbewehrten Mauern und zypressenumwachsenen Ruinen, entlang an Bächen, Bauernhöfen, Bergen. Ganze Völker befänden sich hier, sagt der Krippenbauer, in „innerlicher Aufgewühltheit“: Hirten und Könige, Bauern, Wasserschöpfer, Handwerker, Dienstboten. Und was sie alles en miniature mittragen, ist eine kleine Sensation: Sensenblätter, die der Künstler aus Konservendosen herausschneidet, winzige Sägen aus Blech, Maiskolben aus Bast und Maisgrieß, Heugabeln aus feinstem Draht, Rechen mit Spitzen aus Zahnstochern, Milchkannen mit abnehmbaren Deckelchen, Zentrifugen zum Butterrühren.

Die Werke des Krippenbauers vom Thalgauberg tragen seine ganz persönliche Handschrift.

Seine Leidenschaft gilt jedem noch so kleinen Detail, seit der pensionierte Beamte 1991 mit dem Krippenbau begonnen hat. Die Fortbildung in der Tiroler Krippenbauschule gab Anstoß für eigene Experimente mit Stil und Materialien. Daraus entwickelte der Flachgauer seine ganz eigene, faszinierende Handschrift. Viele Jahre gab er im Flachgau Kurse im Bau alpenländischer und orientalischer Krippen. Seine rund 100 selbst gebauten Werke werden jetzt bald wieder in weihnachtlichen Stuben und an öffentlichen Plätzen glänzen, so auch die 2,90 mal 1,40 Meter große Schulkrippe, die er für das Akademische Gymnasium in Salzburg gebaut hat. Wörndl-Aichriedler hat die große Thalgauer Kirchenkrippe restauriert und auf Anregung des Salzburger Heimatwerks den Bau österlicher Passionskrippen in seinem Landstrich wiederbelebt. Eines kann dieser Volkskünstler schwer ertragen: verwahrloste Krippen. „Seh ich eine solche, muss ich mich umdrehen und gehen“, sagt er lächelnd.

MEIN KUNSTWERK VON CHRISTINE SCHWEINÖSTER

Bildnachweis: BILDER: SN/WALTER SCHWEINÖSTER

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