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Hirschtalgcreme und Halbschuhe

29 Tage vorher

„Du wirst nach spätestens drei Tagen solche Blasen haben, dass du keinen Schritt mehr gehen kannst.“ Das hat mir gestern bei einem Abendessen mein Freund Jörg prophezeit, als ich ihn in mein alpines Vorhaben einweihte. Ich nehme Jörgs Urteil aus drei Gründen ernst:

  1. Er ist mein bester Freund und meint es wirklich gut mit mir.
  2. Er ist sonst für jede Verrücktheit zu begeistern. Je extremer, desto besser.
  3. Er ist selbst schon Marathons gelaufen und war Leistungssportler, kennt sich also in den körperlichen Grenzbereichen gut aus.

Jörg hat mich unsicher gemacht. Ich rufe also einen weiteren Freund an: Udo, Südtiroler, einer der weltbesten Bergfotografen und quasi mit Bergstiefeln an den Füßen geboren. Von 365 Tagen des Jahres, ist Udo geschätzte 300 in den Bergen unterwegs. Sein Urteil: „Es ist grundsätzlich schon möglich, was Du da vorhast. Aber zieh´ auf keinen Fall Bergstiefel an, die sind viel zu schwer. Geh´besser mit Halbschuhen. Wichtig ist, dass sie eine gute Vibram-Sohle haben.“Überhaupt bekomme ich nun gefragt und ungefragt Tipps von allen Seiten: Zwei Bekannte, die auf dem Jakobsweg unterwegs waren, schwören darauf, die Socken während der gesamten Tour nicht zu wechseln. Zwei Wochen in denselben Socken? Das wird mich auf den Hütten wohl ziemlich einsam
machen…

Weitere Empfehlungen: Hirschtalgcreme, selbst gestrickte Socken, Gelpflaster vom ersten Tag an. Es ist auch zu beobachten: Meine bevorstehende Extremtour führt zu geschlechtsspezifisch sehr unterschiedlichen Reaktionen. Sie ist eher die Erfüllung eines Männertraums. Viele meiner Freunde spielen ernsthaft mit dem Gedanken, spontan Urlaub zu nehmen und mich zu begleiten. Zumindest ein paar Tage lang. Sie sehen mein Vorhaben als reizvolle Herausforderung. Die Frauen dagegen betrachten die Tour eher als eine Art „höhergelegten Versuch, eine späte Midlifecrisis zu bewältigen.“ Sie sind sich nicht so ganz sicher, was ich mir selbst – oder wem auch immer – damit beweisen möchte.

Ich werde von Tag zu Tag unsicherer. Denn es tauchen immer neue theoretische Fragen auf. Zum Beispiel: Was werde ich machen, wenn es mal einen kompletten Tag lang wie aus Kübeln gießt? Oder wenn es Gewitter gibt? Dann ist mein enger Zeitplan wohl nicht zu halten…

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