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Der Kinder Krampus

Geliebt und gefürchtet zugleich treiben im Dezember Krampusse und Perchten ihr Unwesen im Salzburger Land. Wir haben uns auf die Suche nach dem Nachwuchs für das alpenländische Brauchtum begeben und begleiten einen Jungkrampus bei seinem ersten Lauf.

Neben der Zeit der Stille, der Besinnlichkeit und des familiären Beisammenseins ist der Dezember auch die Zeit mystischer Gestalten und laut rasselnder Schellen. Wo in der Nikolaus- und Weihnachtszeit Krampus und Perchten ihr Unwesen treiben, schaudert es nicht wenigen. Faszination und Angst gehen oft Hand in Hand. Doch wo viele Kinder beim leisesten Glockengeläut bereits die Flucht unter den Tisch antreten, gibt es auch solche, die von klein auf keine Scheu vor den pelzigen Gesellen zeigen.

Zum ersten mal Krampus

Ein Krampus ist geboren

Timon ist 10 Jahre jung. Angst vor dem Krampus ist ihm fremd. Sein ganzes Leben begleiten ihn die dunklen Gestalten als Vorbild und verlangen ihm weniger Nerven als vielmehr Bewunderung ab. Beim Krampuslauf gehört ihm die vorderste Reihe. Seit er denken kann träumt er davon, eines Tages einer von ihnen zu sein. Sein Grimassen-Repertoire ist nicht enden wollend, die ersten Masken bastelt er sich aus Papier. Stöcke sind seine Hörner, Nussrasseln seine Glocken, als Ruten dienen Gürtel und Seile. Die Zuseher sind meist Stofftiere und Matchbox-Autos. Mit 4 Jahren steht im Brief ans Christkind nur ein Wunsch: Eine echte holzgeschnitzte Krampusmaske. Seither treibt der kleine Krampus sein Unwesen in Familie und Nachbarschaft – und das während des ganzen Jahres.

Der große Auftritt 

Endlich ist es soweit. Mit 10 Jahren steht Timon vor seinem ersten Auftritt als echter Krampus. Als Teil der Salzburger Falkenpass darf er an Salzburgs größtem Krampusereignis teilnehmen, dem Gnigler Krampuslauf. Bisher nur mit Maske, Schellen und Rute ausgestattet, steigt er heute erstmals in die komplette Krampusmontur. Ein sichtlich besondere Moment, der ihn eine Zeit lang vor dem Spiegel verharren lässt. 

Die Anspannung steigt, Nervosität begleitet den jungen Krampus auf seinen ersten Metern. Die Straßen sind abgesperrt. 10.000 Besucher stehen dicht gedrängt hinter den Absperrzäunen. Die lauten Schellen, die unzähligen Zurufe aus der Menge und dann auch noch Seite an Seite mit dem Nikolaus gehen. Trotz Maske ist Timon sichtlich beeindruckt. Doch der Respekt hält nur wenige Sekunden an. Langsam besinnt er sich darauf, wozu er hierher gekommen ist und worauf er seit Jahren gewartet hat. Und so wird aus einem 10-jährigen Bub plötzlich ein echter Krampus mit all seinen furchterregenden Eigenheiten. Ganz wie die großen rennt er in gebückter Haltung von einem Ende der Straße zum anderen, verteilt Hiebe mit dem Pferdeschwanz, erschreckt und umarmt anschließend zahllose Kinder und Erwachsene. Vor allem die kleinen Gäste lieben ihn dafür.

Ausdampfen

30 Minuten läuft Timon und die Falkenpass unermüdlich durch die Straßen. Abschließend folgt noch einer dieser Momente, auf die Timon sich schon gefreut hat. Das Ausdampfen nach dem Abnehmen der Maske. Denn trotz Minusgraden ist so ein Krampuslauf eine schweißtreibende Sache. Das merkt auch unser Kinderkrampus, der erschöpft aber überglücklich von seinem ersten Auftritt als Krampus nach Hause kommt und heute wohl besonders süß-schauderhafte Träume hat.

Fotos © Lukas Uitz 
Video © Thomas Lahnsteiner

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